Verkehr
Zwei Gemeinden, eine Mission: Mit Velostrasse und Mietfahrrädern «ohne Auto mobil sein»

Über eine Velostrasse sollen die Bahnhöfe Stein und Bad Säckingen miteinander verbunden werden. An beiden Stationen stehen Mietfahrräder bereit.

Thomas Wehrli
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Wird an die Velostrasse angebunden: das Novartis-Werk in Stein.

Wird an die Velostrasse angebunden: das Novartis-Werk in Stein.

AZ-Archiv

Es ist ein altes Anliegen der beiden Gemeinden Stein und Bad Säckingen: eine grenzüberschreitende Verbindung zwischen den Bahnhöfen. Zuerst wurde ein Bus über die Fridolinsbrücke geprüft. Die Realisierung scheiterte an den langen Rückstaus in den Stosszeiten; ein Fahrplan könnte so nicht eignehalten werden. Dann wurde ein Bus über die alte, verkehrsfreie Holzbrücke geprüft. Auch dies erwies sich als nicht umsetzbar, da sonst die Fussgänger und Velofahrer gefährdet würden.

Nun haben die beiden Gemeinden eine Lösung gefunden: eine Velostrasse, die vom Bahnhof Stein zum Bahnhof in Bad Säckingen führt. Das Projekt ist Teil der Internationalen Bauausstellung IBA Basel 2020. Diese fördert den Prozess des Zusammenwachsens, «indem sie die Umsetzung von Projekten unterstützt, welche für die Region und ihre Bewohner einen Mehrwert haben», wie es in einer Mitteilung der IBA Basel heisst. Ein Motto der IBA Basel lautet zudem: «Gemeinsam über Grenzen wachsen.» Damit liegt die Realisierung einer grenzüberschreitenden Veloverbindung nahe.

Für die Realisierung des Schweizer Teils beantragt der Gemeinderat an der Gemeindeversammlung im Dezember einen Kredit über 350'000 Franken. Letztlich dürften die Kosten für Stein jedoch deutlich tiefer liegen, denn das Projekt haben die Verantwortlichen bei Interreg angemeldet. Beantragt sind Beiträge in der Höhe von umgerechnet gut 100'000 Franken. «Dies entspricht 30 Prozent an die beitragsberechtigten Kosten», heisst es in der Botschaft an die Stimmberechtigten.

Novartis eingebunden

Die Route ist so gewählt, dass die grösste Arbeitgeberin in Stein, Novartis, in das Streckennetz eingebunden wird. Dies mit gutem Grund: Die Velostrasse soll nicht nur Touristen von Stein nach Säckingen und zurück bringen, sondern sie soll auch Pendler dazu bewegen, das Auto zu Hause zu lassen und stattdessen mit dem öffentlichen Verkehr zur Arbeit zu gehen.

Damit dies gelingen kann, braucht es an den beiden Bahnhöfen ein Fahrradleihsystem. Die Gemeinden haben dazu eine Machbarkeitsstudie durchgeführt und mit verschiedenen Anbietern Gespräche geführt. Und siehe da: «Ein Unternehmen hat sich bereit erklärt, das Verleihsystem bereits auf Stufe Pilotprojekt in Eigenregie und somit auf eigene Kosten zu betreiben», heisst es in der Botschaft an die Stimmberechtigten. Vorgesehen sind E-Bikes. Diese sind für beide Zielgruppen – Pendler und Touristen – attraktiv. Denn zum einen kommt man schnell vorwärts, zum anderen kommt man – gerade im Hochsommer – nicht schon verschwitzt am Arbeitsplatz an.

Die Streckenführung erfolgt auf Schweizer Seite vom Bahnhof über den Friedhofweg, die Schulstrasse, die Rheinbrückstrasse und die Schönaustrasse. Dadurch ist der Anschluss von Novartis an die Velostrasse gewährleistet.

Gekennzeichnet ist die Velostrasse am Beginn und an den Kreuzungen mit grossen, gelben Velosymbolen als Markierung auf der Strasse. Die wichtigste Regel : «Velofahrende haben, wie Autofahrende auch, auf der Velostrasse Vortritt gegenüber einmündenden Strassen», hält die Botschaft fest. Mit anderen Worten: Die «Rechts vor Links»-Regel gilt entlang der Velostrasse nicht. Dies ermöglicht «ein zügiges Vorwärtskommen ohne ‹Stop-and-Go›», heisst es in der Botschaft. Auch dies hilft, das Velo für Pendler als Verkehrsmittel attraktiver zu machen.

Die Erwartungen, welche die beiden Gemeinden in die Velostrasse setzen, sind hoch. «Die Zweiradverbindung ist ein entscheidender Schritt, damit vor allem Pendler und Touristen in der Region ohne Auto mobil sein können und stattdessen den öV nutzen», wird Alexander Guhl, Bürgermeister von Bad Säckingen, in einer Medienmitteilung zitiert. Und Beat Käser, Gemeindeammann von Stein, sagt: «Durch das zu erwartende Wachstum auf dem Sisslerfeld-Areal sind wir als Standortgemeinde gefordert, nach gemeinsamen nachhaltigen Lösungen mit der Stadt Bad Säckingen zu suchen, um dem Verkehrs- und Emissionsproblem zu begegnen. Die Zweiradverbindung bietet einen guten ersten Schritt.»

Infoveranstaltung zum Projekt

Mittwoch, 28. November, 18.30 Uhr, Schloss Schönau, Bad Säckingen.