Kunstturnen
«Ich habe damit abgeschlossen»

Für Kunstturner Niki Böschenstein beginnt nach zehn Jahren Magglingen ein neuer Lebensabschnitt.

Andreas Fretz
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Ringturnen
7 Bilder
Traumpaar des Schweizer Kunstturnens: Niki Böschenstein und Ariella Kaeslin am Swiss Cup (Foto: Keystone)
Niki Böschenstein in seiner Würenloser Stammbeiz. (Foto: afr)
Die Feier des Aargauer Sportler des Jahres 2005. Niki Böschenstein und Rainer Huber. (Foto: Rolf Jenni)
Showtalent Niki Böschenstein am Swiss Cup im Hallenstadion. (Foto: Keystone)
Das Silber-Team von der Junioren-EM 2002 mit Niki Böschenstein (oben, Mitte) (Foto: Erwin Hänggi)
Rekrut Niki Böschenstein und Ariella Käslin. (Foto: Alexander Wagner)

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Niki Böschenstein, am
31. Januar läuft Ihr Vertrag in Magglingen aus. Wie geht es Ihnen?

Niki Böschenstein: Momentan so weit, so gut. Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Es ist auch schön, wieder mal zu Hause bei der Familie
in Würenlos zu sein. Magglingen hat ja auch etwas Trostloses, nach zehn Jahren darf ich das wohl so sagen.

Wann waren Sie zuletzt in Magglingen?

Am letzten Wochenende habe ich mit zwei Würenloser Kollegen und einem Transportbus die Wohnung geräumt.

Kam Wehmut auf?

Nein, ich habe es gesehen dort oben. Die Kollegen der letzten zehn Jahre werde ich sicher vermissen, der Abschied fällt nicht leicht. Aber ich habe abgeschlossen mit Magglingen.

Roman Gisi, der wie Sie Ende Monat aufhört, hat bis zum letzten Tag in Magglingen trainiert. Sie wurden kaum noch gesehen.

Ich war einen Monat, die Wohnungsräumung ausgenommen, nicht mehr dort. Ich habe meine Zukunft hier planen müssen und mir auch etwas Ruhe gegönnt. Trainiert habe ich für mich selbst und mit den Fussballern des SV Würenlos. Vielleicht fahre ich am Montag noch nach Magglingen, um Adieu zu sagen. Die letzten zwei Jahre mit all den Verletzungen waren nicht leicht für mich.

Werden Sie offiziell verabschiedet?

So etwas ist in Magglingen offenbar nicht vorgesehen. Gewünscht hätte ich es mir schon nach allem, was ich und auch Roman in den letzten Jahren für das Kunstturnen geleistet haben.

Wie einvernehmlich war Ihr Rücktritt eigentlich?

Ich bin Ende November an das Vertragsgespräch in Aarau gereist und habe gleich von mir aus den Rücktritt bekannt gegeben.

Das überrascht. Es war nicht der Verband, der Sie nicht mehr wollte?

Nein, ich habe einfach keine Lust mehr verspürt. Es funktioniert für mich nicht mehr, so, wie es jetzt in Magglingen läuft.

Konkreter?

Sicher haben auch die Verletzungen eine grosse Rolle gespielt. Aber in Magglingen fehlt zurzeit eine harte Hand, wie ich es früher bei Trainern wie Sandor Kiraly oder auch Gerhard Falkenstein erlebt habe. Es gibt nur wenige Kunstturner, die ohne diese Härte erfolgreich sind. Ich habe immer einen Trainer gebraucht, der mich auch mal anschreit, wenn es nötig ist. Das Schweizer Männer-Kunstturnen hat in den letzten zwei Jahren Rückschritte gemacht.

Wie hat Ihr Umfeld auf den Rücktritt reagiert?

Gegenüber der Familie habe ich mehrmals meine Absicht angetönt, aber es hat eine Weile gedauert, bis sie es akzeptiert und realisiert hat. Meine Freundin Alexandra habe ich von Anfang an in die Entscheidung eingebunden, und sie hat mich unterstützt.

Wie geht es jetzt weiter, turnen Sie auf Waschmaschinen wie Donghua Li?

Das habe ich eigentlich nicht vor, obwohl ich viele Anfragen für Showturnen erhalte. Ich möchte ein normales Leben führen, meine KV-Ausbildung abschliessen. Das Bürofach- und Handelsdiplom besitze ich bereits, jetzt such ich noch eine Praktikumsstelle. Ich werde weiter Sport treiben. Ein Teamsport wie Fussball bereitet mir enormen Spass. Sicher werde ich auch in Zukunft mein kunstturnerisches Showtalent einsetzen.

Sie blicken auf eine erfolgreiche Karriere zurück. Stolz auf das Erreichte?

Auf jeden Fall, auch wenn ich rückblickend vielleicht einige kleine Sachen anders machen würde. Beim Aufräumen in Magglingen ist mir meine Trophäen-Kiste in die Hände gekommen. Ich habe einzig die Mehrkampf-Goldmedaillen und die EM-Medaille von Patras herausgepickt, den ganzen Rest habe ich auf dem Estrich verstaut. Das war ein symbolischer Akt. Das Kunstturnen ist nicht mehr die Nummer 1 in meinem Leben.

Aber Sie werden dem Kunstturnen in irgendeiner Form erhalten bleiben?

Sicher, auch wenn es nur meine Präsenz im Regionalen Leistungszentrum in Niederlenz ist. Sobald ich dort die Halle betrete, beginnen die Augen der jungen Turner zu glänzen. Als ich jung war, hätte ich es auch geschätzt, wenn mal ein Nati-Turner vorbeigeschaut hätte. Ich bin dem Kunstturnen etwas schuldig, vor allem dem Aargauer Kunstturnverband.