Wintersturm
Gerüste, Bäume, Holzhaus – so zerstörerisch war der Weg von «Burglind» im Aargau

Der Sturm Burglind machte den Aargauern zu schaffen: Zahlreiche Anrufer haben sich bei der kantonalen Notrufzentrale gemeldet. Von Schäden wie nach dem Jahrhundert-Orkan Lothar blieb der Kanton aber verschont.

Stefanie Garcia Lainez
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Die mächtige Linde beim Schulhaus in Full im Bezirk Zurzach gab dem Sturmtief im Januar 2018 nach.
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Die Linde galt als Wahrzeichen.
Glück im Unglück an der Bachstrasse in Aarau: Die Birke stürzte nicht auf die Strasse.
In Buchs ist eine rund zehn Meter grosse Föhre eingeknickt, wie Leserin Heidi Berner berichtet.
Der Baum verfehlte die parkierten Autos nur um Zentimeter.
In Seon ist der Zaun neben einem Fussballfeld eingeknickt.
Eine Leserin berichtet von sieben gefallenen Bäumen im Bereich Francke-Gut in Aarau.
Ein Ehepaar aus Aarburg hat uns diese Bilder zukommen lassen. Hier die Gartenlaube vor dem Sturm...
...und so sah es nach dem Unwetter aus.
Die Gartenlaube ist total zerstört.
Die Gartenlaube ist total zerstört.
Die Strasse zwischen Lengnau und Baldingen ist wegen zahlreicher umgestürzter Bäume gesperrt.
Die Strasse zwischen Lengnau und Baldingen ist wegen zahlreicher umgestürzter Bäume gesperrt.
Das Gartenhäuschen vor dem Coop Bau und Hobby in Reinach wurde über die Wiese verteilt.
Das Gartenhäuschen vor dem Coop Bau und Hobby in Reinach wurde über die Wiese verteilt.
Aargau: Sturm «Burglind»
Zwischen Bremgarten und Wohlen wurde ein Auto von einem umstürzenden Baum getroffen. Laut ersten Informationen wurde der Fahrer leicht verletzt.
Ein umgestürzter Baum auf der Strecke Oftringen - Safenwil.
Auch in Oberrohrdorf ist eine Tanne dem Sturm zum Opfer gefallen.
In Suhr stürzte ein Baugerüst um.
In Suhr stürzte ein Baugerüst um.
Auch im Aargau hat der Sturm Spuren hinterlassen – bis jetzt sind aber noch keine grösseren Schäden bekannt.
Am Kirschgartenweg in Aarau ist ein Baum umgestürzt.
Beim Eisfeld Brugg hat dieses Gebäude unter dem Sturm gelitten. Das Eisfeld bleibt am Mittwoch gesperrt.
Beim Eisfeld Brugg hat dieses Gebäude unter dem Sturm gelitten. Das Eisfeld bleibt heute gesperrt.

Die mächtige Linde beim Schulhaus in Full im Bezirk Zurzach gab dem Sturmtief im Januar 2018 nach.

Leserbild/René Kälin

Heute Morgen fegte der der Sturm "Burglind" mit über 100km/h über die Schweiz. Die kantonale Notrufzentrale in Aarau verzeichnete viele Anrufe, sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei Aargau. «Die eingegangenen Schadensmeldungen betreffen vor allem umgestürzte Bäume oder Baustellenabschrankungen», sagt er. Umgewehte Bäume blockierten etliche Strassen, darunter die A1 zwischen Mägenwil und Aarau-Ost. In Fahrtrichtung Bern bildete sich ein Rückstau von mehreren Kilometern Länge.

«Glück im Unglück hatte ein Autofahrer, der zwischen Bremgarten und Wohlen unterwegs war», sagt Graser. Sein Auto wurde kurz nach 12 Uhr von einem umstürzenden Baum getroffen. «Er wurde leicht verletzt und konnte sich selber aus dem Auto befreien.» Er sei ansprechbar gewesen und ins Spital gefahren.

In Brugg setzte der Sturm der Infrastruktur des Eisfeldes beim Campus Brugg-Windisch zu: Das Holzhäuschen wurde auf der einen Seite vom heftigen Wind eingedrückt. Der finanzielle Schaden kann noch nicht beziffert werden. Das Eisfeld sowie das betroffene Gastronomie-Holzhaus bleiben jedoch zumindest am 3. Januar geschlossen.

