Eingeladen zur Veranstaltung «Die Spitalregion Fricktal. Entwicklung und Herausforderungen im Gesundheitswesen der Region» hatte der Verein Dorf Plus. Unter Moderation von dessen Präsident Peter Bircher diskutierten Kurt Jakober, Verwaltungsratspräsident des Gesundheitszentrums Fricktal (GZF), und Rok Dolanc, Leitender Arzt Chirurgie im Spital Laufenburg. Einig waren sich beide: Dreh- und Angelpunkt der aktuellen gesundheitspolitischen Debatte muss der Mensch sein – der Patient vor allem, aber auch der Spital-Mitarbeiter, ob ärztlich oder pflegerisch.

Bürokratie bindet Ressourcen

Dolanc berichtete vom nachlassenden Interesse deutscher Ärzte an einer Arbeit in der Schweiz. Ausländische Bewerber füllten die Lücke, aber diese hätten kaum deutsche Sprachkenntnisse. Jakober untermauerte mit Zahlen. Rund die Hälfte aller GZF-Mitarbeiter stammt demnach aus dem Ausland, verteilt auf 27 Nationen. «Deshalb ist für uns die Masseneinwanderungsinitiative auch eine Katastrophe.»

Jakober weiter: «Die Spitäler können sparen, aber die Vorstellung einer Nullrunde im Gesundheitswesen ist eine Illusion.» Gemäss dem VR-Präsidenten wäre schon viel erreicht, würden die Häuser von der Bürokratie entlastet, die grosse Ressourcen binde.

Aber vor allem müssten die Patienten umdenken, ihr Verhalten und ihre Ansprüche überdenken. Denn anstatt einen Hausarzt zu konsultieren, gingen immer mehr direkt ins Spital – sei es auch nur wegen einer Bagatelle. Lässt sich ein Patient damit im Spital behandeln, kostet das Jakober zufolge im Vergleich zum Hausarzt viel mehr – der teureren Infrastruktur und der 24-Stunden-Einsatzbereitschaft wegen. Dolanc ergänzte: «Die steigenden Zahlen der Notfallambulanz am GZF haben auch mit der steigenden Zahl von Migranten zu tun. Diese besuchen häufig Notfallzentren, weil sie das Hausarztmodell gar nicht kennen.» Aber auch Bequemlichkeit sei daran schuld, gerade junger Menschen, die immer weniger überhaupt noch einen Hausarzt haben.

Eine Chance für Ärzte

Dennoch sahen beide Diskussionsteilnehmer auch neue Chancen. Neu aufgestellt könne es für Mediziner interessant sein, welche die Selbstständigkeit in einer eigenen Praxis dem Job in einem Spital mit Stress, Hektik und Überstunden vorziehen. Jakober betonte auch die steigenden Patientenzahlen im Fachärztehaus Frick und das wachsende Angebot an Sprechstunden dort. Und wo immer ein niedergelassener Arzt in Rente gehe, versuche das GZF die Praxis zu übernehmen – so geschehen in Rheinfelden und Gipf-Oberfrick.

Einig waren sich alle auf dem Podium: Betriebswirtschaftliches Denken im Gesundheitswesen muss weiter Einzug halten. Aber darunter dürfen weder der Patient noch die medizinischen Standards leiden.