Hamid und Mohammad sind momentan die bekanntesten Asylsuchenden der Schweiz. Weil sie ihre Integration selber in die Hand genommen haben.

Sie wollen «auf die Schweiz zugehen», das Land in nur einem Monat wandernd umrunden, jeden Abend bei anderen Schweizerinnen und Schweizern übernachten: Die Integrationsidee von Hamid und Mohammad, zwei 26-jährigen Asylsuchenden aus Afghanistan, ist unkonventionell. Ihr Projekt «aufgehen.ch» löste Mitte April ein grosses Echo in der ganzen Schweiz aus. Für praktisch alle Tagesetappen meldeten sich Gastgeber, Wanderschuhe und Rucksäcke wurden gespendet. Und seit Freitag ist auch klar: Am Montag bricht das Duo auf. Definitiv.

Zwei Abende auswärts

Zuvor hatten die Behörden dem Projekt beinahe einen Riegel geschoben: Die Sozialvorsteherin von Brittnau, der Wohngemeinde von Mohammad, teilte dem «Blick» vorige Woche mit, aus «rechtlichen, medizinischen und versicherungstechnischen Gründen» könne die Gemeinde dem Plan nicht zustimmen. Aufgrund der Mitwirkungspflicht Asylsuchender, Vorgaben zur Erreichbarkeit, Besuch des obligatorischen Deutschkurses und Einhaltung von Gemeinderichtlinien könne «der Gemeinderat das Vorhaben in dieser Form nicht bewilligen», hiess es am 19. April. In Gesprächen wurde schliesslich ein Kompromiss gefunden: Nun darf Mohammad an zwei Abenden auswärts übernachten. Das heisst, er wird an drei von fünf Abenden heimreisen und am Morgen wieder anreisen müssen, um die Route mit Hamid fortzusetzen.

Das verursacht Kosten. Zu hohe Kosten für Mohammad, die er allein nicht tragen könnte. Das Newsportal Watson übernimmt die Kosten für den Zug, damit die Wanderung ohne weitere Umstände stattfinden kann – und profitiert im Gegenzug von den Erlebnissen der beiden Afghanen: Ab Montag liefern sie täglich einen Video-Beitrag.

Hamid stellt das Projekt vor.

Hier stellt Hamid das Projekt vor.

 

Brittnau: «Einfach daran halten»

Astrid Haller, Gemeindeammann von Brittnau, sagt auf Anfrage: «Wir verweisen auf die Abmachung, die wir miteinander getroffen haben. Sie müssen sich einfach an diese Rahmenbedingungen halten.» Darüber hinaus werde man das Projekt nicht mehr kommentieren.

Für Hamids Wohngemeinde Safenwil ist es kein Problem, dass er auswärts übernachtet. Jedoch muss er auf die zehn Franken Taschengeld pro Tag verzichten. Auch hier springt Watson ein: Das Monatsgeld wird auf ein entsprechendes Spendenkonto überwiesen.