Staffelbach

Für Veränderungen offen sein: Pascale Bruderer übt Selbstkritik

Gemeinderat Stefan Morgenthaler hält hinter Pascale Bruderer den Schirm, damit der Wind diesen nicht kippt.

1.-August-Feier

Gemeinderat Stefan Morgenthaler hält hinter Pascale Bruderer den Schirm, damit der Wind diesen nicht kippt.

Obwohl die Ständerätin keine 1.-August-Reden mehr halten wollte, sprach sie am Dienstag in Staffelbach über digitale und politische Fortschritte sowie über die Reform der Altersvorsorge.

Zu ihrer diesjährigen prominenten 1.-August-Rednerin kamen die Staffelbacher mit erstaunlicher Leichtigkeit. Kulturkommissions-Mitglied Elsbeth Frey kennt durch ihr Engagement in der Konferenz der Aargauischen Behindertenorganisationen die Eltern von Pascale Bruderer und konnte die SP-Ständerätin an einem gemeinsam besuchten Anlass als Rednerin für die 1100-Einwohner-Gemeinde gewinnen.

Es seien gerade die kleinen Gemeinden, die sie am Nationalfeiertag gerne besuche, sagte Bruderer gestern. «In den Dörfern habe ich als Rednerin ein sehr heterogenes Publikum, was mich ausserordentlich reizt. Man spürt, dass diese Veranstaltungen ein Treffpunkt für das ganze Dorf sind.» Auch ein paar Windstösse gesellten sich zum 1.-August-Brunch, weshalb Gemeinderat Stefan Morgenthaler der Rednerin vorsichtshalber den Sonnenschirm hielt.

Moderne und Tradition

Die Beziehung zwischen Veränderungen und Beständigkeit wählte Bruderer als Schwerpunkt ihrer Rede. Beides sei nötig, doch sei es oft schwierig, hier die Waagschale zu halten. Die technologisierte Welt biete heute viele Vorteile, etwa im Behindertenwesen. Gleichzeitig schürten die Entwicklungen auch Ängste, höre man doch regelmässig, dass die eigene Arbeitsstelle dereinst mit Robotern besetzt werde.

Am Ende, so Bruderer, müsse die Gesellschaft bestimmen, welcher Weg einzuschlagen sei, ob und wie weit die moderne Technologie Einzug halte. «In einer Welt, in der sich alles verändert, muss man offen sein für Veränderungen und den Mut haben, sich aufs Neue einzulassen. Gleichzeitig soll jedermann dafür einstehen, was ihm wichtig scheint.»

Die Rednerin liess es nicht aus, diesbezüglich an der Politik eine gewisse Selbstkritik zu üben. «Die Politik lässt die Menschen noch nicht deutlich genug spüren, dass sie auf dem Weg der Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, begleitet werden.» Die Bevölkerung müsse ein Bild davon bekommen, welchen Weg in die Zukunft die Politik einschlagen wird, und sicher sein können, dass sie auf diesem Weg nicht abgehängt wird.

Auch die Reform der Altersvorsorge, die am 24. September zur Abstimmung kommt, ist Bruderer ein Anliegen. Bei der Ausarbeitung habe das Parlament zwischen Beständigkeit und Veränderung abwägen müssen. Dass sie für ein Ja plädiert, umschrieb sie gestern mit den Worten: «Es ist keine Super-Reform aber eine gute Reform und die einzige, die wir momentan auf dem Tisch haben.»

Wenn es um ihre 1.-August-Routine geht, dann tut sich Bruderer selbst schwer mit Veränderungen. Seit sie 20 ist, hat die heute 40-Jährige jedes Jahr Reden gehalten, bis sie letztes Jahr beschloss, den Tag in den Bergen mit ihrer Familie zu verbringen. Etwas fehlte ihr aber an diesem redefreien Tag, weshalb sie gestern wieder zur gewohnten Routine zurückkehrte.

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