Denn ihr geistig behinderter Sohn Daniel sprang dem Tod zweimal von der Schippe. Alles begann damit, dass der 12-jährige Daniel Anfang Mai in der HPS Bremgarten mit dem Schüler R. zusammenstiess. «Er hatte ein paar blaue Flecken, aber es war nichts Schlimmes», sagt die Mutter. Knapp eine Woche später geht die nächste Begegnung der beiden Knaben nicht so glimpflich aus. Zu zweit arbeiten sie im Werkunterricht an einer Werkbank. «Zuerst warf R. mit Holzstücken nach Daniel, dann ging er plötzlich um den Tisch und stach ihm ein Messer in den Bauch», erzählt Frau Spomer. Daniel muss ins Spital und die Wunde wird genäht. Er hat Glück, dass er nicht auf Herzhöhe verwundet wurde.

Bemgartner Schüler im Werktunterricht niedergestochen

Bremgartner Schüler niedergestochen?

Sturz in ein Metallgeländer

«Die Kinder wissen nicht, was sie tun», sagt der Vater. Er macht R. keinen Vorwurf für die Tat, da dieser auch geistig behindert ist. Der Vater ist vor allem enttäuscht von der Schule. Er findet, dass die Lehrer ihre Aufsichtspflicht missachtet haben. Denn nur einen Monat später kommt es erneut zu einem Vorfall: Daniel fällt bei einem Spaziergang an der Reuss die Böschung hinunter und knallt mit dem Kopf in ein Metallgeländer. Er erleidet ein Schädel-Hirn-Trauma und hat enormes Glück, dass er diesen Sturz überlebt. «Es könnte sein, dass er von R. abgelenkt oder sogar gestossen wurde. Das ist schwierig herauszufinden, da die Involvierten geistig behindert sind», so der Vater.

Die Stiftungsleitung der HPS Bremgarten sieht das ein wenig anders. «Wie uns die Lehrerin berichtete, hatte sich Daniel während des Gehens umgedreht, stolperte und fiel daher die Böschung hinunter», schildert der Stiftungsleiter Manfred Breitschmid den Vorfall. Nichtsdestotrotz bedauert er diese beiden Vorfälle zutiefst. Er kann nur zu gut verstehen, dass das für die Eltern keine einfache Situation ist. Den Vorwurf der mangelhaften Aufsichtspflicht kann Breitschmid aber nicht akzeptieren: «Es handelt sich bei beiden Vorfällen um unglückliche Unfälle. Bei beiden waren Lehrpersonen anwesend. Ich sehe aber keine Sorgfaltspflichtverletzung. Man kann die Kinder einfach nicht die ganze Zeit kontrollieren.»

Daniels Eltern haben reagiert und ihren Sohn von der HPS Bremgarten abgemeldet. «Er wird dort sicher nie mehr zur Schule gehen», sagt die Mutter. Auch Manfred Breitschmid ist mit dieser Lösung einverstanden: «Ich kann diese Reaktion der Eltern verstehen. Es ist besser für alle Beteiligten, wenn Daniel nicht mehr zu uns in die Schule kommt. Die Unsicherheit, dass wieder mal etwas passieren könnte, wäre einfach zu gross.»

Eine neue Schule für Daniel

Gemeinsam mit den Eltern hat die HPS Bremgarten eine Lösung gesucht. Die HPS in Wohlen wäre die nächste Schule für geistig Behinderte. «Wir wissen noch nicht, ob das klappt. Wohlen ist doch ziemlich weit weg. Entweder müsste Daniel einen weiten Schulweg in Kauf nehmen oder wir müssten umziehen», erklärt die Mutter die nicht ganz einfache Situation. Ende Monat werden sich die Parteien zusammensetzen und entscheiden, wo Daniel als Nächstes in die Schule geht.