Aarau-Trainer
Guter Ranko, böser Ranko

Der FC Aarau verliert zu Hause zum Abschluss der Vorrunde gegen den SC Kriens mit 0:1 Fussball. Die Mannschaft überwintert im besten Fall auf Position 13.

François Schmid-Bechtel
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Ranko Jakovljevic

Ranko Jakovljevic

Neun sieglose Spiele in Serie. Beim FC Aarau brennt der Baum schon längst. «Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass mit diesem jungen Team zwischen Rang drei und zwölf alles möglich ist», sagt Trainer Ranko Jakovljevic. Nun überwintert der Super-League-Absteiger im besten Fall auf Position 13. Da ist es logisch, dass der Trainer zur Diskussion steht. Präsident Alfred Schmid verrät nach dem 0:1 gegen Kriens, dass man den Trainer-Markt bereits sondiert habe. «Wir haben schon verschiedene Gespräche geführt.»

Im Gegenzug muss er aber eingestehen, dass die Mannschaft einen intakten Eindruck hinterlassen habe. Marazzi lässt zwei, Sabanovic eine hochkarätige Chance aus. Stojkov vergibt dreimal aus aussichtsreicher Position. Der SC Kriens indes nutzt einen Freistoss durch N’Tiamoah unmittelbar nach der Pause zum Siegtreffer. Das 0:1 ist aufgrund des Chancenverhältnisses ein absurdes Resultat. Vielleicht sagt Schmid auch deshalb, dass es denkbar sei, mit Jakovljevic die Rückrunde zu bestreiten.

Hü und Hott

Diese Ambivalenz gegenüber dem Trainer zeugt nicht von einer ausgereiften Konzeption. Noch vor acht Monaten wurde Jakovljevic als Mann gefeiert, der ein kleines bisschen Hoffnung auf den Ligaerhalt ins Brügglifeld transferiert hatte. Guter Ranko! Doch diese Hoffnung währte nur kurz. Jakovljevic stieg mit dem FC Aarau ab. Bei der Fehleranalyse wurde er zurecht ausgeklammert.

In dieser Saison sollte Jakovljevic den Verein in der Zweitklassigkeit konsolidieren. Nach Halbzeit kommt man zum Schluss: Ziel nicht erreicht. Böser Ranko! Aber muss Jakovljevic deshalb zum Abschuss freigegeben werden? Nein. Der 44-jährige Bosnier ist ein Trainer-Talent. Gewiss musste er in dieser Saison Lehrgeld bezahlen. Im Gegensatz zu einigen seiner Vorgänger ist er nicht lern- und beratungsresistent. Zwar wird ihm vorgeworfen, er würde nicht auf den Rat des «namhaften Sportausschusses» (O-Ton Schmid) hören. Aber ob dieser Sportausschuss als ideale Instanz gilt, ist eine andere Geschichte. Beim einen Mitglied (Fredy Strasser) fällt es schwer, an seine Objektivität zu glauben, weil er als Spieleragent arbeitet und der Schwiegervater von Captain Burki ist. Und der andere (Roger Hegi) ist als Direktor der Sport-Toto-Gesellschaft beruflich stark absorbiert.

Ranko bezahlt für andere

Jakovljevic steht für Taktik, Teamgeist, Nachwuchsförderung, ziel- und leistungsorientierte Arbeit. Also exakt jene Parameter, die dem Anforderungsprofil entsprechen. Doch er büsst in dieser Saison für Fehler, die den Ursprung nicht auf seinem Schreibtisch haben.

Dass es Spieler in dieser Mannschaft gibt, die in der Challenge League mehr verdienen als letzte Saison in der Super League, liegt nicht in seiner Verantwortung. Dass deshalb ein zu grosses Lohngefälle im Team herrscht, was zu Neid und Missgunst führen kann, ist die logische Konsequenz eines seit Jahren betriebenen Missmanagements. Und dass die vermeintlichen Führungsspieler und Grossverdiener, die seit Jahren den Beweis der Leaderqualitäten schuldig bleiben, noch immer für den FC Aarau spielen, ist ebenfalls nicht die Schuld des Trainers.

Trotzdem ist er gestern unmittelbar nach dem Spiel mit unguten Gefühlen nach Eindhoven gefahren, wo er eine Woche lang ein Praktikum absolviert. «Ob ich nach meiner Rückkehr noch Trainer bin, kann ich jetzt nicht mehr beeinflussen. Es geht ja auch nicht um mich, sondern um den FC Aarau», sagte Jakovljevic. Retten kann ihn eigentlich nur noch das Budget. Denn Präsident Schmid hat angekündigt, dass man sich in der Winterpause verstärken will. Ein routinierter Innenverteidiger soll kommen. Dazu auch je ein Spieler für das Mittelfeld und den Sturm. Fraglich, ob das Geld für einen neuen Trainer dann noch ausreicht.