Die az-Leser und Zuschauer von Tele M1 entscheiden jede Woche per online-voting oder SMS, wer im «Duell aktuell»-Ständeratsspezial ein nächstes Mal antreten darf. EVP-Kandidat Roland Bialek erwischte einen grandiosen Start. Er überzeugte das Publikum sowohl im Rededuell mit dem «wilden» SVP-Kandidaten Lieni Füglistaller wie auch im Auftritt gegen Peter Schuhmacher von den Grünliberalen. Gestern stand Bialek schon das dritte Mal im Ring, dieses Mal gegen Nationalrat Geri Müller, Ständeratskandidat der Grünen.

Wie schon eine Woche zuvor eine pikante Paarung, marschieren Grünliberale, EVP und Grüne bei den Nationalratswahlen doch gemeinsam mit einer Listenverbindung. Da will man sich nicht allzu stark auseinander dividieren lassen, auch wenn es bei den Ständeratswahlen natürlich «Mann gegen Mann» geht. Bialek grenzte sich diplomatisch von seinem Gegner ab: Im Aargau würden die Grünen für eine eher pragmatische Politik einstehen, während sie auf eidgenössischer Ebene doch ziemlich klar links positioniert seien. Müller sei da eher auf der Linie der Landespartei. Das Etikett «links» passt Geri Müller selbst allerdings gar nicht. Er halte dieses Links-Rechts-Schema nicht mehr für zeitgemäss und sehe sich als Vertreter einer zukunftsorientierten Politik. Was andere bei ihm und den Grünen linkslastig nennen, nennt er selber «der Zeit voraus», und darauf komme es an.

Der wachsame Hahn

«Duell»-Moderator Werner De Schepper, stellvertretender az-Chefredaktor, fühlte «Titelverteidiger» Roland Bialek mit einem Verweis auf die Wahlwerbung der EVP auf den Zahn: Da der grüne Kandidat und Listenverbindungspartner Geri Müller aus katholischem Haus stammt, wollte er wissen, ob der omnipräsente Hahn (unter anderem in Gummibärchen-Form), ein Symbol der reformierten Kirchen, darauf schliessen lasse, dass die EVP wieder eine konfessionell fokussierte Politik betreibe. Bialek konterte: Der Hahn sei nicht als konfessionelles, sondern als Symbol der Wachsamkeit zu verstehen, und die sei in der Politik auf jeden Fall wichtig. Und bei der Politik der EVP gehe es nicht in erster Linie um die konfessionelle Zugehörigkeit, sondern um das Hochhalten christlicher Werte.

Kampagne gegen die Menschen

Während Roland Bialek sie nur als «störend» bezeichnete, findet Geri Müller die SVP-Kampagne für ihre Einwanderungsinitiative ganz und gar unchristlich. Die Meinungsfreiheit sei an sich unantastbar, aber wenn eine ganze Bevölkerungsgruppe pauschal diskreditiert werde, sei das nicht akzeptabel, so Müller. Er wurde von Moderator De Schepper darauf angesprochen, dass die Grünen ja das (Bevölkerungs-)Wachstum auch in Frage stellen würden. Das lockte Müller aus der Reserve. Die SVP fahre eine Kampagne gegen die Menschen. Ihm gehe es um etwas ganz anderes: Darum, zu hinterfragen, welches (Wirtschafts-)Wachstum man anstrebe und auf wessen Kosten welches Wachstum gehe.