Kirche
Ist die katholische Kirche bald keine Landeskirche mehr?

SP-Grossrat Martin Christen reitet eine scharfe Attacke gegen die katholische Landeskirche. Er verlangt, dass ihr der Status einer Landeskirche aberkannt wird. Er hat im Grossen Rat eine entsprechende Motion eingereicht.

Merken
Drucken
Teilen
Klosterkirche Königsfelden

Klosterkirche Königsfelden

Die römisch-katholische Kirche habe es nicht mehr verdient, weiterhin als Landeskirche zu gelten. Mit einer Streichung der Paragrafen solle sich der Kanton von den Katholiken verabschieden, fordert Martin Christen (SP, Turgi) per Motion. Die Regierung lehnt das ungewohnte Begehren deutlich ab.

Die Behandlung seiner Motion nutzt Christen zu einer Brandrede gegen die römisch-katholische Kirche. Früher hätten fast alle Einwohner des Kantons einer Kirche angehört, welche die Menschen «mit Traditionen, Zwang und Gehorsam gefügsam machte». Heute gewähre die reformierte Landeskirche den Menschen die üblichen Freiheiten, doch die römisch-katholische Kirche sei eine Scheindemokratie. «Die Bischofswahl ist eine Farce, die Menschenrechte werden mit Füssen getreten, es ist eine reine Männerkirche», kritisiert Christen scharf. Das verstosse gegen die Kantons- und die Bundesverfassung.

Zwar seien grundsätzliche Reformen durchaus nötig, erklärt EVP-Sprecher Roland Bialek (Buchs), aber eine Ausgrenzung sei der falsche Weg. «Damit bewirken wir genau das Gegenteil und schwächen die positiven Kräfte in der katholischen Kirche», so Bialek wörtlich. Wenn man der Kirche die Mittel entziehe, könne sie nicht mehr kulturell und sozial tätig sein.

«Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein», zitiert Alexandra Abbt (CVP-BDP, Islisberg) die Bibel. Man fühle sich um 150 Jahre zurückversetzt, eine kollektive Strafe für die Katholiken sei völlig verfehlt.

Auch die meisten Parteikollegen von Christen machen nicht mit: «Die grossmehrheitliche SP-Fraktion sagt Nein zur Motion», versichert Marie-Louise Nussbaumer (Obersiggenthal). Hier bricht Vizepräsident Theo Voegtli (CVP-BDP, Kleindöttingen) die Debatte um 17 Uhr ab, die Abstimmung wird auf später vertagt. (Lü.)