Grosser Rat
«Ich leide mit Menschen in Afghanistan»: Demonstranten fordern in Aarau Solidarität

In der Mittagspause der Grossratssitzung demonstrierten Hilfsorganisationen, Betroffene und linke Politiker für Hilfe für Afghanistan.

Eva Berger
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Vor dem Grossen Rat in Aarau forderten Afghanen und Schweizer rasche Hilfe.
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Die Demonstranten bei der Kundgebung vor dem Grossratsgebäude in Aarau.
Die Demonstranten bei der Kundgebung vor dem Grossratsgebäude in Aarau.
Die Demonstranten bei der Kundgebung vor dem Grossratsgebäude in Aarau.

Vor dem Grossen Rat in Aarau forderten Afghanen und Schweizer rasche Hilfe.

Chris Iseli

Dutzende halten Plakate hoch mit Botschaften wie «Ich kämpfe für Frauen und Kinder-Rechte», oder «Ich leide mit Menschen in Afghanistan». Die Demonstration findet in der Mittagspause der Grossratssitzung in Aarau statt, vor dem Grossratsgebäude. Der Aufruf ist Solidarität mit Afghanistan, mit jenen Menschen, die nach der Machtergreifung der Taliban noch im Land sind, mit jenen auf der Flucht und auch mit den Afghaninnen und Afghanen, die bereits in der Schweiz sind, häufig aber ohne Bleiberecht.

«Die Kälte und Feigheit in den Worten westlicher Regierungen sind kaum auszuhalten», sagte Rolf Schmid, der Präsident des Vereins Netzwerk Asyl Aargau. Man müsse den Betroffenen in Afghanistan klarmachen, dass ihnen die Schweiz nicht helfen könne, weil sie das nicht wolle. Er habe auch keine Lösung, doch: «Gemeinsam machen wir Druck», sagt er.

Die Demonstranten in Aarau.

Eva Berger

Auch der Aargau könne helfen, indem Asylanträge schneller bearbeitet werden, Familiennachzug rasch ermöglich wird und Härtefallgesuche rasch erledigt werden.

Afghane: «Wir haben Angst»

Sayed Nabizadeh, ein seit fünf Jahren in der Schweiz lebender 26-jähriger Afghane, erzählt von Hilferufen auf Afghanistan, die ihn täglich erreichten. «Ich habe aber jeweils keine Antwort auf die Frage, was die Schweiz tut, um ihnen zu helfen», so Nabizadeh.

Alles, was in Afghanistan seit der letzten Taliban-Herrschaft aufgebaut worden ist, sei jetzt wieder verloren. Auch der Afghane ruft darum zu Solidarität auf. Die Schweiz solle unverzüglich für vorläufig Aufgenommene sicherstellen, dass sie im Land bleiben können, zudem seien Geflüchtete aufzunehmen. Denn, so Nabizadeh: «Wir haben Angst.»

«Die Menschen in Afghanistan haben eine ganz andere Realität als wir», sagte Claudia Rederer vom Verein Psy4Asyl. Leid und Angst könne man ihnen zwar nicht nehmen, die Schweiz könne und solle sich aber solidarisch zeigen und Angebote schaffen, «um die Belastung etwas zu reduzieren».

Zu Störungen des Ratsbetriebs kam es wegen der Demonstration nicht.

Zu Beginn der Sitzung verlas Lea Schmidmeister für die SP eine Fraktionserklärung. Und auch hier: Vor allem brauche es Solidarität mit den Betroffenen.

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