Bözen
Zweiräder sind seine Passion: Bruno Fuchs macht seit 25 Jahren Töfflibuebe glücklich

Seit 25 Jahren kümmert sich Bruno Fuchs um Zweiräder aller Art – bloss auf ein Handy hat er bisher verzichtet.

Claudia Meier
Drucken
Teilen
Als Occasion für 300 Franken hatte Bruno Fuchs sein Alpa ML 1962 für die Lehre gekauft. Heute würde er sein Töffli um keinen Preis mehr hergeben. Mario Heller

Als Occasion für 300 Franken hatte Bruno Fuchs sein Alpa ML 1962 für die Lehre gekauft. Heute würde er sein Töffli um keinen Preis mehr hergeben. Mario Heller

Mario Heller

«Ei, ei, ei, ei», sagt Bruno Fuchs, als die Kundin mit ihrem defekten E-Bike sein Ladenlokal in Bözen betritt. Dann ergibt sich das Gespräch wie von selbst. Der 60-Jährige, braun gebrannt und mit krausem Haar, sieht sofort, was zu tun ist und wie er das Zweirad wieder in Schwung bringen kann. Egal ob E-Bike, normale Velos, Mofas oder moderne Highend-Bikes: Fuchs weiss, worauf es ankommt und welches Gefährt zu welchem Kunden passt.

Besonders angetan haben es ihm die alten Töfflis. Mit Leidenschaft macht er aus jedem Schrotthaufen einen flotten Flitzer und erzählt mit strahlenden Augen von einem Ehepaar aus der Region, das mit von ihm aufgepeppten Mofas sowie Anhänger und Zelt nach Mailand und zurückreiste. «Viele Leute wollen heute nicht mehr so schnell unterwegs sein wie früher», stellt Fuchs fest. Sogar aus dem Bündnerland schaute kürzlich ein Kunde vorbei. «Nach einer Stunde Fachsimplen gestand der Mann, dass ihm solche Gespräche allmählich mehr bedeuten als die Ehefrau», erzählt der «Töfflidoktor» und lacht.

Puch Maxi sind besonders begehrt

Bruno Fuchs ist dauernd auf der Suche nach alten Mofas, die irgendwo in einer Scheune oder in einem Keller ein trostloses Dasein fristen. Besonders gefragt sind Puch Maxi, in welchem Zustand auch immer. Routiniert zerlegt er jedes Fahrzeug, restauriert, was noch zu retten ist, und ergänzt die fehlenden Teile mit Eigenanfertigungen oder Ersatzteilen. Aktuell lässt ein Kunde für seine Ehefrau bei ihm ein Hercules-Mofa instand stellen. Frisch lackiert werden die Motorfahrräder jeweils von einem guten Geschäftskollegen in Bubendorf. Kein Kundenwunsch ist zu aufwendig. Das rote Töffli etwa, das mit weissen Punkten versehen wurde, erhielt am Schluss mit einem schwungvollen Schriftzug noch den passenden Namen «Tüpfli».

Ins Berufsleben gestartet ist Fuchs 1973 mit einer Automechanikerlehre. Unterwegs war er jeweils mit dem orangen Mofa Alpa ML 1962, das er damals als Occasion für 300 Franken kaufte. «Zu den besten Zeiten konnte ich damit 90 km/h fahren», erzählt er mit einem Augenzwinkern. Dieses Töffli hat heute für Fuchs einen so grossen emotionalen Wert, dass es zu den unverkäuflichen Ausstellungsstücken im Ladenlokal gehört.

Fuchs Räder Bözen feiert Jubiläum Bruno Fuchs ist Geschäftsführer von Fuchs Räder. Sein Geschäft feiert bald Jubiläum.
10 Bilder
Fuchs Räder Bözen feiert Jubiläum Ein Puch-Motor wird repariert.
Fuchs Räder Bözen feiert Jubiläum Alte Töffli-Motoren warten auf ihre Wiederaufbereitung.
Fuchs Räder Bözen feiert Jubiläum Blick in die Werkstatt
Fuchs Räder Bözen feiert Jubiläum Auch draussen stehen Töffli bereit und warten auf einen neuen Besitzer.
Fuchs Räder Bözen feiert Jubiläum Die Töffli im Ausstellungsraum.
Fuchs Räder Bözen feiert Jubiläum E-Bikes und normale Fahrräder sind ebenfalls hoch im Kurs.
Fuchs Räder Bözen feiert Jubiläum E-Bikes und normale Fahrräder sind ebenfalls hoch im Kurs.
Fuchs Räder Bözen feiert Jubiläum Eine alte Velolampe vom Fahrrad von Herr Fuch's Grossmutter.
Fuchs Räder Bözen feiert Jubiläum Das erste Velo-Nummernschild im Aargau. Es soll laut Herr Fuchs tausend Franken Wert besitzen, da es nirgendwo sonst erhältlich ist.

