Gewalt
Gewalt in Baden: Die Region gerät wiederholt in die Schlagzeilen

In der Region Baden gibt es eine erschreckende Serie mit Tötungsdelikten: «Neuenhof» (2006), «Kappelerhof» (07), «Birmenstorf» (08) «Lucie» (2009), «Barbara M.» (2011). Und nun war diese Woche der Samurai-Kranke in den Medien. Doch warum immer Baden?

Roman Huber
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Seit dem Jahr 2006 wird die Region Baden in einer beängstigenden Regelmässigkeit von schweren Gewaltdelikten erschüttert, welche auch die Schlagzeilen der gesamten Schweizer Presse füllen.

Jüngster Fall ist der psychisch Kranke gewesen, der sich verschanzt hatte und einen Polizisten mit einem Samurai-Schwert verletzte. Es sind allerdings Verbrechen, die ihren Ursprung an völlig verschiedenen Orten haben und die dementsprechend unterschiedlich gelagert sind. Die Frage stellt sich dennoch: Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen Tötungsdelikten und der Region Baden.

Der Tötungsfall von Neuenhof im Jahre 2006 war ein Delikt, das die Ermittler ins Sex-Milieu führte. Damals wurde der Besitzer eines Sauna-Clubs ermordet aufgefunden. Anders liegt der Fall im Kappelerhof in Baden (2008), wo ein Schweizer irakischer Herkunft als Amokschütze in einem Restaurant ein Blutbad anrichtete; er wurde psychiatrisch verwahrt und war vor seiner Tat bereits krankgeschrieben.

Auch der brutale Raubmord in Birmenstorf (2008) eines Schweizers türkischer Herkunft und eines Türken an einem 65-jährigen Mann ist nicht mit den andern Gewalttaten vergleichbar, denn der Mord wurde aus Frust über die geringe Beute verübt.

Der «Fall Lucie», der im Jahr 2009 die Schweiz bewegte, ist wiederum auf eine schwere psychische Störung des Täters zurückzuführen. Anders liegt das jüngste Tötungsdelikt an der bekannten Weinfachfrau und Mutter Barbara M. in Baden; ein Beziehungsdelikt eines ehemaligen portugiesischen Freundes.

Die Spurensicherung ist am Tatort im Einsatz (Bilder: az/Silvan Hartmann)
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Beziehungsdrama in Baden

Die Spurensicherung ist am Tatort im Einsatz (Bilder: az/Silvan Hartmann)

Aargauer Zeitung

Der jüngste Fall des «Samurai-Irren» an der Stadtbachstrasse in Baden dagegen gehört wieder voll und ganz in die Psychiatrie.

Auch die Behörden waren über diese Delikte erschüttert. «Die aufgeführten Schicksale sind Einzelschicksale, die mich tief bewegen», erklärt Stadtammann Stephan Attiger. Er sehe darin keinen Zusammenhang mit der Stadt Baden oder der Region.

Attiger wie auch sein Leiter Standortmarketing würden es darum deplatziert finden, wenn man aufgrund dieser Tötungsdelikte eine Diskussion über die Standortattraktivität der Stadt oder der Region Baden führen wollte. Darum wollen sie auch nicht weiter Stellung nehmen.

Die Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft ist gemäss den Statistiken in den jüngsten Jahren allgemein gestiegen. Insbesondere in den Städten ist aufgrund des engen Raumes, auf dem Menschen aus verschiedensten sozialen Schichten und auch Kulturen zusammenleben müssen, eine steigende Zahl von Konflikten und gewalttätigen Übergriffen zu verzeichnen.

Die Zunahme der Gewalt im öffentlichen Raum ist in der Stadt Baden selber bereits Anfang 2007 erkannt worden. Darauf hin wurde ein breit abgestütztes Projekt lanciert, das, zusammen mit vermehrter Polizeipräsenz und Überwachung im öffentlichen Raum, eine Beruhigung in der Stadt Baden herbeiführte.

Dennoch sieht Psychologe Thomas Spillmann auch einen Zusammenhang zwischen Gewaltdelikten und der geografischen Umgebung.

Dass die Region von Baden und Wettingen zu einer Grossagglomeration mit über 100000 Einwohnerinnen und Einwohnern im Wirtschaftsraum der Stadt Zürich gehöre, könne nicht der Grund für eine erhöhte Gewaltbereitschaft sein.

Spillmann ist überzeugt, dass Gewalt dort eskaliere, wo man ihr eben nicht entschlossen entgegentrete. Spillmann betont, dass dies seine fachliche Argumentation sei, die er ohne politischen Hintergrund abgeben könne.

Der bekannte Psychologe erklärt, dass Gewaltverbrechen vielfach von Personen verübt würden, die schon in der Jugendzeit durch Vandalismus, Littering und Übergriffe aufgefallen seien. «In Gegenden, wo eine Notolerance-Politik betrieben wird, können diese Gewaltformen eingedämmt werden, sodass Gewalt in diesem Masse gar nicht auftritt», sagt Spillmann aufgrund seiner Beobachtungen.

Würden schon kleine Vandalenakte wie zerschlagene Flaschen in der Bahnhofunterführung, abgerissene Rückspiegel und anderes konsequent verfolgt und geahndet, so würde die Gewalt gar nie eskalieren. Spillmann verweist auf die Stadt New York, wo in dieser Hinsicht enorme Anstrengungen unternommen worden seien. «Heute ist New York eine sichere Stadt», so Spillmann

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