Ortsbürger

Gränichen will Kiesgrube erweitern – dafür muss Wald gerodet werden

Das Abbaugebiet rechts würde bis 2056 mehr als verdoppelt.

Das Abbaugebiet rechts würde bis 2056 mehr als verdoppelt.

Die Ortsbürger sichern sich eine Einnahmequelle für die nächsten 30 bis 40 Jahre. Dazu muss zwar Wald verschwinden, allerdings wird eine Fläche zur Aufforstung bereitstehen.

Der Kiesabbau im Moortal wurde 2006 verlagert auf das benachbarte Gebiet Untere Zingge, diese Vorräte dürften in vier Jahren ausgeschöpft sein. Die Ortsbürgergemeinde, denen das Kieswerk und die Waldflächen gehören, wollen nun in der Oberen Zingge weiter Kies gewinnen: In einer ersten Phase bis 2044 soll auf einer Fläche von 3,73 Hektaren 0,836 Mio. Kubikmeter Kies und Material gewonnen werden. In einer zweiten Phase bis 2056 würde das Abbaugebiet um weitere 3,29 Hektaren erweitert. Zum Vergleich: In Schafisheim (Kiespool Nord und Süd) lagen kürzlich Gesuche auf für den Abbau von 2,6 Mio. Kubikmeter Kies, mehr als doppelt so viel.

Das Projekt in Gränichen liegt bei der Gemeinde auf, die Pläne sind im Eingang des Gemeindehauses ausgestellt. Fast die gesamte Fläche liegt im Wald: 7,01 Hektaren müssten für beide Projektphasen gerodet werden. Die Waldfläche soll aber konstant bleiben: Nach jeder Rodung wird eine Fläche zur Aufforstung bereitstehen. 16 Rekultivierungsetappen sind vorgesehen. Auf 85 Prozent der künftigen Abbaufläche in der Oberen Zingge und der Hälfte der Unteren Zingge soll junger Laubmischwald entstehen, der Rest ist als Sonderstandorte (Nass- oder Trockenwald) geplant.

Gesetzlich geschützte Waldameisenhaufen müssen umgesiedelt werden, dazu wurden drei geschützte Pflanzenarten gesichtet. Für Fledermäuse wichtige Baumhöhlen werden verschwinden. Als Ersatzmassnahmen werden 10 bis 20 Fledermauskästen im angrenzenden Wald angebracht. Da laut Bericht «die Kiesgrube in relativ gleichbleibender Grösse» in das neue Abbaugebiet «wandert», sind aber keine zusätzlichen Ersatzbiotope vorgesehen.

Zusätzliche Aufschüttung und ein Kreisel vorgesehen

Insgesamt gelten keine der Biotoptypen im betroffenen Wald als unersetzlich. Hingegen seien die neuen Lebensräume nach der Aufforstung «sehr wertvoll». Der Umweltschutz könne «bestmöglich erreicht werden.

Das Gelände, in dem bis zu 40 Metern tief gegraben wird, soll «mindestens auf der heutigen Höhe» wiederhergestellt werden. Und nicht nur das: «Die bestehende Eintalung» zwischen Untere und Obere Zingge wird aufgeschüttet, der Kiesabbau wird also auch dazu genutzt, mehr Aushubmaterial zu entsorgen. «Die Zufuhr von externem Material wird gegenüber heute ansteigen», steht im Projekt. Durch eine «Mehrauffüllung von 22 Prozent» würden «elegant» 240000 Kubikmeter zusätzliches Auffüllvolumen ermöglicht. Es gäbe «eine moderate Geländeoptimierung», der Eingriff werde «schon einige Jahre nach der Rekultivierung» kaum mehr wahrnehmbar, wobei das Landschaftsbild «bereits heute nicht gänzlich unbelastet ist».

In Gränichen ist die Kiesgrube von einem Waldgürtel umgeben und optisch abgeschirmt, etwa von der Hauptstrasse aus nicht sichtbar. Dort soll übrigens ein Kreisel entstehen: Die Industriestrasse wird verlängert und auf der anderen Seite der Kantonsstrasse mit der Eifeldstrasse verbunden. Dank der bestehenden Förderbandanlage werden Transporte vermieden, der Verkehr werde kaum zunehmen. Eine Pneureinigungsanlage wird errichtet.

Kies nur für die Nachfrage aus dem Wynental

Der Kies ist ausschliesslich für die regionale Versorgung im Wynental vorgesehen: Die 40 000 Kubikmeter, die weiterhin jedes Jahr in Gränichen abgebaut werden sollen, entsprechen laut Projekt dem Bedarf von rund 12'500 Einwohnern. In Schafisheim sind es im Vergleich jährlich 150'000 Kubikmeter. «Die Bauwirtschaft ist auf eine kontinuierliche Rohstoffversorgung angewiesen. Ohne den Abbau in Gränichen müssten die Mengen von ausserhalb zugeführt werden, was mit längeren Lastwagendistanzen verbunden wäre», steht im Projekt. «Abgesehen von zwei kleinen Flächen in Oberkulm und Gontenschwil» liege in Gränichen der einzige Abbaustandort im Wynental.

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