Energie

In der EU stark präsent: «Das Axpo-Wohl hängt nicht allein vom Limmern ab»

Thomas Sieber, Verwaltungsratspräsident der Axpo.

Thomas Sieber, Verwaltungsratspräsident der Axpo.

Nachgefragt bei Axpo-Verwaltungsratspräsident Thomas Sieber zum 2 Millionen teuren Pumpspeicherwerk Limmern – weil sich die Stromwelt gewandelt hat, rechnet es sich nicht. Unter diesen Umständen soll sich das ändern.

Herr Sieber, das Pumpspeicherwerk Limmern kann viel Spitzenstrom liefern, der aber derzeit nicht so gefragt ist. Es rechnet sich nicht. Ab wann rentiert es?

Thomas Sieber: Eins vorweg: Als der Entscheid zum Bau fiel, sah die Energiewelt noch ganz anders aus. Das heutige Geschäftsmodell ist längst nicht mehr das, was geplant war. Zur Frage der Rentabilität: Hätten wir eine Kristallkugel, würde ich gern hineinschauen. Wir können heute aber unmöglich eine Jahreszahl nennen.

Wie sehr belastet das Kraftwerk denn die Axpo-Rechnung?

Das lässt sich an den Rückstellungen in Milliardenhöhe ablesen, die wir bereits gebildet haben. In den nächsten Betriebsjahren rechnen wir tatsächlich nicht damit, die Vollkosten hereinzuholen. Das Kraftwerk ist aber wie alle solchen Vorhaben nicht nur auf einige Jahre, sondern auf 80 Jahre Betriebszeit ausgelegt. Es bringt deshalb nichts, das im Quartalsrhythmus zu kommentieren. Selbstverständlich tun wir alles, um jetzt schon einen hohen Deckungsgrad zu erreichen.

Mit welchen Massnahmen?

Limmern ist mit Kosten von zwei Milliarden Franken der grösste Wasserkraft-Ausbau im Alpenraum, sein Volumen ist unerreicht. Es ist sehr flexibel einsetzbar. Innerhalb von sechs Minuten können wir von Turbinieren – also mit dem Wasser Strom produzieren – auf Pumpen umstellen. Dabei wird das Wasser aus dem unteren Becken wieder in den See hochgepumpt. Kurzfristig können wir einen Viertel der Schweiz mit Strom versorgen, also sofort einspringen, falls mal zum Beispiel mehrere Kernkraftwerke ausfallen sollten. Limmern wird mit dem steigenden Anteil von Solar- und Windstrom an Bedeutung zunehmen.

Warum?

Solar- und Windstrom fallen sehr unregelmässig an. Die Hauptproblematik liegt in der begrenzten und teuren Speicherung. Wir pumpen Wasser mit Strom nach oben, wenn dieser günstig ist, etwa am Wochenende. Das Kraftwerk dient dann als Riesenbatterie. Das dort gespeicherte Wasser können wir bei Bedarf und zu höheren Preisen minutengenau zu Strom machen.

Früher war teurer Spitzenstrom zur Mittagszeit sehr gefragt, heute deckt Solarstrom diese Spitze ab. Wann also können Sie jetzt jeweils liefern?

Es stimmt, was Sie sagen. Doch wir sind überzeugt, dass sich diese Investition mittel- und langfristig rechnet, dass sie gar zu einem Trumpf wird, der stechen wird. Heute herrscht in Europa noch ein Stromüberfluss. Doch in wenigen Jahren gehen mehrere deutsche Kern- und Kohlekraftwerke vom Netz. Dann fehlt dort Strom. Der sehr attraktive, wirtschaftsstarke süddeutsche Raum wird viel Spitzenenergie benötigen. Genau das können wir leisten.

Aber das funktioniert doch nicht ohne EU-Stromabkommen?

Dieses Abkommen würde den Weg zur Rentabilität beschleunigen. Ein Abschluss des Abkommens ist aber wieder in die Ferne gerückt, weil die EU es mit dem Rahmenabkommen koppelt. Ohne das Stromabkommen wird die Zusammenarbeit grenzübergreifend sehr problematisch.

Was tun Sie selbst von der Axpo dafür, dass Sie liefern können, wenn es so weit ist?

Wir sind in Deutschland schon direkt vorstellig geworden, blitzten aber ab. Wir wurden auf das EU-Stromabkommen verwiesen. Im eidgenössischen Parlament kennt man dessen Bedeutung für die schweizerische Stromwirtschaft. Das Verständnis ist da. Unschön ist, dass wir den Inhalt des Stromabkommenns gar noch nicht kennen. Die Axpo hat sich aber sehr breit aufgestellt. Wir sind auch in der EU mit eigenen Gesellschaften stark präsent. Wohl und Wehe der Axpo hängt nicht allein von Limmern ab.

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