«Ich bin auch Täter und habe einen Fehler gemacht», sagt Guido Kalt (Name geändert), Inhaber einer Dachdeckerfirma im Freiamt.

Trotzdem will er, dass die Öffentlichkeit davon erfährt: «Ich möchte andere vor so einem Schlamassel bewahren und diese Geschichte stösst mir einfach sauer auf.»

Eine Sache stört ihn besonders: «Während ich auf wichtige Papiere warte, macht mein Schnupperstift in seiner Heimat Ferien. Dabei ist er doch von dort in die Schweiz geflüchtet.»

Rückblick: Seit Monaten sucht Kalt einen Lehrling. Im letzten November meldete sich ein 33-jähriger Mann aus Eritrea mit einem Ausländerausweis der Kategorie F. Will heissen, dass dieser Mann in der Schweiz keine Aufenthaltsbewilligung besitzt. Seine Rückweisung ist aber momentan unzumutbar und verstösst gegen das Völkerrecht. Ein Grund dafür kann allgemeine Gewalt in seiner Heimat sein.

Kalt wollte dem Mann eine Chance geben und nahm ihn mit auf die Baustelle. Bei einem unentgeltlichen Probetag am 25. November sollte dieser zeigen, ob er für diese Arbeit geeignet ist. «Das mache ich immer so. Normalerweise muss ich Schnupperlehrlinge bei den Behörden nicht melden. Sie sind auch automatisch versichert.»

Busse wegen Beschäftigung

Nur: Wenn ein vorläufig aufgenommener Ausländer eine Schnupperlehre machen will, so muss der Arbeitgeber ihn beim Migrationsamt Aargau anmelden. «Das war mir nicht bewusst», so Kalt

Ein verhängnisvoller Fehler, wie sich bald herausstellte. Denn sein Schnupperstift verunfallte auf der Baustelle. «Als er eine Routinearbeit ausführte, fiel er rückwärts über eine Brüstung.»

Erst hätte es so ausgesehen, als sei es nur eine Bagatelle. Am nächsten Tag jedoch bekam Kalt die Nachricht, dass sein Schnupperstift im Spital liegt: «Er musste dort zwei Wochen bleiben, weil er sich den Rücken geprellt hat.»

Kalt meldete den Asylbewerber sofort bei der Versicherung und beim Migrationsamt an. Während die Versicherung die Kosten für den Spitalaufenthalt zahlte, war das Migrationsamt weniger kulant: Es zeigte Kalt bei der Polizei an, weil er den Mann nicht rechtzeitig angemeldet hatte. Zudem müsse er eine Busse zwischen 100 und 10000 Franken zahlen – der Entscheid über den genauen Betrag stehe noch aus.

«Er ist in den Ferien»

«Das ist bitter», sagt Kalt. «In den Augen des Migrationsamtes habe ich den Asylbewerber schwarz arbeiten lassen. Dabei wollte ich nur, dass er unsere Arbeit kennen lernt.» Der Asylbewerber sei seit etwa fünf Wochen nicht zu erreichen: «Ich brauche seinen Krankenschein, damit ich bei der Versicherung abrechnen kann.»

Doch als Kalt sich nach ihm erkundigte, habe ihm ein Polizist gesagt, dass er gerade in seiner Heimat Eritrea in den Ferien weilt. Bisher sei er noch nicht zurückgekommen.

Kalt schüttelt den Kopf: «Er ist doch in die Schweiz geflüchtet, weil es in seiner Heimat zu gefährlich ist. Warum kann er dann dort Ferien machen?»

«Sie sind frei herumzureisen»

«Man kann einer vorläufig aufgenommenen Person nicht verbieten, in ihre Heimat zurückzukehren», antwortet Marie Avet vom Bundesamt für Migration auf diese Frage. Sie seien frei herumzureisen. «Allerdings brauchen sie für eine Rückkehr in die Schweiz ein Rückreisevisum, das ihnen in den meisten Fällen gewährt wird. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie nicht mehr in die Schweiz einreisen dürfen.»

Der Heimat-Aufenthalt sei aber auf eigene Gefahr: «Wenn ihnen dort etwas passiert, leistet die Schweiz keine Hilfe.» Etwas anders sieht es bei anerkannten Flüchtlingen aus, erklärt Avet: «Sie laufen die Gefahr, ihren Flüchtlingsstatus in der Schweiz zu verlieren, wenn sie in ihr Heimatland zurückkehren.» Ausnahmen gibt es etwa, wenn ein Familienmitglied des Flüchtlings schwer krank ist oder dieser in seiner Heimat andere wichtige Verpflichtungen erfüllen muss.