Gleicher Steuerfuss trotz Schuldenanstieg

Oberentfelden wird seine Nettoschuld in drei Jahren fast vervierfachen. Der Gemeinderat will dennoch bei Steuerfuss 110 Prozent bleiben.

Daniel Vizentini
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In genau einem Monat stimmt Oberentfelden an der Urne unter anderem über das Budget 2021 ab (siehe Text unten rechts). Dieses plant der Gemeinderat mit einem Minus von 645000 Franken, was nach eigenen Angaben vier Steuerfussprozenten entspricht. Die Steuererträge der Einwohner wie der Firmen sinken voraussichtlich, gleichzeitig muss die Sozialhilfeabteilung um 160 und das Betreibungsamt «wegen der stets ansteigenden Anzahl von Betreibungen» um 100 Stellenprozente erweitert werden. Oberentfelden übernimmt neu 236000 Franken an unbezahlten Krankenkassenprämien seiner Einwohner, der Anteil am Schwimmbad-Defizit liegt bei 482000 Franken.

Zudem hat die Gemeinde einige Bauarbeiten vor: 1,5 Millionen Franken kosten diverse Strassensanierungen, die nur minimale, vom Kanton verordnete Renovierung der Engelscheune bis zu 570000 Franken. Die klar längste und teuerste Liste an Investitionen hat aber nach wie vor die Schule, die seit Jahren aus allen Nähten platzt.

Weit über zehn Millionen Franken für die Schule

Als erstes steht der Anteil von Oberentfelden von 1,215 Millionen Franken für die grundlegende Erneuerung der Schulinformatik an, samt Einkauf von über 1400 Computern und Tablets. Darüber wird Anfang 2021 eine Abstimmung in beiden Entfelden erwartet. Nach Plan übernimmt Oberentfelden noch 540000 Franken am Bau eines weiteren, provisorischen Schulpavillons, 2022 dann 7,5 Millionen an der Aufstockung des Oberstufenschulhauses und 2023 vier Millionen an der Erweiterung des Primarschulhauses Feld. Auch das Schulmobiliar soll in den nächsten Jahren sukzessive ersetzt werden. Die neuen Schulbauten dürften schon vor einer möglichen Gemeindefusion im Zukunftsraum Aarau im Jahr 2026 erstellt sein.

Diese und weitere Projekte kosten die Gemeinde über 26 Millionen Franken. Geld, das Oberentfelden nur über Darlehen finanzieren kann. Über fünf Jahre hinweg müssten 42 Millionen Franken geliehen werden. Immerhin: Die erwarteten Zinssätze von meistens 0,3 Prozent gelten als tief. Die Nettoschuld pro Einwohner würde von heute 661 auf 2364 Franken im Jahr 2023 steigen. Danach geht die Verschuldungskurve laut Finanzplanung wieder langsam nach unten. Der Selbstfinanzierungsgrad dürfte 2024 wieder auf dem heutigen Niveau sein. Ein Budget ohne operatives Minus ist in Oberentfelden erst ab dem Jahr 2025 vorgesehen.

Suhr hebt mit ähnlichen Zahlen den Steuerfuss an

In Suhr, wo eine ähnliche Darlehenssumme aufgenommen werden soll, die Nettoschuld pro Einwohner aber nie 1836 Franken übersteigen wird, will der Gemeinderat den Steuerfuss ab nächstem Jahr um vier Prozentpunkte von 108 auf 112 anheben. In Oberentfelden hingegen, wo das operative Minus 2021 laut Gemeinderat eben genau vier Steuerfussprozenten entsprechen wird, sträubt man sich offenbar dagegen. Derweil ist es in der Region die Gemeinde, die am meisten Geld vom kantonalen Finanzausgleich erhalten wird: 3,026 Millionen Franken werden es 2021 sein – 480000 Franken mehr als dieses Jahr und 396000 mehr als Suhr.