Lengnau

Historisches Wehr soll dem Hochwasserschutz zum Opfer fallen

Das Kleinwasserwerk Mühle versorgt sieben bis acht Haushalte mit Strom.

Das Kleinwasserwerk Mühle versorgt sieben bis acht Haushalte mit Strom.

Das einzige manuell betriebene Stauwehr im Kanton Aargau soll beseitigt werden. Grund dafür sind die Hochwasserschutz-Massnahmen. Die Energiestadt Lengnau könnte eingreifen.

«Gemeinde Lengnau – Die Energiestadt». Seit 2004 trägt Lengnau dieses Label, 2008 wurde es ihr erneut verliehen. Nun ist das Wehr des Kleinkraftwerks Mühle bedroht.

Angefangen hat es mit dem Konzessionsgesuch der Mühlen Lengnau AG. Deren Teilkonzession ist nach 80 Jahren ausgelaufen. Wollen sie die Mühle weiterbetreiben, so müssen sie die massiven Auflagen erfüllen, die ihnen der Kanton wegen des Hochwasserschutzes stellt. Auflagen, die ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigen. «So legen wir mit dem Kleinkraftwerk drauf», erklärt Lienhard Suter von der Mühlen Lengnau AG.

Kein Einzelfall

Die Gebrüder Suter betreiben das Kleinkraftwerk aus traditionellen und ideologischen Gründen. Zudem sei ihr Schicksal kein Einzelfall. So wie ihnen geht es auch anderen Kleinkraftwerk-Betreibern.

Die gesetzlichen Auflagen mögen wohl für grössere Kraftwerke in Ordnung sein, die kleinen ticken aber anders. «Manchmal haben wir das Gefühl, der Kanton will die bestehende Anlage um jeden Preis wegräumen», glauben die Gebrüder Suter. Sie sind sich sicher, dass das Surbwehr dem Hochwasserschutz nicht im Wege steht.

«Wir sind nicht gegen das Kleinkraftwerk, sondern für die Sicherheit», stellt Pierre-Yves Christen, Leiter der Sektion Gewässernutzung des Kantons Aargau, klar. «Das eingereichte Gesuch entsprach nicht den gesetzlichen Anforderungen und wurde auch nie zufriedenstellend überarbeitet.»

Eine unmögliche Forderung

Aufgrund der vor drei Jahren erstellten Gefahrenkarte plante der Kanton bereits Hochwasserschutzmassnahmen. Durch das Wehr werde Wasser angestaut, wodurch die Hochwassersicherheit beeinträchtigt sei. Für die benötigten Sicherheitsvorkehrungen habe natürlich der Konzessionär zu sorgen.

Im Falle des Kleinkraftwerks eine unmögliche Forderung. Würde die Mühle Lengnau AG die Restwassermenge an die Forderungen des Kantons anpassen, hätten sie damit 20 Prozent weniger Umsatz. Um das Mühlewehr zu erhalten, könnte auch die Gemeinde Lengnau helfend einspringen.

Viele Gespräche geführt

Gemäss Anselm Rohner, Gemeindeschreiber von Lengnau, habe der Gemeinderat viele Gespräche mit den Mühle-Betreibern geführt. «Es ist eine schwierige Situation. Auf der einen Seite steht die Energiegewinnung, auf der anderen der Hochwasserschutz», erklärt er.

Der Gemeinderat habe bereits ein neues Schreiben der Betreiber erhalten und werde sich morgen Montag mit der Angelegenheit befassen.

Vor allem mit Blick auf Fukushima ist es für die Betreiber der Mühlen Lengnau AG unverständlich, dass sie nicht mehr Unterstützung erhalten. «Wir versorgen sieben bis acht Haushalte mit Strom», erklärt Othmar Suter. Ein weiterer Vorteil des Kleinkraftwerks sieht Suter in der Betriebssicherheit: «Die Sonne scheint nicht jeden Tag, das Wasser hingegen fliesst immer.»

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