Atomkraft
Für KNS sind alle drei Standorte für neue AKW geeignet

Alle drei diskutierten Standorte für neue Kernkraftwerke sind für den Bau von Reaktoren geeignet. Die Eidgenössische Kommission für nukleare Sicherheit (KNS) stellt sich hinter entsprechende Gutachten des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat

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Das AKW in Benznau

Das AKW in Benznau

Keystone

Die Stromkonzerne Axpo, Alpiq und BKW Energie AG wollen gemeinsam voraussichtlich zwei neue Kernkraftwerke bauen. Die Standorte stehen aber noch nicht fest. Im Rennen sind Mühleberg BE, Gösgen SO und Beznau AG. Die KNS hält alle drei Standorte für geeignet, gibt aber zusätzliche eigene Empfehlungen ab.

Hohe Sicherheitsmassnahmen gefordert

Wegen der relativ hohen Bevölkerungsdichte und der starken wirtschaftlichen Nutzung in der Umgebung der Standorte fordert die KNS laut ihrer Mitteilung vom Montag hohe Sicherheitsmassnahmen: Auch bei einem Störfall mit schwerem Kernschaden sollte «mit grosser Wahrscheinlichkeit» auf einschneidende Notfall-Schutzmassnahmen verzichtet werden können.

Ausserdem müssen für Baugesuche an allen drei Standorten vertiefte geologische Abklärungen vorgenommen werden. Ebenso müssten die Gesuchsteller darlegen, dass der Strom aus den neuen Reaktoren zuverlässig ins Übertragungsnetz eingespeist werde - allenfalls nötige Ausbauten müssten rechtzeitig erstellt werden können.

Schutz vor Flugzeugabstürzen

Weiter pocht die KNS auf den Schutz vor abstürzenden Flugzeugen: Berücksichtigt werden müssten nicht nur die aktuellen Gegebenheiten, sondern auch die künftige Entwicklung des Flugverkehrs und der Flugzeug-Flotten.

Die Rahmenbewilligungen für die Standorte Beznau im Aargau und Mühleberg BE sehen Standard-Anlagen heutiger Bauart und die möglichst rasche Stilllegung der heutigen Kernkraftwerke vor. Die KNS geht davon aus, dass das Risiko für Einzelpersonen in der Umgebung dieser Standorte abnehmen wird.

Das ENSI hatte sein Gutachten zu den möglichen neuen Standorten Mitte November veröffentlicht und festgehalten, dass alle drei Standorte in Frage kommen. Diesen Ergebnissen stimmt die KNS im Wesentlichen zu. Das ENSI habe alle Gesuche umfassend und detailliert geprüft.

Weiterleitung an Bundesrat

Alle relevanten Standorteigenschaften und die an die Standorte gebundenen Gefährdungen seien angesprochen worden. Die Stellungnahmen des ENSI und der KNS selbst enthielten ausreichende Informationen zur nuklearen Sicherheit, um über neue Rahmenbewilligungen für Reaktoren entscheiden zu können.

Die KNS wird ihre drei Stellungnahmen zu den ENSI-Gutachten dem Bundesrat und dem zuständigen Departement für Umwelt, Energie, Verkehr und Kommunikation (UVEK) weiterleiten.

Mitte Jahr werden die drei Gesuche öffentlich aufgelegt. Auch die Kantone werden sich dazu äussern können. Der Bundesrat wird voraussichtlich Mitte 2012 entscheiden. Danach haben Parlament und vermutlich Ende 2013 das Volk das Wort.

Die Stimmberechtigten im Kanton Bern treffen am kommenden 13. Februar einen Vorentscheid über den KKW-Standort Mühleberg. Sollten sie sich in der Konsultativabstimmung gegen den Ersatz des bestehenden Reaktors aussprechen, dürfte der Standort Mühleberg ausscheiden.