Das nicht nur für die zahlreichen Zaungäste beeindruckende Zugunglück war eine Katastrophen-Einsatzübung, die der Kantonale Führungsstab (KFS) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) und der BDWM in Wohlen durchführte.

Realitätsnahes Szenario

Das spektakuläre Szenario stellte für die Rettungskräfte eine anspruchsvolle Aufgabe dar: Bei einem Bahnübergang kam es zu einer Kollision zwischen einem Gefahrenguttransport auf der Strasse und zwei Triebwagen der BDWM. Die Zugkomposition wurde dabei aus den Schienen gehoben und entgleiste. Ein Triebwagen kippte seitlich um, der andere blieb vor dem Bahnübergang stehen. Derweil wurde beim Lastwagen der Tank beschädigt, das Gefahrengut versickerte im Boden und gelangte in die Kanalisation.

Die zivilen Einsatzorganisationen – Polizei, Feuerwehr, Chemiewehr, Sanität, Rega, Care-Team und weitere Rettungskräfte und Führungsstäbe – waren auf diese Weise mit mehreren Problemen konfrontiert. Zum einen ging es um die Rettung von rund 300 Passagieren aus der Zugkomposition, zum andern musste die Gefahrengutsituation entschärft werden.

Schrottreife Bahnwagen

Dass ein derart realistisches Szenario überhaupt möglich war, ist der BDWM zu verdanken: Sie hat kürzlich die neuen Diamant-Züge erhalten und die alten Kompositionen vor der Verschrottung für die Übung zur Verfügung gestellt. Die Einsatzkräfte mussten deshalb keine Rücksicht auf das Material nehmen; einzig die Dächer durften wegen Asbestgefahr nicht beschädigt werden.

Die beübten Organisationen erhielten mit dieser Einsatzübung Gelegenheit, ihre Einsatzbereitschaft und insbesondere die Zusammenarbeit mit anderen Rettungsorganisationen und allfällige Friktionen bei den Nahtstellen zu überprüfen.

Die rund 400 Figuranten entpuppten sich als ausgezeichnete Schauspieler und jammerten so glaubwürdig, als wären sie wirklich verletzt, andere spielten aufdringliche Zuschauer. Weiter standen ebenso viele Rettungskräfte sowie die Übungsleitung im Einsatz – insgesamt waren rund 900 Personen beteiligt.

Übungsleitung ist zufrieden

Die rund dreieinhalbstündige Katastrophen-Einsatzübung verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle und fiel zur Zufriedenheit von Übungsleiter Martin Widmer, Chef des KFS, aus. «Ich hatte grundsätzlich einen sehr positiven Eindruck», sagte er und lobte insbesondere die Zusammenarbeit unter den Blaulichtorganisationen. Es sei hervorragend gearbeitet worden.

Die Chaos-Phase zu Beginn der Übung habe allerdings etwas lange gedauert. «Dies ist unter anderem auf den Feierabendverkehr und die Tatsache, dass die Einsatzkräfte ohne Blaulicht und Sirene ausrückten, zurückzuführen», erklärte Widmer. Dem positiven Urteil des Übungsleiters schlossen sich sowohl Bundesrat Ueli Maurer als auch Regierungsrätin Susanne Hochuli an.

Die Feststellungen der diversen Schiedsrichter werden nun in einem Bericht zusammengefasst, der in einigen Wochen herauskommen wird.