Laufenburg
Zwei Künstler im Gespräch: «Der Zufall ist das schönste Ereignis»

Malerin Nicole Schmölzer traf sich in Laufenburg mit Bildhauer Erwin Rehmann zum Künstlergespräch. Worum es auch ging: Um Gemeinsamkeiten zweier unterschiedlicher künstlerischer Positionen, zumindest was die Arbeitsweise betrifft.

Peter Schütz
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Erwin Rehmann (links) am Künstlergespräch, im Hintergrund von links Museums-Geschäftsführerin Ute Gottschall und Nicole Schmölzer mit Gästen.

Erwin Rehmann (links) am Künstlergespräch, im Hintergrund von links Museums-Geschäftsführerin Ute Gottschall und Nicole Schmölzer mit Gästen.

Peter Schütz

Das Rehmann Museum zeigt bis zum 18. Februar Bilder von Nicole Schmölzer im Dialog mit Skulpturen von Erwin Rehmann. Was hinter den Werken steckt und welche Gemeinsamkeiten sie haben, war am Künstlergespräch am Donnerstag zu erfahren.

Nicole Schmölzers Bilder enthalten weder Figuren noch Gegenstände. Zwar können sie, je nach Sichtweise, verschwommene Landschaften, sich auftürmende Farbwolken und übereinander schwimmende Gebilde aus leisen und lauten Tönen sichtbar machen. Es liegt an den Betrachtern, dies herauszufinden.

Eine kleine Hilfestellung bot das Künstlergespräch mit der Malerin aus Pratteln und dem Hausherrn in kleiner Runde. Worum es auch ging: Um Gemeinsamkeiten zweier unterschiedlicher künstlerischer Positionen, zumindest was die Arbeitsweise betrifft. Während Schmölzer die Farben in mehreren Schichten mit viel Flüssigkeit auf die Leinwand aufträgt und dann alles quasi sich selber überlässt, hat Rehmann während seiner aktiven Zeit in der Giesserei teilweise noch eingegriffen, indem er die Kontrolle über das flüssige Metall übernommen hat.

Dennoch sind im Laufe vieler Jahre handliche Objekte fast nebenbei «unkontrolliert» entstanden. Diese hat er in Kisten gesammelt und erst, als er 95 Jahre alt wurde, wieder hervorgeholt.

Lebendiges Metall

Was ihn daran begeistert hat, war die Lebendigkeit der Metalle, die eigentlich als «vermasst» gesehen werden. Dabei, so Rehmann, geht es um mehr als nur um Masse. Zum Beispiel um das innere Licht des Metalls, das erst beim Aufschneiden zum Vorschein kommt. Oder um die Neugier, was herauskommt, wenn flüssiges Metall auf Wasser trifft, um Überraschung und Spannung. Vor allem aber, so Rehmann, «um die Haltung, die man den Dingen des Lebens gegenüber einnimmt».

Ähnlich war die Beschreibung von Nicole Schmölzer. Ihre aus Tusche und Ölfarbe entstandenen Bilder können während mehrerer Jahre in Arbeit sein, «es ist immer ein Abwägen von wie und wo», erklärte sie. Schmölzer verwendet weder Skizzen noch Studien.

Ihre Bilder bezeichnete sie als Malerei, stellte aber sogleich die Frage, ob sie gemalt sind. Denn eigentlich «wird die Farbe auf eine unpersönliche Art aufgetragen und trocknet langsam ein, Schicht um Schicht». In die Trocknungsvorgänge greife sie kaum ein, sagte sie, vielmehr begleite sie den Prozess des Gestaltens. «Genaue Rezepturen sind da nicht möglich», so Schmölzer.

Gefragt nach einer Aussage in den Bildern, entgegnete sie: «Die Aussage ist das Bild und was es bei jedem Einzelnen erreicht. Man muss sich hineinbegeben, wenn man etwas zurückbekommen will.» Ob sie alles dem Zufall überlasse, wollte ein Gast wissen. Antwort: «Ja, mit einer gewissen Erfahrung. Wenn man mit viel Flüssigkeit arbeitet, weiss man nie, was daraus entsteht.»

Stichwort Zufall: Für Erwin Rehmann «ist er das schönste Ereignis – das ist nicht Beliebigkeit, sondern das, was mir zufällt. Ein Geschenk.»

Rehmann-Museum in Laufenburg

Die Ausstellung «Vom Werden und Sein ... und dem Dazwischen» mit Werken von Nicole Schmölzer und Erwin Rehmann dauert bis 18. Februar 2018. Die Öffnungszeiten: Mittwoch, Donnerstag, Freitag von 11 bis 16 Uhr, Sonntag von 13 bis 16 Uhr.