Kanti Baden

Glarner verschärfte Prostitutions-Vorwürfe gegen Kanti nachträglich selber

Links: Der Interview-Text, der Andreas Glarner zum Gegenlesen vorgelegt worden war. Rechts in Rot: Glarners persönlich vorgenommene Korrektur.

Links: Der Interview-Text, der Andreas Glarner zum Gegenlesen vorgelegt worden war. Rechts in Rot: Glarners persönlich vorgenommene Korrektur.

Zuerst wirft Andreas Glarner der Kantizeitung «Nakt» vor, seine Aussagen über Drogen und Prostitution an der Kantonsschule Baden aufgebauscht zu haben. Nun kommt heraus: Glarner selbst hat seine Worte nachträglich zugespitzt.

SVP-Grossrat Andreas Glarner aus Oberwil-Lieli sieht sich als Opfer. Und die Täter sitzen in den Zeitungsredaktionen. «Hören Sie endlich auf, die Geschichte aufzubauschen», sagte der Politiker genervt, als die az diese Woche nachfragte, ob er seine öffentlich geäusserte Vermutung über Drogen und Prostitution an der Kantonsschule Baden mit Fakten belegen könne. «Man hat mir diese Informationen nur zugetragen. Ich habe nie gesagt, dass es so ist.»

Andreas Glarner sieht sich auch als Opfer der «Neuen Aargauer Kantizeitung Troubadour» («Nakt»), die das Interview mit seinen umstrittenen Aussagen abgedruckt hat. Und der Täter heisst in Glarners Augen Tim Honegger (18), Schüler der Kanti Wohlen und «Nakt»-Chefredaktor.

Auf Facebook schreibt Glarner: «Sie dürfen sich aber auch fragen, warum der Kantonsschüler Tim Honegger diese eine Aussage überhaupt abdruckt und dann noch derart prominent platziert. Er hat damit mindestens so viel zu dieser Story beigetragen.»

Glarner: von «fast-Prostitution» zu «Prostitution»

Was Andreas Glarner dabei geflissentlich verschweigt: Tim Honegger hat ihm das Interview vor der Veröffentlichung zum Gegenlesen vorgelegt. «Wir hatten das Einverständnis zur Publikation», sagt Honegger. Zudem habe er Glarners Vorwürfe keineswegs aufgebauscht. «Das umstrittene Zitat steht weder im Titel des Interviews noch auf der Titelseite, im Editorial oder in der Übersicht.»

Doch es kommt noch dicker: Andreas Glarner hat seine Kritik an der Kanti Baden beim Gegenlesen selber verschärft. Gemäss der ursprünglichen Version sagte Glarner, er habe Folgendes gehört: «Angeblich sei es ein Drogenmekka und man könne die Situation dort fast als Prostitution beschreiben.»

Glarner änderte diesen Satz nachträglich. Er wählte nun folgende Formulierung: «Angeblich sei es ein Drogenmekka und es gebe sogar Schülerinnen, die sich prostituieren!»

Keine Beweise

Beide Dokumente liegen dem «Sonntag» vor. Was «fast Prostitution» war, wurde zu «Schülerinnen, die sich prostituieren!», neu mit Ausrufezeichen.

Dass Andreas Glarner der Kantizeitung vorwirft, seine Aussagen aufgebauscht zu haben – und überhaupt abzudrucken –, darüber kann Tim Honegger nur den Kopf schütteln. «Herr Glarner sollte die Grösse haben, für seine Aussagen geradezustehen.»

Es sind Aussagen, die der Politiker später auch gegenüber der az bekräftigte und noch weiter ausführte. Man könne an der Kanti Baden fast jeden Schüler fragen, ob man Stoff kaufen könne, gab Glarner zu Protokoll.

Er vermute auch, dass die sich prostituierenden Schülerinnen einen «Escort-Service anbieten, um den teuren Lebensstil zu finanzieren». Beweisen könne er dies nicht, relativierte der Fraktionspräsident der SVP Aargau. Im Internet finde man aber Hinweise darauf.

Dreifacher Salto

Andreas Glarner schafft den dreifachen Salto, fast im gleichen Atemzug Vorwürfe zu wiederholen, neue Angriffe zu lancieren (etwa gegen Kanti-Rektor Hans Rudolf Stauffacher) sowie sein Bedauern darüber auszudrücken, dass die Geschichte von den Medien aufgebauscht werde. «Ich hatte nie die Absicht, die Kanti Baden in ein schlechtes Licht zu rücken», schreibt Glarner auf Facebook. «Ich werde mich deshalb hüten, meine Zeit wieder einmal für ein Interview mit einem Kantonsschüler zur Verfügung zu stellen.»

Eigentlich schade. Denn die Kantizeitung entlockte Andreas Glarner auch folgende Aussage: «Provokation ist ein politisches Mittel, mit dem man die Leute aufrütteln kann. [...] Es braucht jemand, der Klartext spricht. Vielen, die sich dadurch angegriffen fühlen, fehlen einfach die Argumente und durch den Verweis auf die Provokation lenken sie vom Thema ab. Von dem her finde ich Provokationen weitgehend zulässig.»

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