Bergwerk Herznach
Zwei unbeirrbare Kämpfer gehen in den Untergrund

Stefan Schraner und Geri Hirt haben ein klares Ziel vor Augen. Leidenschaftlich und unkonventionell setzen sie sich dafür ein. Ab dem 3. September um 11 Uhr soll das Bergwerk Herznach öffentlich zugänglich sein. Und das ist erst der Anfang.

Jörg Meier
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Bergwerk Herznach
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Die Bergwerkbahn ist wieder intakt.
Im Bergkwerk Herznach stehen Stefan Schraner (links) und Geri Hirt (rechts) mit den Schaufeln posierend. Sie sind beide im Vorstand des Vereins Eisen und Bergwerk.
Die Bergwerkbahn ist wieder intakt.
Blick auf Herznach von dem Aussenbereich des Silos.
Geri Hirt ist im Vorstand des Vereins Eisen und Bergwerk. Er ist unter anderem zustaendig fuer die Restaurierung des Bergwerks in Herznach.
Übersichtskarte des alten Bergwerks von Herznach.
Aussenaufnahme vom Bergwerk Silo Herznach.
Im Bergkwerk Herznach stehen Stefan Schraner (links) und Geri Hirt (rechts) mit den Schaufeln posierend. Sie sind beide im Vorstand des Vereins Eisen und Bergwerk.
Inschriften von Bergwerk Arbeiter.
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten.
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten.
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten.
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten..
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten.
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten.
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten.
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten.
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten.

Bergwerk Herznach

Mario Heller

Im Stollen ist es dunkel. Stefan Schraner und Geri Hirt stört das wenig. Sie kennen sich hier aus. Ihnen genügt das Licht des Handys. Sicher bewegen sie sich ins Innere des ehemaligen Bergwerkes. Fotograf und Journalist tappen hinterher. Und sind froh, dass sie mit ihren geliehenen Stiefeln nicht im Matsch steckenbleiben und den Anschluss nicht verlieren.

Endlich bleiben die beiden stehen. «Etwa bis hier wird das Bergwerk ab dem 3. September wieder öffentlich zugänglich», sagt Geri Hirt. Der Journalist kann das nicht recht glauben. Dieses dunkle, pflotschige, labyrinthische Loch lässt sich unmöglich bis zum 3. September für die Öffentlichkeit begehbar machen. «Doch», sagt Stefan Schraner. «Am 3. September um 11 Uhr wird Regierungsrat Alex Hürzeler den Stollen eröffnen. Das ist so abgemacht. Also wird der Stollen dann hell sein, gefahrlos und begehbar.» Und wenn Schraner das sagt, dann kann man ihm getrost glauben. Denn Stefan Schraner ist Präsident des Vereins Eisen und Bergwerke (VEB), der sich um das ehemalige Eisenbergwerk in Herznach kümmert. Geri Hirt ist sein Vizepräsident und Organisator des Bergwerkfestes vom 3. und 4. September, das aus Anlass der Stolleneröffnung stattfinden wird.

32 Kilometer Stollen

Dann geht es wieder zurück ans Tageslicht, vorbei an den Arbeitern eines deutschen Unternehmens, welche die Eingangskaverne aus Sicherheitsgründen mit armiertem Beton ausspritzen. «Das sieht nicht schön aus, muss aber leider sein», erklärt Hirt.

Dann führt Vizepräsident Hirt durch das ausgedehnte Gelände des ehemaligen Bergwerks, zeigt das alte Verwaltungsgebäude, den Silo, der früher täglich tausend Tonnen Erz aufnahm und heute als Wohnung und begehrtes Bed and Breakfast dient. Bewohnt wird der Silo von Ueli Hohl, dem das Gelände des Bergwerkes gehört. Die Bergwerkbahn fährt am Wochenende Besucher durch das Areal, ein Museum erzählt die Geschichtete des Erzabbaus und präsentiert eine einzigartige Sammlung von Ammoniten. Das abseits gelegene Areal mit seiner unterirdischen Geschichte übt eine eigenartige Faszination aus.

«Die Fricktaler wissen, dass hier früher ein Bergwerk war. Aber ich stelle immer wieder fest, dass man im übrigen Aargau oft keine Ahnung hat, was hier bis 1967 los war», erklärt Geri Hirt. «32 Kilometer Stollen führen in den Berg, bis zu 1000 Tonnen Material wurden pro Tag gefördert», sagt Geri Hirt. «Das Bergwerk war zwischen 1937 und 1967 der grösste Arbeitgeber im Fricktal.» Und er erzählt, wie wichtig in den Kriegsjahren das Bergwerk für die Versorgung des Landes mit Eisen gewesen sei; wie das Eisenerz von der Schweiz nach Deutschland ins Ruhrgebiet zur Verhüttung geführt wurde und als Stahl wieder zurückkam. Wie es nach den Kriegsjahren zum Niedergang kam. Er erwähnt, dass die Firma von Roll jahrelang die klassischen Dolendeckel aus Herznacher Erz fertigte, bis die Qualität nicht mehr genügte. Was dann schliesslich das definitive Aus des Werkes bedeutete.

Heiraten im Berg?

