Wahlen AG 2016
Im Gegensatz zur Handelskammer: Gewerbeverband empfiehlt SVP-Kandidatin Roth nicht zur Wahl

Der Aargauische Gewerbeverband empfiehlt die Bisherigen Stephan Attiger (FDP) und Alex Hürzeler (SVP) sowie Markus Dieth (CVP, neu) zur Wahl in den Regierungsrat. Der Grund: Empfohlen werden nur Verbandsmitglieder. Franziska Roth ist nicht Mitglied.

Mathias Küng
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Der Gewerbeverband setzt nicht auf SVP-Kandidatin Franziska Roth.

Der Gewerbeverband setzt nicht auf SVP-Kandidatin Franziska Roth.

Der Vorstand des Aargauischen Gewerbeverbands (AGV) empfiehlt laut Mitteilung für den Urnengang vom 23. Oktober 2016 die beiden amtierenden Regierungsräte Stephan Attiger, Baden (FDP), und Alex Hürzeler, Oeschgen (SVP), zur Wiederwahl in den Regierungsrat. Überdies wird seitens des AGV-Vorstands der neu antretende Grossrat und Gemeindeammann Markus Dieth, Wettingen (CVP), zur Wahl empfohlen.

Diese "profilierten und erfahrenen Politiker" würden nach Ansicht des AGV die Anliegen des Gewerbes in der Kantonsregierung "erfolgreich vertreten und damit die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Kanton schaffen", schreibt der AGV. Und weiter: "Mit dieser Empfehlung setzt sich der AGV für eine bürgerliche Regierung ein." Für einen allfälligen zweiten Wahlgang habe der Vorstand noch keine Position bezogen.

Darum ist Franziska Roth nicht auf der Liste

Auffallend: Kein Wort steht im Communiqué zu der zweiten Kandidatin der SVP, Franziska Roth, mit der die Partei einen zweiten Regierungssitz erobern will. Die Erklärung findet sich weiter unten im Communiqué. Die Kriterien für eine Wahlunterstützung durch den AGV für Regierungs- und Grossratskandidaten bestünden seit längerem. Sie gälten unverändert:

Das heisst:

  • Eine Kandidatin beziehungsweise ein Kandidat muss Mitglied beim AGV sein oder bei einem angeschlossenen Gewerbeverein oder einem Branchenverband.
  • Vorausgesetzt wird zudem, dass Kandidatin oder Kandidat Unternehmerin beziehungsweise Unternehmer oder Mitglied in der Geschäftsleitung eines Unternehmens ist.
  • Überdies werden nur Kandidierende aus den Parteien SVP, FDP, CVP, BDP, GLP oder EDU unterstützt.

Man gehe davon aus, so der Verband, dass mit Erfüllung dieser Kriterien gewährleistet ist, dass die Kandidierenden eine konsequente gewerbefreundliche Politik vertreten.

Und Franziska Roth? Da sie nicht Mitglied des Gewerbeverbands ist, wird sie nicht unterstützt.

Im weiteren hat der AGV eine Liste von 112 bürgerlicher Grossratskandidatinnen und - kandidaten publiziert, die er im Oktober zur Wahl empfiehlt.

AIHK empfiehlt auch Franziska Roth

Dass es auch anders geht, hat vor einigen Tagen die Aargauische Industrie- und Handelskammer (AIHK) gezeigt. Sie setzt wie der AGV auf die beiden bürgerlichen Bisherigen Attiger und Hürzeler, sowie auf den Neuen Markus Dieth (CVP). Aber auch auf: Franziska Roth (SVP).

