Rheinfelden
Zufriedenheit trotz viel Arbeit – Rheinfeldens Stadträtin Béa Bieber ist stark engagiert

Die Rheinfelder GLP-Stadträtin Béa Bieber ist stark engagiert. «Mein Engagement macht mich zufrieden. Und aus dieser Zufriedenheit ziehe ich wiederum die Energie, um weiterzumachen», sagt sie. Ein Einblick in ihr Leben.

Janine Müller
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Béa Bieber an einem ihrer Lieblingsplätze am Ufer des Rheins in Rheinfelden. Hier kommt auch sie mal zur Ruhe. Chris Iseli

Béa Bieber an einem ihrer Lieblingsplätze am Ufer des Rheins in Rheinfelden. Hier kommt auch sie mal zur Ruhe. Chris Iseli

Die Sonnenstrahlen glitzern auf den Wellen des Rheins. Zwei Schwäne ziehen gemächlich ihre Runden; im seichten Wasser spielen Kinder. Ferienstimmung. Auch für Béa Bieber. Wenn auch nur für die Zeit des Gesprächs mit der Zeitung.

Sie mag diesen Ort am Rheinufer beim Stadtpark. Kommt oft zwischen Sitzungen mal hierher und entspannt sich. Eine halbe Stunde hier und sie sei gleich viel erholter, sagt sie, nimmt das Handy hervor und knipst ein Foto von den Schwänen.

Häufig kommt die Stadträtin nicht zum Entspannen. Denn nebst ihrem politischen Amt arbeitet sie halbtags an der Uni Basel als Geschäftsleiterin der Stiftung für studentische Dienstleistungen. Dazu kommen ihre unzähligen Ämter, Präsidien und ehrenamtliche Engagements. Roland Agustoni, Präsident der GLP Rheinfelden, beschreibt die Politikerin als «sehr gewissenhaft und hartnäckig». Eine, die sich «den Menschen verpflichtet fühlt».

In der Tat: Dort, wo sich Béa Bieber engagiert, kommt dies den Menschen zugute. Sie ist eine Macherin. Das nehmen die Medien gerne auf. Es gibt darum Menschen, die der 54-Jährigen Selbstdarstellungsdrang vorwerfen oder zu ihr sagen «ich kenne Sie doch aus der Zeitung».

Sie kann mit diesen Anmerkungen umgehen, erträgt auch die Schnitzelbänke an der Fasnacht. Béa Bieber entgegnet ihren Kritikern dann: «Wer viel macht, ist halt präsent.» Für sie ist damit das Thema durch.

Man hat das Gefühl, dass der Stress an dieser Frau mit dem frechen Kurzhaarschnitt abprallt. Ein Eindruck, den Agustoni teilt. «Béa Bieber kann sehr gut mit Stress umgehen. Das heisst aber nicht, dass die Themen, die Stress auslösen können, sie nicht beschäftigen.»

So geschäftig Béa Bieber ist; auch sie braucht ihre Auszeiten. «Gehe ich in die Ferien, dann schalte ich das Handy aus. E-Mails lese ich auch nicht», sagt sie. Darum besorgt, dass sie ab und an einen Gang zurück schaltet, ist ihr Partner, der seit 14 Jahren an der Seite von Béa Bieber ist. Einer, der es aushalten muss, dass seine Lebenspartnerin stark eingespannt ist und selten mal zu Hause ist und nichts zu tun hat. Klar gebe es «strube Zeiten», in denen die Partnerschaft zu kurz kommt. Doch auf seine Unterstützung kann sie zählen. Und er hat Béa Bieber gar nie anders gekannt. «Es ist klar, dass nur ein Partner infrage kommt, der mein Engagement auch akzeptiert», sagt Béa Bieber.

Die Energiequellen dieser Frau scheinen unerschöpflich zu sein. Das hat einen Grund: «Das, was ich tue, mache ich gerne, darum kann ich auch viel Energie reinstecken», erklärt sie. «Mein Engagement macht mich zufrieden. Und aus dieser Zufriedenheit ziehe ich wiederum die Energie, um weiterzumachen.»

