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«Jede und jeder scheint im Besitz der ganzen Wahrheit zu sein» - Pascal Furer verabschiedet sich als Grossratspräsident

Das Amtsjahr von Pascal Furer ist vorbei. In seiner Schlussansprache kritisierte er die Corona-Politik des Regierungsrats, beteuerte aber, trotz der Pandemie ein gutes Jahr gehabt zu haben.

Eva Berger
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Grossratspräsident Pascal "Mosti" Furer aus Staufen präsidierte seine letzte Session. Nach einem Jahr geht für ihn das Amt als Grossratspräsident zu Ende. Aufgenommen am 7. Dezember 2021.

Grossratspräsident Pascal "Mosti" Furer aus Staufen präsidierte seine letzte Session. Nach einem Jahr geht für ihn das Amt als Grossratspräsident zu Ende. Aufgenommen am 7. Dezember 2021.

Chris Iseli

Die gestrige Sitzung des Grossen Rats war die letzte in diesem Jahr. Und damit auch die letzte unter der Leitung von Grossratspräsident Pascal Furer (SVP). Beinahe hätte er noch seinen ersten Stichentscheid fällen müssen. Dazu kam es dann aber nicht. Und darüber sei er froh, sagte er.

Um 17 Uhr war es schliesslich soweit. Die letzte Traktandenliste des Jahres war vollständig abgetragen, die Sitzung beendet. Der Apéro zur Feier blieb jedoch aus. Dieser könne umständehalber nicht stattfinden, weil der Regierungsrat mit seinen Vorschriften weiter geht als der Bundesrat, monierte Furer in seiner Schlussansprache. Als Freund des Föderalismus habe er damit zwar grundsätzlich kein Problem. Es irritiere ihn einfach, dass der Regierungsrat öffentlich einheitliche Vorgaben fordere, «selbst dann aber regelmässig etwas anderes beschliesst». Das er-
schwere das Verständnis für die Massnahmen. «Die täglich änderenden Regeln führen auch nicht dazu, dass Bürgerinnen und Bürger überhaupt wissen können, was gilt.»

Applaus vom Regierungsrat nach der Schlussansprache.

Applaus vom Regierungsrat nach der Schlussansprache.

Chris Iseli / AGR

Legislaturbeginn im Exil in Spreitenbach

Pascal Furers Amtsjahr war von den Coronamassnahmen geprägt. Bis zu den Sommerferien fanden die Sitzungen in der Umweltarena in Spreitenbach statt. Er sei dankbar, konnte der Grosse Rat aus dem Exil zurückkehren, so Furer. Die erschwerten Bedingungen hätten es vor allem den Neuen im Grossen Rat nicht einfach gemacht, sich zu Beginn der Legislatur rasch in den Ratsbetrieb einleben zu können. Sein Eindruck sei aber, dass es dann doch gelungen ist.

Chris Iseli

Für seine Eröffnungsrede im Januar hatte Furer den ersten Grossratspräsidenten der SVP zitiert. Dieser amtierte 1923, in ebenfalls schwierigen Zeiten, das sei ihm deshalb passend erschienen. Da damals Schlussansprachen noch nicht üblich waren, zitierte der jetzt abtretende Präsident stattdessen die Presse, die über seinen Ur-Ahn im Präsidium berichtete: «Wir wollen noch eines hervorheben: Die Arbeit wurde in relativ wenig Sitzungen erledigt; das hat der Staatskasse erkleckliche Ersparnisse gebracht», hiess es da.

Graben durch die Bevölkerung wurde nicht kleiner

Tatsächlich hatte auch Furer im langjährigen Vergleich wenig Sitzungen zu bestreiten. Dazu kamen 56 Anlässe und Auftritte, was etwa einem Viertel von Präsidialjahren der Vorpandemiezeit entspreche. Für ihn sei damit die Vereinbarkeit von Amt und Beruf perfekt gegeben gewesen und sein Amtsjahr sei auch auf der Waage einigermassen spurlos an ihm vorbei gegangen.

Er habe sein Amt mit grosser Freude ausgeführt, es sei für ihn kein schwieriges Jahr gewesen. Für die Bevölkerung aber schon. Der Graben, der sich bereits zu Beginn des Jahres durch die Bevölkerung gezogen habe, sei leider nicht kleiner geworden. «Jede und jeder scheint alleine im Besitze der ganzen Wahrheit zu sein», zu selten werde versucht, die andere Seite zu verstehen, meinte Furer. «So kommen wir aber nicht weiter. Die Auseinandersetzung mit Argumenten ist es, die zu den besten Lösungen führt.»

Stehende Ovationen gab es für den abtretenden Präsidenten.

Stehende Ovationen gab es für den abtretenden Präsidenten.

Chris Iseli / AGR

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