Indianapolis

Hier zeigen die Aargauer den Zürchern, wie schön ihre Autos sind

Warum sich die Aargauer Rennfahrer- und Oldtimerszene in Oerlikon traf – und warum die steilwandige Velorennbahn kein einfacher Kurs ist

Einmal im Jahr ist die Offene Rennbahn in Oerlikon so offen, dass statt Muskelkraft auch Benzin zum Antrieb erlaubt ist. Einmal im Jahr, Ende Juli, ist «Indianapolis Oerlikon». Und das ist eine ziemliche Aargauer Angelegenheit. Organisiert von den Aargauer Brüdern Kaufmann: Georg (Niederrohrdorf, Maserati 250F, Baujahr 1956), Kurt (Neuenhof, Morgan Three Wheeler, 1930), Jo (Remetschwil, Moto Guzzi Condor, 1939). Von den 56 Piloten, die an diesem Dienstagabend an den Start gehen, sind 20 Aargauer.


Die einen sind fasziniert von der Technik, schrauben zu Hause an ihren Bijous. So wie Ruedi Siegrist, Lenzburg, Alt-Rektor der Berufsschule BBB Baden. Der Neo-Pensionierte macht gerade eine Lehre – jene zum Fahrzeugrestaurator, die er vor seinem Ruhestand noch selber mit Gleichgesinnten und Fachverbänden initiiert hatte.

Mit dem Oldtimer über die Velo-Rennbahn

Mit dem Oldtimer über die Velo-Rennbahn

Fünf Runden mit Ruedi Siegrist in seinem Riley Two Seater Sport.


Anderen geht es ums Fahren, um das Gefühl «fast wie Fliegen». Von allein geht das auch hier, auf dem vermeintlich einfachen Rundkurs, nicht. Louis Frey, Kult-Garagist aus Muri, weiss: «Die schnellen Wechsel sind anspruchsvoll.» Er kommt jedes Jahr, «die glatte und interessante Lüüt» sind für ihn die Motivation. «Und dä Zörcher emol zeige, was för schöni Auto mer im Aargau händ», wie er schmunzelnd anfügt.


Bruno Hürlimann, Bremgarten, «der schnellste Autosattler der Schweiz», ist zum neunten Mal dabei. «Es ist wie eine Familie, jeder kennt jeden.» OK-Chef Georg Kaufmann bestätigt das. Die Kriterien für die Auswahl der Piloten, von denen sich jeweils zu viele bewerben und die von Hand erlesen werden: «Wir kennen sie mit Vornamen und wissen, wie sie fahren.» Die Fahrer, deren Autos zum Teil so selten und deshalb bis zu mehrere Millionen Franken wert sind, wissen das. «Sie kommen nur, weil sie zu den Kollegen Vertrauen haben.»

Mehr als Ehrensache

Die Velorennen haben Vortritt: «Wir sind hier nur zu Gast!» Es gibt wenige Regeln, doch diese einzuhalten, ist mehr als Ehrensache. Wer nicht spurt, wird ohne Vorwarnung von der Bahn geholt. Allen ist klar: Es braucht nur einen einzigen Unfall, und «Oerlianapolis» wäre Geschichte. Georg Kaufmann wollte die Organisation einst abgeben, er hatte Bedenken betreffend die Sicherheit. «Doch ich merkte, dass es nach mir in eine andere Richtung gehen würde, also machte ich weiter.» Auf Nachfrage konkretisiert er: «Sie wollten Elektroautos hineinnehmen.»

Laute Motoren lassen offene Rennbahn in Zürich-Oerlikon erzittern

Laute Motoren lassen offene Rennbahn in Zürich-Oerlikon erzittern


Den Velofahrern helfen


Auf die Frage, warum der Anlass eine Aargauer Angelegenheit sei, schüttelt Kaufmann den Kopf. «Das kann man so nicht sagen. Das ist Zufall.» Wichtig sei, dass man mit den Autos Zuschauer anlocke, die der IG Offene Rennbahn hälfen, finanziell über die Runden zu kommen. Auch das ist der Aargauer: Gutes tun, aber sich nicht aufdrängen.
Lieber sieht man sich im Dienst des Kulturerbes, zu dem sowohl Oldtimer als auch Rennbahn (Jg. 1912) zählen.

Autor

Mario Fuchs

Mario Fuchs

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