Möhlin/Rheinfelden

Zwei Brüder, zwei Förster: Die Äpfel fielen nicht weit vom Stamm

Die Brüder Kurt (links) und Urs Steck verbindet die Liebe zur Natur und zum Wald – sie wurde ihnen in die Wiege gelegt.

Die Brüder Kurt (links) und Urs Steck verbindet die Liebe zur Natur und zum Wald – sie wurde ihnen in die Wiege gelegt.

Die Gebrüder Steck kümmern sich als Förster um die Wälder. Kurt Steck in Rheinfelden, Urs Steck in Möhlin. Dass beide Brüder sich für einen Beruf im Forst entschieden haben, ist kein Zufall. Denn Der Beruf wurde ihnen in die Wiege gelegt.

Mit Kurt Steck hat Rheinfelden seit dem 1. Januar einen neuen Stadtoberförster. Den Möhlinern wird sein Nachname bekannt vorkommen, denn Kurt Steck ist der ältere Bruder von Urs Steck, Revierförster und Leiter der Abteilung Wald und Landschaft Möhlin. Dass beide Brüder sich für einen Beruf im Forst entschieden haben, ist kein Zufall.

«Wer von Ihnen kann schneller einen Baum fällen?» Die Brüder schauen sich fragend an. Dann grinst der 48-jährige Urs Steck, der jüngere der beiden, seinen älteren Bruder an und antwortet: «Bei meinem Bruder fallen die Bäume nie auf die Seite, die er vorgesehen hatte.»

Kurt Steck, 51-jährig, richtet seine Brille und lächelt: «Ich helfe dann meistens das Holz aufzuladen und zu verräumen. Ich habe aber auch seit bald 30 Jahren keinen grösseren Baum mehr gefällt.» Die beiden Brüder sitzen im Sitzungsraum des Forstwerkhofes in Rheinfelden.

Der Geruch von Holz liegt in der Luft. Ein paar Meter weiter draussen liegt der Forst unter einer dünnen Schneeregendecke.

Unterschiedliche Wege

Der Beruf wurde ihnen in die Wiege gelegt. Sie sind die dritte Generation der Familie Steck, die sich für eine Berufslaufbahn als Forstwart respektive Forstingenieur entschieden hat. Ihr Grossvater war Staatsbannwart in Kölliken und arbeitete nebenamtlich als Förster.

Als Jörg Steck, der Vater der beiden Brüder, ins Fricktal zog, arbeitete er zuerst acht Jahre lang als Förster in Mumpf, bis er 1971 den Posten als Leiter der Forstverwaltung Möhlin antrat.

Kurt Steck schlug den akademischen Weg ein, während Urs Steck die praktisch-orientierte Karriere bevorzugte. «Für mich kam nie ein anderer Beruf infrage. Ich wollte draussen in der Natur arbeiten. Ich habe mich auch sehr früh für diesen Weg entschieden», sagt Urs Steck.

Mit 16 Jahren fing er die Ausbildung zum Forstwart in Zuzgen an. 1988 folgte die Weiterbildung an der Interkantonalen Försterschule in Lyss. Danach war er kurz im Appenzell tätig, wo er die Stellvertretung für einen Revierförster übernahm.

Und anschliessend zog es Urs Steck ins Forstrevier Dorneckberg-Süd im Kanton Solothurn, bevor er 2000 die Stelle seines Vaters in Möhlin übernahm.

Im Akkord Bäume gefällt

Einige Jahre arbeitete er als professioneller Holzfäller. Er gehört noch zu der Generation, die im Akkord gearbeitet hat. Das heisst: je mehr Leistung, desto mehr Lohn. «Es ist gefährlich und körperlich anstrengend. Einige Forstwarte in Möhlin haben in jungen Jahren ebenfalls so gearbeitet. Das macht sie heute noch konkurrenzfähig», erklärt Urs Steck.

«Ich selber habe vor allem während der Gymnasiumszeit und meinem Studium öfters einige Wochen im Wald gearbeitet, um etwas Geld zu verdienen. Da habe ich auch den einen oder anderen Baum gefällt», erläutert Kurt Steck.

Der diplomierte Forstingenieur hatte im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder mehr Zeit, einen Beruf auszuwählen, zumal er sich damals vorerst für die schulische Laufbahn entschloss. Naturwissenschaft, aber auch Geschichte interessierten Kurt Steck sehr.

Schlussendlich entschied er sich, Forstingenieur zu werden, weil «dieser Beruf sehr vielseitig ist. Er beinhaltet biologische, ökologische und technische, aber auch wirtschaftliche und rechtliche Aspekte. Und Geschichte kommt dabei auch nicht zu kurz, denn der Wald erzählt ein Stück Geschichte», so Kurt Steck.