Der Vater als Vorbild

Die Freude für das soziale Engagement hat ihr der Vater mit auf den Weg gegeben. Der ehemalige Pfadfinder und Zünftler hat seinen Kindern vorgelebt, dass, wenn man anderen gibt, auch etwas zurückbekommt. «Er hat uns gezeigt, dass wir ein privilegiertes Leben führen», sagt Béa Bieber. Das hat sie verinnerlicht. Und auch der Grundsatz ihres Vaters – «Verlange nie so viel von den anderen, wie du selber nicht auch geben würdest» – hat sie durch ihr bisheriges Leben begleitet. Béa Bieber hat sich das auch angeeignet, war später begeisterte Pfadileiterin in Zürich, dem Ort ihrer Geburt und Kindheit.

1986 wird sie Ortsbürgerin von Rheinfelden. Im selben Jahr, in dem ihre Tochter Deborah auf die Welt kommt. 1987 folgt ihr zweites Kind; Sohn Kevin. Elf Jahre später folgt die Scheidung von ihrem damaligen Mann – ein Jahr nach ihrer Wahl zur Stadträtin 1997. Plötzlich ist Béa Bieber auf sich alleine gestellt, ist alleinerziehende Mutter und Stadträtin. Was folgt, ist eine logistische Meisterleistung und ein Höchstmass an Organisation. «Ohne Nachbarn und Grosseltern wäre es nicht gegangen», erinnert sie sich. Sie selber hat versucht, Kommissionssitzungen so zu schieben, dass es zeitlich passte. Heisst: Zuerst das Nachtessen mit den Kindern, dann diese ins Bett bringen. Anschliessend folgte die Sitzung. Heute sagt sie, dass genau diese Herausforderung sie aus der Situation mit Scheidung und Kindererziehung gerettet hatte. «Ich hatte ständig etwas zu tun, musste schauen, dass ich jeden Tag gut gekleidet war. Schliesslich musste ich eine Stadt repräsentieren», sagt Béa Bieber.

Das Leben im Jetzt

Dass es Zeiten gibt, in denen das Amt als Stadträtin und all die Engagements in den Hintergrund rücken, musste sie vor fünf Jahren erfahren. Ein schlimmer Unfall in der Familie, der ihr Leben auf den Kopf stellte. Details will sie nicht preisgeben. Ein Tattoo auf der Innenseite ihres linken Handgelenks erinnert sie an diese Zeit. In feiner schwarzer Schrift liess sie sich den Spruch «force par foie – Kraft durch Glaube» eintätowieren. «Ich habe immer an diesen Menschen geglaubt. Und er hat es geschafft», erklärt sie den Spruch. Unter dem Schriftzug ergänzen Zahlen das Tattoo. Koordinaten eines Sterns im Weltall, den die Familie Béa Biebers Vater auf den 90. Geburtstag schenkte.

Der Schicksalsschlag wirkt sich bis heute aus. «Ich lebe noch mehr im Jetzt. Das Leben findet heute statt. Nicht morgen oder gestern», sagt sie. Umso mehr geniesst sie jeden Moment im Alltag. Wenn sie mit den Menschen, mit denen sie zusammenarbeitet, wieder etwas erreicht. Und sie hofft, dass sie mit ihrem Engagement für andere ein Vorbild ist. «Es wäre schön, wenn die Menschen nicht immer nur von Ideen oder Änderungsvorschlägen sprechen, sondern sie auch umsetzen würden», sagt Béa Bieber. «Ich wünsche mir, dass Menschen jeden Alters weniger sagen ‹man müsste›, sondern selber anpacken und etwas nachhaltig verändern.»

Mittlerweile sind am Rhein ein paar Wolken aufgezogen. Und Béa Bieber muss weiter. Eine Sitzung ruft. Sie schwingt sich aufs Velo, rückt die Sonnenbrille zurecht und radelt los.

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