Fricktal
Zukunftsmusik wird bei den heimischen Guggen in Moll gespielt

Die Guggen-Vereine kämpfen um ihren Nachwuchs — doch nur wenige sind zuversichtlich.

Marco Sartori
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Jährlich schminken sich ein paar Fasnächtler weniger. Bei den Guggen fehlt der Nachwuchs. Dieses Problem kennen auch die Laufenburger Barocker. Alex Spichale

Jährlich schminken sich ein paar Fasnächtler weniger. Bei den Guggen fehlt der Nachwuchs. Dieses Problem kennen auch die Laufenburger Barocker. Alex Spichale

Alex Spichale

Die Fricktaler Guggen-Welt hat schon bessere Zeiten gesehen — zumindest, was deren Nachwuchs anbelangt. Ein Beispiel ist die Laufenburger Traditions-Gugge Schlossberghüüler. Sie spielt aus diesem Grund nun ihre letzte Saison.

Ihre Mitgliederzahl ist soweit gesunken, dass sie das musikalische Niveau nicht mehr halten könnte. Deshalb beschloss die Gugge, sich aufzulösen. Die Tendenz zu kleineren Guggen und die Gründe dafür lassen sich jedoch nicht pauschalisieren.

«Unsere Mitglieder werden immer älter, verlassen uns und wir finden keine neuen mehr. Besonders solche, die sich mit Leib und Seele für einen Verein einsetzen, sind sehr rar gesät», sagt Patrick Forster, Präsident der Magdener Bierschnägge. Gesucht werden vor allem die Jugendlichen im Alter von 16 bis 20 Jahren.

Auch die Präsidentin der Laufenburger Barocker, Fadrina Gertiser, weiss, wie schwierig es ist, diese «wichtige Generation» ins Boot zu holen: «Sie ziehen das Zuschauen dem Auftreten vor oder haben bereits zu viele andere Hobbys.»

Der Jugend die Angst nehmen

Stefan Kretz, Präsident der Kaistener Prototype, setzt bei der Scheu vor den Pflichten an und sagt: «Man muss den Jungen die Erwartungen des Vereins klar kommunizieren. Man darf dabei aber nicht vergessen, die vielen Gegenleistungen zu erwähnen, und sollte immer ein beispielhaftes Vereinsleben vormachen.» Eine Methode, um den Verein vorzustellen, ist eine sogenannte Neumitgliederveranstaltung zu organisieren. Nicht nur die Kaistener greifen auf diese Option zurück.

Jedoch sind nicht alle mit den Ergebnissen zufrieden. «Verglichen mit dem Aufwand sind die Erfolgsaussichten zu gering», sagt beispielsweise Fadrina Gertiser. Sie veranstaltet keine solchen Anlässe mehr. «Auch Flyer und Emails bringen nichts. Am besten bewährt hat sich für uns, die Leute direkt anzusprechen und zu einer Probe einzuladen.»

Die Laufenburger Gugge geht noch einen Schritt weiter und arbeitet mit der Musikschule Laufenburg zusammen, wo es laut Gertiser immer wieder Jungtalente zu entdecken gibt.

Von den Befragten Vereinen können einzig die Ryburger Gugger aus Möhlin nicht über Nachwuchsprobleme klagen. Deren musikalischer Leiter Florian Streiter sagt aber: «Wir hatten auch schon schwache Jahre. Irgendwann ging es jedoch wieder bergauf.» Die Ryburger haben es mit Flyern geschafft, allein im vergangenen Jahr fünf neue Vereinsmitglieder anzuwerben.

Alle fünf Neulinge konnten beim Eintritt in die Gugge kein Instrument spielen und lernen es nun im Verein. In zwei Jahren werden sie dann ihren ersten Einsatz haben. «Das Unterrichten ist klar ein Mehraufwand für uns, den wir aber bewusst in Kauf nehmen», sagt Streiter.

«Und wie sich zeigt, lohnt es sich auch.» Unterricht bieten zwar auch andere Vereine an, deren Zahl sinkt aber permanent. Warum das Ryburger Erfolgsrezept bei anderen nicht aufgeht, kann sich Streiter nicht erklären. Sein Beispiel könnte die anderen allerdings zuversichtlich stimmen.

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