Im Nebel wird der Freiämter Wald zum schwedischen Krimi

Zwei Seiten des Herbstes: Die Regionalpolizei Muri zeigt die Gefahren des Nebels, die AZ entdeckt dagegen das mystische Zwielicht.

Andrea Weibel
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Spaziergang im Nebel: Wie im schwedischen Krimi.

Spaziergang im Nebel: Wie im schwedischen Krimi.

Bild: Andrea Weibel

«Der Herbst bringt neben bunten Farben auch Nebel», schreibt Renato Orsi, Chef Regionalpolizei Muri, in einer Mitteilung. «Bei schlechter Sicht sind Verkehrsteilnehmer ohne Licht unsichtbar.» Darum empfiehlt er, sich besser erkennbar zu machen. Fussgänger sollen helle, reflektierende Kleidung tragen, Fahrzeuglenker die richtige Fahrzeugbeleuchtung einschalten. «Machen Sie sich sichtbar, sehen und gesehen werden. Schützen Sie sich und alle anderen Verkehrsteilnehmer», ruft Orsi auf. Er unterstreicht: «Nebenbei, sind Sie mit ungenügend beleuchteten Fahrzeugen unterwegs, machen Sie sich strafbar.» Doch dieses düstere, gefährliche Bild ist nur eine Seite des Nebels. Abseits der befahrenen Strassen lässt er ganz besondere Welten entstehen.

«Achtung Jagd», warnt das Schild am Waldrand

Ohne Chimay, meinen Nachbarshund, wäre ich bei dieser Nebelsuppe wie die meisten Leute wohl in der warmen Stube geblieben. Doch dann hätte ich ein unglaubliches Erlebnis verpasst. «Achtung Jagd», warnt uns ein Schild, das auf einmal vor uns am Waldrand aufragt. Die kleine Tafel wirkt wie die Eingangspforte in eine geheime Welt. Dahinter ist der Nebel nicht dichter, doch fühlen sich die paar Meter, die wir sehen können, plötzlich eng und gespenstisch an. Chimay bleibt an seiner Rollleine eigenständig nah bei mir. Und ich merke, dass ich unbewusst mit ihm flüstere. Es sind Jäger in der Nähe. Doch wir hören nichts von ihnen, kaum ein Laut ist zu vernehmen, das Ein- und Ausrollen der Leine scheint unerhört laut.

Jetzt weiss ich, woran mich die Szene erinnert. Ich fühle mich wie im schwedischen Krimi. Es ist Elchjagd. Ein Jäger bemerkt einen Schatten, sieht seine Chance und drückt ab. Aber das vermeintliche Wild bin ich! Zum Glück passiert das nur in meiner Fantasie. Dennoch versuche ich, den Nebel mit allen Sinnen zu durchdringen, es fühlt sich wunderbar surreal an.

Plötzlich steht er da. Ein Mann mit Gewehr und orangem Band am Hut. Zwei Schritte vom Weg entfernt schaut er mich an. Das fantasiere ich nicht mehr, der Jäger steht wirklich da und grüsst leise. Chimay scheint ihn auch nicht früher entdeckt zu haben. Schnell spazieren wir weiter und erholen uns langsam vom Schrecken. Da steht schon wieder einer! Dieser hat seinen Hund dabei und lächelt uns freundlich zu. Den dritten, ein paar Dutzend Schritt weiter, haben wir dann erwartet. Ich erinnere mich an eine Geschichte aus meiner Kindheit und sage die magischen Worte: «Waidmanns Heil.» Wie in der Geschichte kommt prompt zurück: «Waidmanns Dank.»