«Wir können zwar kein Matterhorn und auch keine Dufourspitze bieten, aber für ein Jahr den höchsten Aargauer», tat gestern Patrick Gosteli, Ammann von Böttstein, kund. In einer der vier Fraktionen dieser zweitgrössten Gemeinde im Bezirk, in Kleindöttingen, ist er daheim, der frischgebackene Grossratspräsident Theo Vögtli. Und dort wurde ihm gestern ein grosser Bahnhof bereitet - einer mit Promis und Prosit, mit Kerzenleuchtern und Kalbskarree, mit Büchel und Beatles.

Dass die CVP einen direkten Draht zum Himmel hat, war auf dem Schulhausareal im wahrsten Sinne des Wortes sonnenklar: Unter kornblumenblauem Himmel empfingen dort die Kleindöttinger ihren hohen Mitbürger und sein Gefolge. Die extra für das Fest formierte musikalische Vereinsgemeinschaft Kleindöttingen-Rietheim spielte auf, ein Kinderchor sang, das Alphorntrio Zurzibiet blies als Büchel-Formation, Gemeindeammann Gosteli gab seinem grossen Stolz Ausdruck.

Schnittstelle zwischen Nervensträngen

Natürlich ergriff auch der Geehrte das Wort: Als Grossratspräsident verstehe er sich «als Schnittstelle zwischen zwei Nervensträngen»: Der Justiz als willkürlichem und der Verwaltung als vegetativem Nervensystem. Dass Apotheker Vögtli in seinem kurzen anatomischen Exkurs den Grossrat als «Grosshirn» und den Regierungsrat als «Kleinhirn» bezeichnete, liess allerdings gewisse Hälse leer schlucken.

Zusammen mit dem Gefeierten, seiner Frau Claudia, den Kindern Robin und Lara waren unter anderem nicht weniger als 20 alt Grossratspräsidenten und -präsidentinnen ins Zurzibiet gekommen, der Regierungsrat in corpore, die Ständeräte Christine Egerszegi und Maximilian Reimann, die Herren und Damen Gross- und Nationalräte, Vertreter von Militär, Justiz, Polizei.

Gut und gerne 300 geladene Gäste nahmen schliesslich in der Mehrzweckhalle Platz an weissgedeckten Tischen, auf denen sich rote und gelbe - den Farben Böttsteins - Rosenblätter spiegelten. Entspannt und strahlend wie (fast) immer hatte sich auch Bundesrätin Doris Leuthard zur Festgemeinde gesellt und später an dem Abend Theo Vögtli als «Mit-Kämpfer der ersten Stunde» grosses Lob gezollt. Auch betonte die Bundesrätin, dass Politik durchaus vergleichbar sei mit der Aufgabe eines Apothekers: «Nur was wohl dosiert verabreicht wird, führt zum Ziel.»

Leo Erne führte souverän durchs Programm

Wohl dosiert wurde an dem Abend auch ein buntes Gemisch von Unterhaltung, leiblichen Genüssen und Reden serviert. Mitglieder der Aargauer Kochgilde hatten von einem festlichen Vorspeisenteller über Kalbskarree und geschmortes Kalbsbäggli bis zu süssen Variationen kulinarische Highlights auf die Teller gezaubert. Durchs Programm führte souverän alt Grossrat und Ur-Zurzibieter Leo Erne.

Als gelungene Alternative zu den üblicherweise obligaten Ansprachen bat Erne die Redner zu kleinen Talkrunden auf die Bühne: Einmal waren das Vögtlis Vorgängerin Patricia Schreiber, Landammann Peter C. Beyeler und CVP/BDP-Fraktionspräsident Peter Voser; in einer zweiten Runde alt Grossrat Fritz Ringele und der Landtagspräsident von Baden-Württemberg, Peter Straub. Zwischendurch sorgte Kabarettist Edgar Zimmermann mit seinen trockenen Wortspielereien für Lacher und für nostalgisches Schwelgen die Beatles - zumindest ihre Musik. Sie ist etwas vom Grössten für den neuen höchsten Aargauer.

Ob vierköpfige Band, Männer-, Frauen-, vielköpfiger Kinderchor oder als Solistin Tanja Schmid - alle gaben sie zu Ehren von Beatles Fan Vögtli Hits von «Let it be», über «When i'm Sixty-four» in einer Schweizerdeutschen Fassung, «Help!», «Yellow Submarine» bis 110-stimmig(!) «Hey Jude» zum Besten. Zu guter Letzt sorgte auch Flüssiges - von Tegerfelder und Würenlinger Weinen bis zum Zurzibieter «Kündig-Bräu» als Absacker in der finalen Bierschwemme - dafür, dass die Wahlfeier für Theo Voegtli zu «A Hard Day 's soft Night» wurde - yeah, yeah, yeah!