Franziska Roth (SVP)
22 Bilder
Regierungsratskandidatin Franziska Roth im Fokus Was bedeutet die Nomination der Brugger Bezirksgerichtspräsidentin und wie wird sie versuchen, ihren Bekanntheitsgrad zu verbessern? (April 2016)
Yvonne Feri (SP)
Die 50-jährige Nationalrätin kämpft um einen zweiten SP-Sitz in der Aargauer Regierung. Feri ist noch bis Ende Jahr Gemeinderätin von Wettingen und unter anderem Präsidentin von "Kinderschutz Schweiz" sowie des "Vereins für Soziale Gerechtigkeit".
Die Aargauer Regierungsratskandidaten 2016 Markus Dieth (CVP)
Der 49-jährige Wettinger sitzt seit 2009 im Grossrat und präsidierte diesen im Jahr 2015. 2006 wurde er in den Gemeinderat von Wettingen gewählt, wo er seit 2008 das Amt des Gemeindeammanns ausübt.
Alex Hürzeler (SVP)
Der 51-Jährige sitzt seit 2009 im Aargauer Regierungsrat und hat dort das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) inne. Der Fricktaler stellt sich diesen Oktober für eine weitere Amtsperiode zur Wahl.
Maya Bally: «Die Chancen stehen gut für eine Frauenkandidatur aus der Mitte» (8.8.2016)
Die 55-jährige Hendschikerin ist seit 2012 Mitglied der kantonalen Parteileitung und Präsidentin der Bezirkspartei Lenzburg. Im Oktober 2012 wurde sie in den Grossen Rat gewählt, seit 2013 ist sie Präsidentin der Fraktion. Als Schulpflegepräsidentin liegen ihre politischen Schwerpunkte in der Bildung aber auch bei Wirtschaft und Finanzen.
Stephan Attiger (FDP)
Der 49-Jährige steht im Regierungsrat seit 2013 dem Departement für Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) vor. Am 23. Oktober kandidiert er für seine Wiederwahl.
Urs Hofmann (SP)
Der 59-jährige Aarauer leitet im Regierungsrat seit 2009 das Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI). Im Oktober will er den SP-Sitz in der Aargauer Regierung verteidigen.
Mia Jenni, Ariane Müller und Mia Gujer: Dieses Trio zieht für die Juso in den Regierungsrats-Wahlkampf. Mia Jenni (21) ist Vorstandsmitglied der Juso Aargau und studiert Germanistik und Kunstgeschichte. Ariane Müller (23) studiert zurzeit Geschichte und Geologie und ist Präsidentin der Juso Freiamt. Mia Gujer (22) ist Präsidentin der JUSO Aargau und arbeitet als Kampagnen-Mitarbeiterin.
Robert Obrist (Grüne)
Der 58-jährige Schinznacher sitzt seit Januar 2014 im Grossen Rat. Als Agronom und Departementsleiter am Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick (FiBL) sind Umwelt und Bildung die Themen, die Obrist am meisten umtreiben.
Ruth Jo. Scheier (GLP)
Die 40-Jährige wohnt seit 2005 in Wettingen. Sie ist alleinerziehende Mutter einer 17-jährigen Tochter. Sie arbeitet als kaufmännische Angestellte in einer Schmuck-Grosshandelsfirma. Die Grossrätin ist auch Vize-Präsidentin der GLP Aargau.
Die transsexuelle Jil Lüscher kandidiert als Parteilose.
Pius Lischer (IG-Grundeinkommen)
Der 53-jährige Pius Lischer wohnt in Oberrüti und ist schon bei mehreren Wahlen angetreten – jeweils ohne Erfolg.

Franziska Roth (SVP)

Alex Spichale

Der Kammervorstand ist der Auffassung, der Aargau verdiene eine klar bürgerliche und wirtschaftsfreundliche Regierung. Damit die einzelnen Regierungsmitglieder die bestmögliche Wirkung erzielen können, brauchen sie eine politische Hausmacht, so die AIHK. Deshalb unterstützt sie nur Kandidierende der drei bürgerlichen Regierungsparteien.

In einem allfälligen zweiten Wahlgang gälte es unbedingt, den oder die noch nicht besetzten
Sitz(e) für das bürgerliche Lager zu gewinnen, so die AIHK weiter. Mit Blick darauf werde der Kammervorstand zu gegebener Zeit eine Lagebeurteilung vornehmen und eine Wahlempfehlung herausgeben.