Herr Müller, kandidieren Sie nach dem Motto «Aller guten Dinge sind drei»?

Geri Müller: (lacht) Nein. Aber in einer kleinen Partei gelingt es selten im ersten Anlauf. Ich bin zuversichtlich, dass es diesmal klappt.

Sie hatten 2003 und 2007 gute Resultate. Aber Hand aufs Herz: Sie schaffen es auch diesmal nicht. Die Konkurrenz ist zu gross. Erst recht, falls auch noch Pascale Bruderer kandidieren sollte.

Die Konkurrenz ist gross. Aber am Schluss können die Wählerinnen und Wähler zwei Namen auf ihren Zettel schreiben. Und wir konnten immer wieder feststellen, dass die Parteifarbe bei Regierungs- und Ständeratswahlen zwar eine Rolle spielen, die Person aber im Zentrum steht. Mit mir und Pascale Bruderer ergäbe sich gar eine ungeteilte Standesstimme.

Im bürgerlich dominierten Kanton Aargau? Glauben Sie das?

Ich sehe keinen Grund, dass man sich ein solches Duo nicht vorstellen können soll. Sollte dann doch eine geteilte Standesstimme resultieren, wäre dies bereits ein Fortschritt. Wichtig ist, dass im Ständerat Themen wie Umwelt und soziale Weiterentwicklung wieder stärker vertreten sind. Als viertgrösster Kanton kann der Aargau da eine wichtige Rolle übernehmen.

Ihnen könnte helfen, dass SVP und FDP je allein marschieren.

Schon vor vier Jahren habe ich dort kein wirkliches Miteinander der Kandidierenden beobachtet.

Wäre es nicht interessant, im Ständeratswahlkampf jemand Neues aufzubauen? Die Grünen hoffen ja auf einen zweiten Nationalratssitz.

Wir haben uns schon bei den letzten Wahlen gegen solche strategische Überlegungen gewehrt. Wen müssten wir auch «aufbauen»? Grossratspräsidentin Patricia Schreiber-Rebmann? Oder Jonas Fricker? Die sind beide längst bekannt genug. Bei der letzten Regierungsratswahl wurde uns auch schon vorgeworfen, mit der Kandidatur von Susanne Hochuli störten wir nur die Wahl von Urs Hofmann. Und was ist passiert? Beide wurden gewählt, was mich überhaupt nicht überrascht hat. Also: Wenn ich kandidiere, dann, weil ich gewählt werden will.

Was machen Sie anders und besser? Warum sollen die Menschen Sie in den Ständerat wählen?

Der Ständerat wird heute von Vertretern ländlicher Regionen dominiert, die nicht sehr bevölkerungsstark sind. Doch immer sind die Brennpunkte beispielsweise der sozialen Entwicklung in den Zentren und Agglomerationen. Dazu und auch in Bezug auf Städteentwicklung kann und soll der Aargau im Ständerat mehr beitragen.

Der Aargau hat kein herausragendes Zentrum, dafür zwei führende Regionalstädte, die ein Fernduell um den Lead austragen. Könnten sie national mehr Gewicht haben, wenn sie durch Fusionen wüchsen?

Das glaube ich, ja. Bevölkerungsmässig liegen Baden und Aarau weit hinter Städten anderer Kantone. Wirtschaftlich allerdings sind sie viel, viel stärker. Viele andere Städte sind in der Tat auch durch Zusammenschlüsse gewachsen. So bedaure ich sehr, dass die Fusion von Baden und Neuenhof knapp gescheitert ist. Es geht mir aber nicht bloss um eine grössere Bevölkerung, sondern besonders darum, Strukturen zu vereinfachen. Sei es in der Schule, bei der Polizei, im Gesundheitswesen usw.

Sehen Sie eine Konstellation in einer Listenverbindung, mit der die Grünen einen zweiten Nationalratssitz holen könnten?

Ich bedaure sehr, dass das Lager im Aargau, das die ökologische Herausforderung annimmt, seit 2007 nur noch 4 (vorher 5) Sitze hat. Unglücklicherweise gab es 2007 eine grosse Zerstreuung der Stimmen, auch noch auf zwei Kleinparteien. Derzeit wird quer durch die Parteien verhandelt. Ich hoffe, dass es wieder 5 Sitze gibt.

Das Spektrum ist jetzt aber mit BDP und GLP noch grösser als 2007.

Geschickte Listenverbindungen könnten die fortschrittliche, ökologische und soziale Seite stärken. Aus den Grossratswahlen haben wir keine Abgänge an die neuen Parteien feststellen können.

Legen die Grünen nochmals zu?

Davon bin ich überzeugt. Und es ist auch nötig. Die Kräfte, die sich gegen ein Ausbluten des Staates wehren, müssen gestärkt werden. Es kann nicht sein, dass 3 Prozent der Bevölkerung wie in einem Feudalstaat die Hälfte der Vermögen besitzt.