Mit der Öffnung des Stollens soll erlebbar werden, was es hiess, unter Tag zu arbeiten. 80 Meter Stollenabenteuer sollen es werden bis zum 3. September. Die veranschlagten Kosten belaufen sich inzwischen auf rund 150 000 Franken. Noch hat der Verein das Geld nicht beisammen. Ist das nicht riskant? «Wir wollten nicht jahrelang warten», sagt Stefan Schraner. «Manchmal muss man auch etwas riskieren.» Dann verabschiedet er sich kurzzeitig. Er wird in seinem Metallbau-Betrieb gebraucht, der sich ebenfalls auf dem Bergwerkgelände befindet. «Das passt gut», sagt Geri Hirt, «dass der Präsident ein Macher ist und immer in der Nähe.»

Geld erhofft sich der Verein von Gönnern und Sponsoren, vom Kanton; und auch das Bergwerkfest sollte einen schönen Batzen bringen. Dass die Finanzierung gelingen wird, daran zweifeln weder Hirt noch Schraner. Dabei ist die Stollenöffnung doch erst der Anfang. Geri Hirt trägt eine Broschüre bei sich, die er an diesem Morgen erhalten hat. Sie enthält das Detailkonzept für die weitere Nutzung des Areals. Der Stollen soll noch weiter geöffnet werden, eine Bergwerkbahn ins Innere führen. Ein Werkplatz soll eingerichtet werden, an dem Interessierte arbeiten können. Das Bergwerk soll einerseits als einzigartiges Industriedenkmal im Aargau erlebbar werden, aber auch touristisch attraktiv sein. Geri Hirt hat verschiedenstes Ideen – warum nicht ein Trauzimmer tief drinnen im Berg? Doch zuerst wird nun der Stollen geöffnet. Alles Schritt für Schritt.

Jetzt muss auch Geri Hirt weiter. Schliesslich ist er auch noch OK-Präsident des Bergwerkfestes. Es gebe schon ordentlich viel zu tun im Moment, sagt er, so auf 50 Prozent schätze er sein Pensum für das Bergwerk. Aber irgendwer müsse es ja machen – und er sei dann bei weitem nicht der einzige Chrampfer.

Herznacher Erz wurde ins Ruhrgebiet transportiert

Bei geologischen Untersuchungen stiess man 1919 oberhalb von Herznach in einem Steinbruch auf Eisenoolith. Im gleichen Jahr erteilte der Kanton Aargau der «Studiengesellschaft für die Nutzbarmachung schweizerischer Erdlagerstätten» die Konzession für ein Erzbergwerk bei Herznach. 1920 wurde ein Versuchsstollen angelegt. Weitere Untersuchungen ergaben zwischen Herznach und Wölflinswil einen abbauwürdigen Erzvorrat von rund 30 Millionen Tonnen mit einem Eisengerhalt zwischen 28 und 33 Prozent. 1937 nahm das Bergwerk seinen Betrieb auf. Die jährliche Fördermenge betrug im ersten Jahr 33 329 Tonnen Erz. Weil es in der Schweiz keinen Hochofen gab, wurde das Erz ins deutsche Ruhrgebiet verfrachtet und dort verhüttet.

Eisenerz gegen Stahl

1941 kam es zur Gründung der Jura-Bergwerke AG, die nun das Bergwerk betrieb. Hauptaktionärin war die Ludwig von Roll’schen Eisenwerke AG. Im gleichen Jahr förderten 139 Beschäftigte im Dreischichtbetrieb 211 783 Tonnen Erz. Dies war die grösste Abbaumenge in der Geschichte der Mine.

Anfänglich wurde das Erz auf Lastwagen zum Bahnhof Frick geführt. 1942 konnte der heute noch stehende Betonsilo mit einem Fassungsvermögen von 1000 Tonnen in Betrieb genommen werden. Vom Silo aus führte eine 4,2 Kilometer lange Seilbahn das Erz nach Frick, von dort gelangte es mit der Bahn nach Basel und mit dem Schiff ins Ruhrgebiet.

Für das nach Deutschland gelieferte Erz erhielt die Schweiz Rohstahl und andere dringend benötigte Güter. Somit spielte der Erzexport aus Herznach für die schweizerische Kriegswirtschaft eine wichtige Rolle. Die während des Krieges in der Schweiz geförderte Mengen an Eisen und Kohle deckten gegen 30 Prozent des Inlandbedarfs.

1967 kam das Aus

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Abbau praktisch zum Erliegen. 1946 kümmerten sich noch fünf Arbeiter hauptsächlich um den Unterhalt der Grubenanlagen. Bald setzte der Export nach Deutschland wieder ein; 1955 erreichten 36 Arbeiter mit 56 664 Tonnen die höchste Erzfördermenge der Nachkriegszeit. Doch bald zeigte sich, dass die Transportkosten für den Export des Erzes mit seinem verhältnismässig niederen Eisengehalt zu hoch waren, um das Überleben des Bergwerkes zu garantieren. Auf dem Weltmarkt gab es besseres und billigeres Eisenerz. 1967 stellte die Jura-Bergwerke AG den Betrieb ein. In den 30 Betriebsjahren lieferte das Bergwerk Herznach 1,7 Millionen Tonnen Erz, ein Bruchteil der 30 Millionen, die möglich gewesen wären.

Bergwerkfest im September

Der 2004 gegründete Verein Eisen und Bergwerke (VEB) hat sich unteranderem zum Ziel gesetzt, das ehemalige Eisenbergwerk als bedeutender Industriezeuge der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Er zählt inzwischen rund 200 Mitglieder. Der VEB ist auch Organisator des grossen Bergwerkfestes vom 3. und 4. September in Herznach rund den Eingangsstollen, der auf einer Länge von rund
80 Metern zugänglich wird.

Mehr Informationen zu Verein, Fest und Bergwerk hier.

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