Pandemie
Gallati plant Impfoffensive bei Muslimen – diese haben bereits Impftag in Moschee organisiert

Der Bund will seine Impf-Botschaft jetzt über Vereine und Moscheen verbreiten – unter den Migrantinnen und Migranten ist die Impfquote nach wie vor tief. Im Aargau stehen die Organisationen bereits mit dem Kanton im Austausch.

Eva Berger
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Tag der offenen Moschee im Gebetsraum des Vereins Albanische Gemeinschaft Reinach am 10. November 2019.

Tag der offenen Moschee im Gebetsraum des Vereins Albanische Gemeinschaft Reinach am 10. November 2019.

Peter Weingartner

Eine Million Menschen sollen mit der neuesten Offensive des Bundes doch noch zur Coronaimpfung bewegt werden. So könne eine gute Impfquote erreicht und dereinst einschränkende Massnahmen aufgehoben werden. Wie Recherchen des «Sonntags-Blicks» ergaben, soll die Botschaft etwa über Vereine auf dem Land, aber auch über Kulturvereine und Moscheen an die noch ungeimpfte Bevölkerung gebracht werden. Dies, weil wie bei den jungen Erwachsenen, die Impfquote auch unter Migrantinnen und Migranten nach wie vor bedenklich tief sei.

Die Umsetzung der Massnahmen liegt aber bei den Kantonen. Ein Beamter des Kantons Aargau fragte laut «Sonntags-Blick» am Freitag beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) nach, ob diesbezügliche Massnahmen finanziert würden. Diese Anfrage wurde von Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati bestätigt. Ziel wäre es, über die Moscheen im Aargau sowie über einzelne Würdenträger einen Draht zur muslimischen Bevölkerung zu finden, Geld vom Bund könnte dabei beispielsweise für allfällige Übersetzungen verwendet werden. Das Vorbild für den Aargau ist Schaffhausen. Dort konnten sich die Gläubigen in einer Moschee bereits direkt nach dem Freitagsgebet impfen lassen.

Bemühungen im Aargau bereits fortgeschritten

Beim Verband Aargauer Muslime rennt man mit diesen Ideen offene Türen ein. «Wir unterstützen die Offensive voll und ganz», sagt Mediensprecher Abdul Malik Allawala auf Anfrage der AZ. Weder religiöse noch weltliche Gründe würden nach Ansicht der Aargauer Muslime gegen die Impfung sprechen. In den 22 Gebetsräumen für Muslimas und Muslime im Kanton werde jeweils im Rahmen des Freitagsgebets ­entsprechend auf die Impfung aufmerksam gemacht, ebenso auf der Website des Verbands. «Die Imame rufen zum Impfen auf», so Allawala. Der Verband stehe zudem in regelmässigem Austausch mit den entsprechenden Stellen beim Kanton. «Wir konnten dort unsere Inputs deponieren», sagt Allawala.

Weit fortgeschritten sind die Bemühungen in Reinach. In der grössten Moschee im Aargau, dem Kultur- und Begegnungszentrum der Albanisch-Islamischen Gemeinschaft, ist in Zusammenarbeit mit der Einwohnergemeinde gar ein Impftag geplant.
Details nennt Allawala noch keine, umgesetzt würden schliesslich alle Bemühungen von den einzelnen muslimischen Gemeinden selber.

Bestimmungen werden ständig angepasst

Für den Mediensprecher ist aber klar, dass sie sich lohnen. «Wir erreichen nicht nur jene Muslimas und Muslime, die zum Gebet kommen. Sie erzählen auch ihren Familien und Freunden von der Notwendigkeit der Impfung.» Ob direkt im Gebetsraum oder indirekt über Mund-zu-Mund-Propaganda würden so viele Leute erreicht.

Der Verband Aargauer Muslime hat zum letzten Mal am 13. September das Covid-19-Schutzkonzept für die Aargauer Moscheen angepasst. «Wir legen grossen Wert darauf, dass sich alle an die jeweiligen aktuellen Regeln halten», so Alawalla. In kleineren Moscheen, die keine Zertifikatspflicht eingeführt haben, gilt Masken- und Abstandspflicht, andere setzen auf das Zertifikat. «Wir passen die Bestimmungen immer wieder den Vorschriften durch Bund und Kanton an. Das funktioniert.»

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