Ein solches Frühjahr hat der Aargau noch selten erlebt. Von Januar bis April fiel nur halb soviel Regen wie üblich. Vor allem Gewässer und Kulturland leiden unter der Trockenheit, die nun rekordverdächtige Ausmasse erreicht hat. Die ersten vier Monate dieses Jahres waren laut Meteoschweiz eine der trockensten Perioden seit Messbeginn 1864.

Verkettung von Geologie und Wetter

Die anhaltende Trockenheit hat laut Einschätzungen des Kantons auch zur Trinkwasser-Verschmutzung in Schinznach-Dorf beigetragen. Dort war am Wochenende Gülle in die Wasserversorgung geraten, worauf die Gemeinde Wasser in Flaschen bereitstellen musste.

Wer die Wasserverschmutzung verursacht hat, ist noch nicht geklärt und wegen der komplizierten geologischen Voraussetzungen auch schwierig zu ermitteln. Für die Experten des Kantons ist dennoch bereits klar: «Es war eine Verkettung von Geologie und Wetter, wie wir sie noch nie erlebt haben», sagte Matthias Müller, Leiter Abteilung Landwirtschaft, gegenüber der az und bestätigt damit einen Bericht des «Regionaljournals» von Schweizer Radio DRS.

Wegen der Trockenheit versickert Gülle nur langsam und droht abzufliessen. In einem Karstgebiet mit hohem Grundwasserspiegel, wie es in Schinznach-Dorf der Fall ist, kann dies schwere Folgen haben. Müller: «Läuft die Gülle auf diesem zerklüfteten Boden irgendwo in ein Loch, ist eine Verschmutzung des Wassers schnell passiert.»

Kanton will sofort handeln

Trockene Böden während der Düngperiode im Frühjahr sind ein neues Phänomen und lassen beim Kanton die Alarmglocken läuten. «Die Gefahr von Wasserverschmutzung durch Gülle ist noch nicht vorbei und könnte in den nächsten Jahren wieder drohen», warnt Matthias Müller. Als Sofortmassnahme thematisiert der Kanton deshalb den Vorfall in seinen Beratungen und Weiterbildungen.

Auch in den Lehrgängen am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen wird der Fall Schinznach-Dorf seit gestern besprochen. «Es geht darum, die Landwirte auf dieses neue Phänomen zu sensibilisieren», sagte Müller weiter. Den Bauern zusätzliche Vorschriften machen will der Kanton nicht.

«Bauern sind genügend sensibilisiert»

Gelassener gibt sich der Bauernverband Aargau. «Ich kenne den Fall Schinznach-Dorf nicht im Detail, sehe aber kein Problem», sagte Geschäftsführer Ralf Bucher der az. Bucher vermutet hier mehr einen «Einzelfall, dessen Ursache auch geologischer Natur sein kann».

Handeln will der Bauernverband vorerst nicht – vor allem auch deshalb, weil ein Zusammenhang mit der Trockenheit zum jetzigen Zeitpunkt nicht erwiesen sei. «Die Landwirte sind bereits genügend sensibilisiert, in der Trockenheit keine unnötig grossen Mengen Gülle grossflächig auszubringen», begründet Bucher seine Zurückhaltung. Dies auch deshalb, weil Dünger auf trockenem Boden wenig Wirkung zeige.

Regen lässt weiter auf sich warten

Ein Ende der Trockenheit ist indes nicht in Sicht. Zwar fielen im Aargau in der Nacht auf Dienstag 5 bis 10 Millimeter Regen; dies sind jedoch nur «zwei Tropfen auf den heissen Stein», wie es Daniel Murer von Meteoschweiz ausdrückt. Für eine richtige Entspannung brauche es kräftige und langanhaltende Niederschläge – und mit diesen ist laut Murer vor nächstem Montag kaum zu rechnen.