Seit dem 1. Januar ist Kurt Steck Stadtoberförster in Rheinfelden. Seine Ausbildung absolvierte er über ein Studium an der ETH Zürich, das er 1987 als diplomierter Forstingenieur abschloss. Danach folgte das Nachdiplomstudium in technischer Betriebswissenschaft.

Anschliessend arbeitete er als freiwerbender Forstingenieur. Nach einer Projektanstellung am Lehrstuhl für Betriebswissenschaft an der ETH Zürich, trat er im November 1991 als Adjunkt in den kantonalen Forstdienst des Kantons Aargau.

Im Jahr 1995 wurde er Kreisförster im Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kanton Aargau und leitete das kantonale Kreisforstamt 1 Jura-Fricktal. Unter anderem war er für die Entwicklung der Waldungen im Unteren Fricktal zuständig.

Kurt Steck hatte somit auch die Aufsicht über die Arbeit seines Vaters und seines Bruders. «Dies kommt mir als Stadtoberförster zu Gute. Ich kenne das Revier», erklärt Kurt Steck.

Näher am Puls des Waldes

Nun steht er seinem jüngeren Bruder als Berufskollege gegenüber. «In der Forsthierarchie bin ich vielleicht eine Stufe abgestiegen, dafür bin ich aber näher am Puls des Waldes und übe als Forstbetriebsleiter eine andere, aber ebenso spannende Funktion aus, wie als Kreisförster», erklärt Kurt Steck.

Nichtsdestotrotz wird er auch jetzt nicht viel im Wald unterwegs sein, denn seine Arbeit liegt auf der normativen Stufe. Die operativen Leiter im Rheinfelder Forst sind Bruno Staudacher und Urs Schaub.

Mittlerweile laufen die Brüder Steck durch den Wald nahe dem Forstwerkhof in Rheinfelden. Kurt Steck geht zielstrebig auf eine alte Eiche zu. Urs Steck folgt ihm sicher und bedacht durch das Unterholz. Er bewegt sich gerne in der Natur. Das sieht man ihm an.

«Förster sein, ist mein Traumberuf. Meine Leidenschaft, der ich mit sehr viel Herzblut nachgehe», erläutert Urs Steck. Er schätzt an seinem Beruf nicht nur die Nähe zur Natur, sondern auch das konstante Arbeitsvolumen.

«Wir haben das ganze Jahr über immer etwas zu tun, aber keinen Termindruck», erklärt Urs Steck. In seiner Funktion ist er nicht nur für die Holzproduktion und den Schnitzelbetrieb zuständig, sondern auch für die Natur- und Landschaftspflege.

Kein weiterer Forstnachwuchs

«Es hat viele Vorteile, wenn man aus der gleichen Branche kommt. Wir können uns bei Arbeitsfragen austauschen und gegenseitig beraten», so Urs Steck. «Sogar bei Familienfesten wird gefachsimpelt. Unsere Frauen ärgern sich manchmal richtig, wenn am Tisch nur noch über Arbeit gesprochen wird», lacht Kurt Steck.

Die Zeichen für Forstnachwuchs aus der Familie Steck stehen trotz langer Familientradition schlecht. Denn die Kinder wollen nicht den gleichen Weg wie die Väter einschlagen. «Wir hegen aber noch die Hoffnung, dass mein Jüngster vielleicht doch Förster wird. Er hat sich noch nicht für einen Beruf entschieden. Aber auch bei ihm scheint die Chance gering zu sein», lacht Kurt Steck.

Erbe für künftige Generationen

Die Möhliner und Rheinfelder Forstarbeiter ernten den Ertrag früherer Forstjahrgänge und säen selbst, was spätere Generationen dann einmal ernten werden. Ob sich all ihre Eingriffe langfristig auszahlen, ist schwer abzuschätzen.

Kurt Steck fährt mit der Handfläche über die Rinde der alten Eiche und nickt zustimmend. «Ich hoffe deshalb, dass ich die nächsten 14 Jahre in Rheinfelden bleiben darf und den Wald nachhaltig verwalten kann. Ich möchte am Ende meiner Berufszeit mit dem Gefühl zurückblicken, ein gutes Erbe hinterlassen zu haben.»

Und sein Bruder sagt: «Ich kümmere mich um den Möhliner Wald, als ob er mein eigenes Hab und Gut wäre. Ich hoffe diese Arbeit wird sich auszahlen.»

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