Frau Bachmann, letztes Jahr mieden viele Mitte-Politiker den Menschenstrom gegen Atom. Nehmen Sie als CVP-Politikerin morgen am Protestmarsch beim AKW Mühleberg teil?

Regula Bachmann: Ich war letztes Jahr am Protestmarsch dabei beim AKW Beznau. Morgen geht es nicht, weil ich in den Ferien bin.

Beznau kommt als ältestes AKW der Welt nach dem Bundesgerichtsentscheid zu Mühleberg nun auch stärker unter Druck. Bis wann müsste Beznau Ihrer Meinung nach vom Netz?

Wenn sich zeigt, dass es nicht sicher ist, müsste Beznau früher vom Netz genommen werden als nach den geplanten rund 50 Jahren Laufzeit.

Sollte sich der Kanton Aargau als Miteigentümer bei der Betreiberin Axpo für eine vorzeitige Stilllegung einsetzen?

Der Aargau muss eine vorzeitige Stilllegung mindestens prüfen. Letztlich entscheidet aber der Bund.

Schauen wir zurück: Nach dem Bundesrat hat auch der Aargau den Atomausstieg beschlossen. Wie sehen Sie den Energiekanton ein Jahr nach Fukushima?

Der Aargauer Regierungsrat hat sich etwas länger Zeit gelassen für den Verzicht auf AKW. Dafür ist es ein ehrlicher Beschluss. Trotzdem sollte man sich langsam politisch überlegen, wie man gezielt aussteigen will. Man braucht einen Plan B. Die Wirtschaft muss genug Zeit haben, um sich umzustellen. Das geht nicht von heute auf morgen. Und es geht auch nicht ohne Einschränkungen. Als Erstes sollten wir endlich ernsthaft zu sparen beginnen. Da können wir mindestens 30 Prozent herausholen. Sparen hat für mich Priorität vor dem Ersatz der AKW-Energie durch Alternativenergien wie Photovoltaik, Biomasse oder Erdwärme.

Macht der Aargau da genug?

Der Aargau ist sehr zögerlich. Der politische Wille fehlt. Zum Beispiel beim gerade verabschiedeten Energiegesetz: Da haben wir den politischen Spielraum nicht ausgeschöpft. Das Verbot für Elektroheizungen wurde beispielsweise viel zu stark gelockert. Im Aargau meinen gewisse bürgerliche Politiker immer noch, es gehe alles auf freiwilliger Basis. Aber Energiepolitik kann man nicht nur mit Anreizen betreiben.

Wie sieht der Aargau in 20 Jahren aus, wenn Beznau spätestens vom Netz geht?

In 20 Jahren wird der Aargau seinen Energiebedarf mehrheitlich mit erneuerbaren Energien decken. Im Fricktal, wo ich wohne, könnte dies schon früher der Fall sein.

Als Umweltfachfrau beraten Sie Fricktaler Gemeinden in der Energiepolitik. Wie muss die unterste politische Ebene auf den Atomausstieg reagieren?

Die Gemeinden müssen sich bewusst werden, dass Energie eine wichtige Rolle spielt, etwa im Unterhalt von gemeindeeigenen Gebäuden.

Ist das schon so weit?

Es kommt langsam voran. In Fricktal gibt es schon mehrere Energiestädte. Manche betreiben auch eine Energiebuchhaltung und eine Energieplanung. Ein gutes Beispiel ist Rheinfelden: Vor 20 Jahren hat man noch über den Wärmeverbund gelacht, heute gibt es mehrere davon. Zudem arbeiten gerade ein paar Gemeinden gemeinsam zusammen, um Photovoltaikanlagen zu beschaffen. Und der Planungsverband Fricktal Regio will eine Energiepotenzialstudie für das ganze Fricktal erstellen. Das ist sinnvoll und auch auf andere Regionen im Aargau übertragbar.