Bewilligungen
Ja zu Warmwasser, aber nein zu Solarstrom

Der Hausbesitzer Thorsten Mädel aus Herznach wollte Solarpanels auf dem Dachseiner Liegenschaft installieren. Doch der Gemeinderat hat ihm eine Abfuhr erteilt - Photovoltaik wird in der Dorfzone grundsätzlich nicht bewilligt.

Hans Lüthi
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Der Herznacher Torsten Mädel zeigt auf das Dach, wo er die Solarpanels montieren wollte. Walter Schwager

Der Herznacher Torsten Mädel zeigt auf das Dach, wo er die Solarpanels montieren wollte. Walter Schwager

«Ortsbildschutz killt Solarprojekt», hiess es vor über zwei Jahren zum Fall von Hausbesitzer Torsten Mädel in Herznach. Der Kanton schickte ihm einen Prospekt mit der Aufforderung, doch ein Projekt mit Solarzellen zu verwirklichen – denn es gebe jetzt doppeltes Fördergeld.

Mädel nahm sich das zu Herzen, reichte ein Gesuch ein, das der Gemeinderat postwendend ablehnte. Die Abteilung Baubewilligungen des Kantons forderte Mädel zu einem Gesuch um Wiedererwägung des Entscheids auf. Aktuell ist der Stand heute so: Der Freund des Sonnenstroms wechselte auf Solarwärme, «im August 2010 haben wir sein Gesuch bewilligt», sagt der Herznacher Gemeindeschreiber Harry Wilhelm. Denn Solaranlagen für Warmwasser sind auch in der Dorfzone zulässig, aber Photovoltaik wird grundsätzlich nicht bewilligt. «Das wird auch so bleiben», betont Wilhelm mit Nachdruck.

Gegen Schutz für neue Häuser

In der Tat gibt es zwar ab September für die grosse Mehrheit der Hausbesitzer eine grosse Erleichterung, indem bis zu 200 Quadratmetern Fläche für Wärme oder Strom ein vereinfachtes Verfahren gilt. Aber in den Dorfkern- und Altstadtzonen bleibt das Prinzip, ja für Sonnenwärme, nein zu Sonnenstrom. Dies mit der Begründung, die glänzenden Solarpanels seien nicht auf die schutzwürdigen Dächer der Altstädte angewiesen. Viel effizienter sei es doch, grosse Photovoltaikanlagen in Industrie- und Gewerbezonen oder auf Schulanlagen zu verwirklichen. Dem stimmt im Prinzip auch Torsten Mädel zu, der die Dächer etwa in der Aarauer Altstadt nicht durch Solarpanels verschandelt sehen möchte.

Mädel dazu: «Das Verbot sollte sich aber auf die Denkmalschutzzonen beschränken, wie in Deutschland». In seinem Fall aber handle es sich um ein Haus mit Baujahr 1987 und das Dach sei nur vom Friedhof aus einsehbar. Übrigens: Auf Solarwärme verzichtet Torsten Mädel jetzt doch und schwärmt von einer noch besseren Alternative: «Mit einer Wärmepumpe auf dem Boiler, entwickelt von der Firma Swisstherm in Wildegg, brauche ich nur noch einen Drittel Strom, die Wärme kommt aus dem Keller.»

Erfolg für Badener Zahnarzt

Wegen des Ortsbildschutzes stand auch das Projekt des Badeners Jörg Schneider auf Messers Schneide. Baukommission und Stadtrat waren zwar nicht grundsätzlich dagegen, verlangten aber eine Verkleinerung der 50 Quadratmeter Panelfläche. Doch dieser Konflikt wendete sich zum Guten: Der erste Zahnarzt mit Solarpraxis in der Schweiz konnte seine Anlage dank flacherem Winkel sogar auf 60 Quadratmeter ausweiten und die Vorschriften einhalten.

Grösstes Kraftwerk bleibt sistiert

In Birr wollte die Alstom das grösste Sonnenkraftwerk der Schweiz bauen – aber die Pläne bleiben in der Schublade. «Die Anlage macht nur mit der Renovation des Hallendaches Sinn», erklärt Daniel Schmid, Sprecher der Alstom Schweiz. Insgesamt sind auf der Alstom-Halle in Birr rund 21000 Quadratmeter Solarpanels geplant, die Produktion von 2,4 Millionen Kilowattstunden (kWh) reicht für über 800 Haushalte. Bei einem Ausstieg aus der Atomenergie rechnet Alstom mit Turbinen-Aufträgen für neue Gas- und Blockheiz-Kraftwerke. Wenn es wieder aufwärtsgehe, könne man daran denken, das 16 Millionen Franken teure Solarkraftwerk mit Partnern zu bauen. So ist für den Betrieb die BKW-Tochter Sole-E Suisse vorgesehen.