Prozessauftakt
Heute startet der Prozess gegen den Amokschützen von Buchs

Am 13. November 2008 lieferte er sich eine Schiesserei mit der Polizei und wurde dabei selbst verletzt. Danach tauchte eine Todesliste mit unzähligen Namen auf. Jetzt beginnt in Zurzach der mehrtägige Prozess gegen den «Terroristen».

Toni Widmer
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Amokschütze von Buchs

Amokschütze von Buchs

Aargauer Zeitung

Verteidiger und Staatsanwalt lieferten sich zum Auftakt des Prozesses gegen den Amokschützen von Buchs nur ein kurzes Intermezzo. Das verriet allerdings bereits viel über die Strategie, welche die Verteidigung fahren will.

«Vergessen Sie die Geschichten vom Amokschützen in den Medien. Die Verhandlung wird zeigen, wer in dieser Sache Amok gelaufen ist. Mein Mandant ist kein Terrorist und keine Gefahr für die Bevölkerung. Es ist ein Vollinvalider, der von der Polizei zum Krüppel geschossen worden ist», plädierte Urs Oswald. Er verteidigt vor dem Bezirksgericht Zurzach den Mann, dem vorgeworfen wird, sich am 13. November 2008 in Buchs eine Schiesserei mit der Polizei geliefert zu haben. Der Mann wurde dabei selber schwer verletzt.

Nicht Zugriff, sondern Angriff

Was die Polizei damals als Zugriff bezeichnet habe, sei in Wirklichkeit ein Angriff gewesen, rügte Verteidiger Oswald am Prozessauftakt. Der zuständige Staatsanwalt Peter Heuberger intervenierte mit deutlichen Worten: «Das Verfahren gegen den verantwortlichen Polizisten ist eingestellt und die Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung abgewiesen worden. Ihr Vorwurf ist falsch.»

Die Anklageschrift ist erst vor wenigen Tagen den Parteien zugestellt worden. Bis Ende Januar 2011 haben die Parteien jetzt Zeit, dem Gericht ihre Beweisanträge einzureichen. Erst danach kann das definitive Verhandlungsdatum angesetzt werden.

Noch nach dem alten Recht

Am Prozessauftakt von gestern ging es primär um formelle Belange, im Weiteren wurde der Angeklagte zur Person befragt. Der erste Verhandlungstag war noch 2010 angesetzt worden, damit der Fall nach der alten Strafprozessordnung behandelt werden kann. Damit zeigte sich auch der Verteidiger einverstanden: «Mit der neuen Strafprozessordnung würde sich das Verfahren wohl massiv in die Länge ziehen, deshalb ist die Anwendung des alten Rechts sinnvoll.»

Nachdem ein Befangenheitsantrag des Angeklagten gegen alle Aargauer Gerichte abgelehnt worden ist, haben er und sein Anwalt sich auch mit Bad Zurzach als Prozessort abgefunden. Der von der Inspektionskammer des Obergerichts gefällte Entscheid wird nicht weitergezogen.

Schon vor Schiesserei Rentner

Der Angeklagte ist, wie die Befragung zur Person zeigte, nicht erst durch die Folgen der Schiesserei invalid geworden. Er hat schon vorher eine Vollinvalidenrente bezogen. In der JVA Lenzburg, wo er den vorzeitigen Strafvollzug angetreten hat, arbeitet er drei Nachmittage pro Woche. Er pflegt wenig Kontakt mit Mitgefangenen. Seiner Lebenspartnerin hat er vor einem Jahr einen Teil seines Hauses überschrieben. Sie wohnt dort zusammen mit ihrer Tochter und besucht den Angeklagten regelmässig. Kontakt hat er auch mit Verwandten. Gesundheitlich geht es ihm nicht gut, er braucht regelmässig Schmerz- und Beruhigungsmittel.