Strassenverkehr
Hunderten von Fahrzeuglenkern droht der Führerausweisentzug

334 Personen müssen zur verkehrsmedizinischen Untersuchung und dem Strassenverkehrsamt bis zum 18. Februar ein Arztzeugnis schicken. Brisant: Ihre Namen und Geburtsdaten wurden im aktuellen Amtsblatt publiziert.

Michael Spillmann
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Das kantonale Strassenverkehrsamt geht für die Verkehrssicherheit neue Wege: Im aktuellen Amtsblatt wurden die Namen von insgesamt 334 Fahrzeuglenkerinnen und Fahrzeuglenkern inklusive Geburtsdatum publiziert. Hintergrund: Die «gesuchten» Personen müssen sich bis MitteFebruar 2011 einer verkehrsmedizinischen Untersuchung unterziehen. Geht das Arztzeugnis bis zum 18. Februar nicht beim Strassenverkehrsamt ein, entziehen die zuständigen Behörden den Lenkern den Führerausweis.

Bei den namentlich ausgeschriebenen Lenkern handelt es sich um Personen, die über einen Führerausweis einer höheren Kategorie verfügen. Genauer: Personen, die Lastwagen, Kleinbusse oder einen Car lenken dürfen. Auf der Liste fungieren aber auch Lenker mit Führerausweis Kategorie B, die berufsmässig Personen transportieren. Dazu zählen unter anderen die Taxichauffeure.

Chauffeure: Regelmässig Kontrolle

Wie Johannes Michael Baer, Leiter des Strassenverkehrsamts, auf Anfrage der az erklärt, handelt es sich bei den meisten Personen auf der im Amtsblatt publizierten Liste um Grenzgänger. Soll heissen: Fahrzeuglenker, die vor Jahren für eine Berufstätigkeit in der Schweiz – neben ihrem ursprünglichen Führerausweis – einen unbefristeten Schweizer Führerausweis erhalten haben.

Während es bei Pw-Lenkern in der Regel nur (haus)ärztliche Untersuchungen für Ausweisinhaber gibt, die älter als 70 Jahre sind, sind die Vorgaben bei den höheren Kategorien deutlich strenger: So müssen etwa bis 50-Jährige alle 5 Jahre, über 50-Jährige bereits alle 3 Jahre eine verkehrsmedizinische Untersuchung machen lassen. Und dies nicht beim Haus-, sondern beim Bezirksarzt.

Lenker sind «unauffindbar»

Nun sieht sich das Strassenverkehrsamt mit der Problematik konfrontiert, dass es zahlreiche Lenker aus dem grenznahen Gebiet – aber auch Schweizer – in den letzten Jahren mit dem Einreichen eines Arztzeugnisses nicht so genau genommen haben. Folge war eine lange Liste von fehlbaren Lenkern, die Verantwortlichen sprechen dabei auch von «Datenleichen». «Die Personen auf der Liste waren für uns schlicht unauffindbar», so Johannes Michael Baer. Das kann bedeuten, dass die Person längst nicht mehr hier tätig ist, es kann aber auch sein, dass der Chauffeur ohne die vorgeschriebenen Abklärungen auf den Schweizer Strassen unterwegs ist.

«Für die Verkehrssicherheit»

Ungewöhnliche Situationen verlangen nach ungewöhnlichen Lösungen. «Unser Vorgehen ist legitim. Wir dürfen die Augen nicht verschliessen, es geht dabei um die Sicherheit auf unseren Strassen», sagt der Leiter des Strassenverkehrsamts. Ihm ist sehr wohl bewusst, dass die Mehrheit die Publikation nicht zu Gesicht bekommt, doch es sei die letzte Möglichkeit gewesen. Zuvor habe man grossen Aufwand betrieben, um die fehlbaren Lenker zu finden. Mehrere Mitarbeiter seien mit der – meist erfolglosen – Suche beschäftigt gewesen. Dazu wurden die Fälle «analysiert» sowie Gemeinden und Firmen angeschrieben.

Noch mehr «Datenleichen»

Wie zu vernehmen war, ist die publizierte Liste erst der Anfang. Eine weitere Liste mit «Datenleichen» soll demnächst folgen. In Zukunft wollen die Behörden in regelmässigen Abständen die säumigen Fahrzeuglenker über das Amtsblatt zu medizinischen Untersuchungen aufbieten.