Herznach
«Zurück in den Stollen» – Ab September sollen die Stollen für Besucher zugänglich sein

Das Projekt «Zurück in den Stollen» nimmt Fahrt auf – die Eröffnung ist im Herbst. Die Besucher sollen so einen Eindruck davon erhalten, wie im weitverzweigten Stollennetz zwischen 1937 und 1967 Erz abgebaut wurde.

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Zurück in den Stollen

Zurück in den Stollen

Thomas Wehrli
In Fahrt: Präsident Stefan Schraner (links) und Vizepräsident Geri Hirt zieht es «zurück in den Stollen».

In Fahrt: Präsident Stefan Schraner (links) und Vizepräsident Geri Hirt zieht es «zurück in den Stollen».

Thomas Wehrli

Es geht vorwärts beim Projekt «Zurück in den Stollen»: «Wir wollen den Hauptstollen auf einer Länge von rund 80 Metern für Besucher zugänglich machen», erklärt Stefan Schraner, der den Verein Eisen und Bergwerke (VEB) seit knapp einem Jahr präsidiert. Der Plan, den der Vorstand dafür geschmiedet hat, ist ambitioniert: «Am 3. September muss der Stollen um 11 Uhr bereit sein», sagt Vizepräsident Geri Hirt, denn an diesem Tag eröffnet Regierungsrat Alex Hürzeler das vierte Bergwerkfest.
Schraner ist sich bewusst: «Das ist ein sehr sportliches Programm.» Erste Vorarbeiten hat der Vorstand denn auch bereits vor der Generalversammlung vergeben, die diesen Donnerstag stattfindet und die nötigen Kompetenzen und Kredite sprechen soll. «Die Kernbohrungen mussten aufgrund der zeitlichen Verfügbarkeit des Unternehmens bereits ausgeführt werden«, sagt Schraner. Die drei Kernbohrungen sind nötig, um die Mächtigkeit der Fels- und Geisteinsformationen der Stollendecke festzustellen und so die nötigen Stützmassnahmen zu definieren. «Die Sicherheit hat oberste Priorität», so Schraner.
Bereits jetzt ist klar: Die Kaverne beim Eingang ist derart mächtig, dass sie mit armiertem Beton ausgespritzt werden muss. Den eigentlichen Stollen will der Verein mit Holzverstärkungen und Felsverankerungen sichern, «sodass sich ein historisches Bild ergibt», sagt Hirt.
Bis zu 140 Arbeiter im Stollen
Die Besucher sollen so einen Eindruck davon erhalten, wie im weitverzweigten Stollennetz zwischen 1937 und 1967 Erz abgebaut wurde. Bis zu 140 Arbeiter arbeiteten hier unter Tage im Dreischichtbetrieb. Im Rekordjahr, 1941, förderten sie 211 783 Tonnen Erz zutage; der gesamte Erzvorrat wurde auf 23 Millionen Tonnen geschätzt.
In den ersten Jahren wurde das Eisenerz per Lastwagen zum Bahnverlad nach Frick gebracht, ab 1942 verband eine 4,2 Kilometer lange Seilbahn das Bergwerk in Herznach mit der Bahnverladestation in Frick. «Mit den 120 Seilbahnwagen konnten täglich 600 bis 700 Tonnen Erz befördert werden», schreibt Historiker Linus Hüsser in einem lesenswerten Beitrag in der Zeitschrift «Minaria Helvetica». 1967 wurde der Betrieb in Herznach, dem dannzumal noch letzten schweizerischen Erzbergwerk, eingestellt. Der Abbau lohnte sich nicht mehr.
Lohnenswert dagegen wird der Blick in den Stollen sein, den der VEB ab September bieten will. Die Besucher sollen spüren, was es hiess, Erz abzubauen, sollen «Bergwerksluft schnuppern», so Hirt.
Bei den 80 Metern Bergwerksluft soll es dabei nicht bleiben, geht es nach den Plänen des Vorstandes. «Wir wollen den Stollen in den nächsten Jahren weiter öffnen», sagt Schraner. Dereinst soll auch die Bergwerkbahn in den Stollen fahren und ein Werkplatz eingerichtet werden, an dem sich Kinder hämmernd austoben können. «Wichtig ist, den Besuchern etwas zu bieten», weiss Hirt. «Nur so kommen sie wieder und machen Reklame für uns.»
Das ist Zukunftsmusik. Vorerst geht es darum, den 80-Meter-Lauf ins Ziel zu bringen. Das heisst: das Projekt zu finanzieren. Insgesamt beziffert der Verein die Kosten für Kernbohrungen, Gesteinsanalysen und Ausarbeitung des Bauprojektes auf rund 40 000 Franken.
Die Bauarbeiten selber schlagen mit rund 100 000 Franken zu Buche. Finanzieren will der Verein das Projekt zum einen über Spenden und Sponsoren. «Wenn die Leute sehen, dass es vorwärtsgeht, sind sie auch bereit, Geld zu geben», ist Hirt überzeugt. Zum anderen rechnet Schraner mit einem «namhaften Beitrag» aus dem Swisslos-Fonds. Damit es ab dem 3. September heisst: vorwärts in den Stollen.