Die Situation wird als zu gefährlich eingestuft. Die Betreiber hoffen, dass bis am Donnerstagmittag das Feld wieder geöffnet werden kann. Bereits letzte Woche musste der Betrieb eingestellt werden. In der Nacht auf den 26. Dezember wurde ein Teil des Eisfeldes von Unbekannten zerstört.

Beim Eisfeld Brugg hat dieses Gebäude unter dem Sturm gelitten. Das Eisfeld bleibt am Mittwoch gesperrt.

Beim Eisfeld Brugg hat dieses Gebäude unter dem Sturm gelitten. Das Eisfeld bleibt am Mittwoch gesperrt.

Janine Müller

Wegen umgestürzten Bäumen respektive Sturmschäden mussten Kantonsstrassen zwischen Baldingen und Lengnau, Schönenwerd und Oberentfelden (Entfelderstrasse), Untersiggenthal und Gebenstorf (Höhe Gebenstorf), Rothenflue und Wittnau sowie Bünzen und Bremgarten gesperrt werden.

In Teilen des Fricktals sowie in den Zurzibieter Gemeinden Baldingen und Endingen kam es zwischen 11 und 14 Uhr zu Stromausfällen im Netz der AEW Energie AG, die bis zu einer Stunde andauerten.

Insgesamt waren bis zu 80 Feuerwehren des Kantons an rund 130 Schadenplätzen am Mittwoch im Einsatz. 20 Strassen mussten gesperrt werden. Umgestürzte Bäume beschädigten mehrere Gebäude und auch Fahrzeuge. Der Kantonspolizei Aargau liegen allerdings keine Angaben über die Höhe der Schäden vor.

«Glücklicherweise ist bisher nur eine Meldungen über einen Verletzten eingegangen. Zudem mussten keine Hauptachsen gesperrt werden, und grössere Sachschäden blieben im Aargau aus», sagt Bernhard Graser. «Nach Lothar vor 18 Jahren herrschten ganz andere Verhältnisse.»

Wegen "Lothar" starben drei Personen im Aargau

27. Dezember 1999 fegte der Jahrhundert-Orkan «Lothar» über die Schweiz. Im Aargau fällte «Lothar» 1,3 Millionen Kubikmeter Holz. Von Frankreich her kommend fegte der Orkan mit nie zuvor gemessenen Windgeschwindigkeiten durchs Mittelland – auf dem Jungfraujoch mit 249 km/h und auf dem Uetliberg mit 241 km/h. Die Südschweiz und die Südostschweiz wurden verschont.

Am 26. Dezember 1999 zog Orkantief Lothar über West- und Mitteleuropa hinweg.
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Der Orkan richtete vor allem in Nordfrankreich, der Schweiz, Süddeutschland und Österreich die höchsten Sturmschäden der jüngeren europäischen Geschichte an.
Aus Westen kommend traf der Sturm vormittags auf den Schwarzwald, die Schweiz und Liechtenstein in seiner ganzen Länge.
Der Sturm zog in etwa zweieinhalb Stunden von 10:00 Uhr bis 12:30 Uhr über die Schweiz hinweg.
In der Schweiz wurden die höchsten Windgeschwindigkeiten auf dem Jungfraujoch mit 249 km/h, auf dem Zürcher Hausberg Uetliberg mit 241 km/h gemessen.
Im Flachland betrugen die Böenspitzen in der Schweiz verbreitet 140 km/h (im Zürcher Oberland bis zu 160 km/h), selbst in Tallagen.
In der Schweiz starben wegen des Sturms 14 Menschen.
Auch Wochen nach dem Sturm kamen während der Aufräumarbeiten noch Menschen zu Tode, und zwar überwiegend im Privatwald, wo wenig geschulte Waldbesitzer und ihre Angehörigen bei den Holzbergungsarbeiten meist von unter Spannung stehenden Baumstämmen erschlagen wurden.
In der Schweiz starben allein durch solche Unfälle 15 Menschen.
Der Sturm hat einen geschätzten Versicherungsschaden (Swiss Re) von über 6 Milliarden US-Dollar verursacht.

Am 26. Dezember 1999 zog Orkantief Lothar über West- und Mitteleuropa hinweg.

Keystone

Während des Sturms Lothar kamen 14 Menschen ums Leben, drei davon im Kanton Aargau. Zudem starben 15 Personen bei Holzarbeiten allein im Jahr 2000. Auch die materiellen Schäden waren immens: 600 Millionen Franken Schäden an Gebäuden und 750 Millionen Franken Schäden und Folgekosten am Wald.

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