Eiken
Zwist um den Schulweg: Wer ist für die Sicherheit verantwortlich?

IG Schülerlotsen und Eiker Gemeinderat sind sich uneins, wer die Verantwortung für die Sicherheit der Schüler trägt.

Dennis Kalt
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Sind unzufrieden mit der Sicherheit am Fussgängerstreifen an der Laufenburgerstrasse: Die IG Schülerlotsen.

Sind unzufrieden mit der Sicherheit am Fussgängerstreifen an der Laufenburgerstrasse: Die IG Schülerlotsen.

Die Fronten zwischen der IG Schülerlotsen und dem Eiker Gemeinderat sind verhärtet. Zankapfel ist die Frage, wer die Verantwortung für die Kinder auf dem Schulweg trägt. Nach einer Sicherheitsbeurteilung der Beratungsstelle für Unfallverhütung vom April 2016 ist der Fussgängerstreifen, den die Schüler aus dem Quartier Dammstrasse an der Laufenburgerstrasse überqueren müssen, «gefährlich». Auch an weiteren Stellen besteht Handlungsbedarf.

Raffaele Rubino von der IG Schülerlotsen, Arzt und selbst Vater von drei schulpflichtigen Kindern, weiss das nur zu gut: «Die Bahnüberführung beim Querungsstreifen nimmt diesem das Licht und die Kinder werden von den Autofahrern schlecht gesehen. Zudem liegt der Querungsstreifen hinter einer Kurve. Einige Fahrer, die dort von der Autobahn her kommen, sind viel zu schnell unterwegs.» Seine Frau Daniela Rubino doppelt nach: «Oft erzählen Schüler von brenzligen Situationen, die auf dem Schulweg passiert sind.»

Die Lotsensuche blieb erfolglos

Weil für viele Eltern das Sicherheitsdefizit auf dem Schulweg ein Dorn im Auge ist, reichte die IG Schülerlotsen bereits im August 2015 eine Petition mit 57 Unterschriften ein und forderte den Gemeinderat auf, einen Lotsendienst in das Budget aufzunehmen. Man einigte sich, den Versuch zu unternehmen, diesen kostenschonend zu organisieren. Sowohl die Suche nach Freiwilligen als auch der Einsatz von Sozialhilfeempfängern blieben jedoch erfolglos.

Nun wirft die IG Schülerlotsen dem Gemeinderat eine «Verzögerungstaktik» vor. Auch, weil eine Kommunikation von Massnahmen zum angekündigten Verkehrskonzept des letzten Jahres bisher ausblieb. Vizeammann Christoph Aebi bezeichnet dies als eine Unterstellung. «Bei der komplexen politischen Lage, die wir in den letzten Monaten bewältigen mussten, kann von einer Verzögerungstaktik gar nicht die Rede sein.» Zudem sei ein Gesamtverkehrskonzept ein komplexes Projekt, bei dem viele Faktoren berücksichtigt werden müssten. «Erste Massnahmen werden präsentiert, nachdem das Gremium komplett ist», so Aebi.

In Sachen Lotsendienst nimmt Aebi die Eltern in die Verantwortung: «Es ist schwer nachvollziehbar, dass sämtliche Petitionäre so beschäftigt sind, dass sie selbst keinen Lotsendienst auf die Beine stellen können. Besonders in Anbetracht dessen, dass einige Eltern noch Zeit finden, Taxi zu spielen.»

Die IG Schülerlotsen wehrt sich. Gerade weil der Schulweg so unsicher sei, würden einige Eltern ihre Kinder zu Schule fahren. Zudem sei es für die IG nicht möglich, einen Lotsendienst auf die Beine zu stellen, da man dazu täglich zwei bis vier Personen bräuchte, jedoch viele Eltern berufstätig wären.

Die Auffassung des Gemeinderates, die IG solle selbst einen Lotsendienst organisieren, bringt den Kragen von Raffaele Rubino zum Platzen: «Man zahlt Steuern und erhält dafür nichts. Für ein neues Garderobengebäude werden 500'000 Franken lockergemacht, für einen Lotsendienst und die Sicherheit der Kinder sind knapp 50'000 Franken jedoch zu viel. Das ist ein krankes Verhältnis», enerviert er sich.

Für den Gemeinderat hinkt dieser Vergleich: «Die Garderobe war eine über zehn Jahre alte Pendenz.» Aebi, der selbst neun Jahre aus dem Eiker Niederfeld zur Schule ging, ist über die letzten 30 Jahre kein Unfall bekannt. «Für mich spricht dies dafür, dass das Konzept mit der Schulung durch die Polizei am Fussgängerstreifen ein sehr wertvoller Beitrag ist.» Dementsprechend wird der Gemeinderat von sich aus an der Gemeindeversammlung keinen Lotsendienst traktandieren. «Als Vater wäre es mir unangenehm, die Verantwortung meines Kindes der Allgemeinheit abzuverlangen», so Aebi.

Jedoch wies der Gemeinderat die IG Schülerlotsen in einem Schriftwechsel im September darauf hin, dass ihr Begehren mittels Überweisungsantrag an der Gemeindeversammlung im Dezember platziert werden könne. Ob die IG Schülerlotsen an der Gmeind ihre Unzufriedenheit in politisches Handel ummünzt, lässt sie offen.