Stein
Fricktaler Zwillinge liebäugeln mit den nächsten Olympischen Spielen

Die Zwillinge Jil und Christopher Ullmann wurden 2011 Leichtathletik-Schweizermeister. Dieses Jahr haben sie sich weiter verbessert – mit unterschiedlichen Ambitionen.

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Für die Zwillingsforschung wären die beiden eine echte Knacknuss: Ähnlich und zugleich verschieden. Was die 19-jährigen Geschwister aus Stein verbindet, ist ihre Sportlichkeit. Beide gehören zu den grössten Schweizer Leichtathletik-Nachwuchstalenten. Christopher wurde vergangenes Jahr U-20 Schweizer Meister im Weitsprung, seine Schwester Jil holte sich Gold im Hammerwerfen. Die Zwillingsforschung würde den Erfolg wohl mit den Genen erklären, denn Mutter Jutta lief in jungen Jahren der Konkurrenz auf der 400-Meter-Bahn davon.

Springen wie Bob Beamon

Unterschiedlich hingegen sind die Ambitionen der beiden Geschwister. Während Christopher von Olympia träumt, bis zu sieben Mal pro Woche trainiert und sich mit Rap-Musik für seine Sprünge in Stimmung bringt, setzt Jil weniger auf die Karte Sport. «Meine Trainingsdisziplin war dieses Jahr nicht besonders», räumt die begeisterte Tänzerin ein. Dass sich ihre Wurfweite im Vergleich zum Schweizermeistertitel von 2011 bereits wieder um drei Meter verbessert hat, erwähnt sie nur am Rande.

Auch Christopher hat dieses Jahr seine persönliche Bestweite geknackt. Mit 7,59 Metern ist er nur noch einen Zentimeter von der Zulassungslimite für die nächstjährige U-23-EM in Tampere entfernt. «Das sollte schon zu machen sein», sagt der selbstbewusste Sportstudent, der unter anderen die Weitsprung-Legende Bob Beamon zu seinen Vorbildern zählt. Der US-Amerikaner legte an den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko mit 8,90 Metern einen Sprung hin, für den das Massband der Kampfrichter nicht ausreichte. Ob Christopher in vier Jahren in Rio de Janeiro ebenfalls über sich hinauswachsen wird?

An den Olympischen Spielen wäre auch seine Schwester gerne dabei: «Wohl aber eher als Tänzerin an der Eröffnungsfeier denn als Hammerwerferin», sagt sie mit einem bewusst ironischem Unterton. Zu vielseitig sei sie interessiert, als dass sie zur Weltspitze vordringen könnte. Nach ihrem Sozialjahr in einem Kinderhort wird sie mit ihrem Freund im Januar auf Weltreise aufbrechen. Ein Sportstudium kommt für sie nicht infrage. Dafür wird sie sich zwischen Pädagogik und Management entscheiden. (ras)