Fuchs Räder Bözen feiert Jubiläum Bruno Fuchs ist Geschäftsführer von Fuchs Räder. Sein Geschäft feiert bald Jubiläum.

Mario Heller

Zurück zu den Anfängen: Nach der Lehre sammelte Bruno Fuchs Erfahrung in der Chemie und bei Hämmerli-Lastwagen in Hendschiken. Im familiären Umfeld kam er mit speziellen Velos in Kontakt und seinem Bruder, der Maler war, stand er als Gerüstbauer zur Seite. «In den Jahren 1989 und 1990 lief das super. Wir hatten Gerüste für 16 Einfamilienhäuser. Doch dann kam es zum Preiszerfall.» Für Fuchs war sofort klar, dass er sich nicht mehr anstellen lassen wollte.

An erster Ausstellung alles verkauft

Er baute das alte Bauernhaus in Bözen um und eröffnete im April 1992 sein eigenes Zweirad-Geschäft. In der Villiger-Fahrradfabrik hatte Fuchs zuvor während zwei Monaten in Gratisarbeit gelernt, Räder einzuspeichen. Mit Titan-Velos aus Strengelbach führte er seine erste Ausstellung durch. Platz hatte er lediglich für zwölf Fahrräder, die er alle auf Anhieb verkaufen konnte. Es war die Zeit der City- und Country-Bikes, später kamen Mountain- und E-Bikes dazu. Nach der Jahrtausendwende wurden die alten Mofas wieder Mode. Fuchs, der in diesem technischen und handwerklichen Metier richtig aufblühte, investierte laufend in sein Geschäft und vergrösserte es. 2012 baute er die Werkstatt an. Mit den sorgfältig restaurierten Puch Maxi hat er sich mittlerweile in der ganzen Schweiz einen Namen gemacht. Je nach Modell zahlt man um die 3000 Franken für ein Original-Puch. «Dafür gebe ich ein Jahr Garantie», betont Fuchs. Und es sind längst nicht nur die älteren Töfflibuebe, die sich einen solchen Traum erfüllen, sondern auch 14-Jährige. Das Geschäft läuft so gut, dass er die Sparte mit Motorsägen und Rasenmähern aus Zeitgründen aufgeben musste.

Er sucht einen Nachfolger

Ebenfalls im Trend sind Mountain-E-Bikes und leichte Highend-Bikes. Das sei nicht etwa ein Widerspruch, stellt Fuchs klar. Wichtig sei den Kunden zunehmend, verantwortungsvoll zu biken. Damit der Puls nicht ungesund hoch ansteigt, mache bei Mountain-Bikes eine elektronische Unterstützung durchaus Sinn. Unterstützung erhält auch Bruno Fuchs – im administrativen und PC-Bereich von seiner Lebenspartnerin Pia Müller. Zusammen sind sie ein eingespieltes Team, denn der Handwerker bezeichnet sich selbst als Computer-Banause. Auch auf ein Handy kann er gut verzichten. «Das geht mir gegen den Strich», sagt er.

Und wie geht es nach dem 25-Jahr-Jubiläum mit dem Geschäft weiter? Bruno Fuchs sagt dazu: «Meine Freundin geht in zwei Jahren in Pension, ich arbeite vorläufig noch weiter. Ich bin auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger – einem passionierten Zweiradmechaniker.» Nur von den Reparaturen alleine könne man aber nicht leben, es brauche schon Freude und Bereitschaft, auf die Kundenwünsche einzugehen. Im Idealfall hat der Nachfolger auch Spass am Velofahren.

Aktuelle Nachrichten