Lauf

Geburtstagskind Willi Lüthi (74) lief seinen 411. Waffenlauf

Am Samstag massen sich Teilnehmer aller Alterskategorien am Wohler Pfingstlauf. Ein ganz besonderer Lauf war es für Willi Lüthi, der viel zu feiern hatte.

Manche schauten verbissen auf die Uhr und zogen dann ihr Tempo an, andere spazierten zwischendurch. Am traditionellen Pfingstlauf, bei dem neben den Joggern auch Walker und Waffenläufer auszumachen waren, läuft jeder auf seine Weise. «Es heisst laufe, nöd sekle», rief ein Teilnehmer dem Publikum zu. Ein Waffenläufer hatte aus Spass eine Rose ins Gewehr gesteckt, ein anderer ist dafür bekannt, dass er Sommer und Winter mit einer Wollmütze läuft.

Susanne Ummel und Vreni Gerber haben schon oft zusammen an ähnlichen Anlässen teilgenommen. «Seit einem Jahr mache ich bei den Läuferinnen mit», erzählt Gerber. Zuvor sei sie in der Kategorie Walking gestartet. «Bei uns läuft jeweils die ganze Familie», berichtet Ummel. Ihre Töchter haben den ersten und den zweiten Platz in ihrer Kategorie geholt. «Damit waren die Kinder wohl besser als die Eltern», schmunzelt sie. Die AZ-Goldläufe seinen immer toll, sie hätten beide schon Goldvreneli gewonnen, berichten sie.

Bewundernswerte Leistung

Mit der Startnummer 411 startete Willi Lüthi aus Bünzen auf die zehn Kilometer lange Strecke. Seine Startnummer war gleichzeitig auch die Anzahl der Läufe, die er bis jetzt mitgemacht hat, damit steht er in der Schweiz unangefochten auf Platz eins. So war es für ihn selbstverständlich, an seinen 74. Geburtstag am Pfingstlauf teilzunehmen. «Er musste kein einziges Mal gehen, er ist immer gerannt», berichtet einer seiner Kameraden mit Bewunderung.

Das Geburtstagskind war sehr glücklich mit dem Geleisteten. Als er im Alter von 20 Jahren mit den Waffenläufen begonnen habe, hätten ihn die Leute schräg angesehen, trotzdem habe er weitergemacht. «Plötzlich hatte ich 100 Läufe zusammen und es wurden immer mehr. Beim 333.Waffenlauf habe ich ein grosses Fest gemacht», erzählt Lüthi. Dann kam der Schicksalsschlag. Vor fast
20 Jahren erkrankte der ambitionierte Läufer an Krebs und musste deshalb eine Weile aussetzen. Den Frauenfelder Marathon, den er bis dahin 29-mal absolviert hatte, wollte er aber unbedingt noch einmal laufen, so kehrte er zum Sport zurück.

Wer Lüthi am Samstag beobachtete, erkannte schnell, wieso er sein Hobby noch immer zielstrebig verfolgt. Beim Einlauf ins Ziel gratulierten viele langjährige Kamera-
den, klopften ihm auf die Schulter und überbrachten Glückwünsche. «Die Kameradschaft ist etwas vom Wichtigsten», weiss Lüthi. Aus dem Grund hängt er wohl seine Laufschuhe auch noch nicht an den Nagel: «Am 3.September möchte ich noch den Waffenlauf in Muri machen, weil ich den selber ins Leben gerufen habe», berichtet er voller Vorfreude.

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