Urs Ipser, Obmann der Jagdgesellschaft Stutz, ist enttäuscht und verärgert zugleich. In den letzten acht Jahren kümmert er sich mit seinen Jagdkollegen darum, im Revier Wil den Wildtierbestand zu regulieren und den Schaden durch Schwarzkittel auf den Feldern der Bauern in Grenzen zu halten. Die Jagdgesellschaft Stutz würde dies gern auch weiterhin tun und hat sich deswegen für die nächste Jagdperiode – 179 Aargauer Jagdreviere werden von 2019 bis 2026 neu verpachtet – erneut für das Revier beworben. Wie Radio SRF berichtet hat der Kanton jedoch entschieden, der Jagdgesellschaft das Revier nicht mehr zur Verfügung zu stellen.

Bereits Anfang Oktober wurde publik, dass zwei abgelehnte Jagdgesellschaften zu wenig Wildschweine und Rehe erlegt haben und daher die Abmachung mit den Förstern nicht erfüllt hätten. So hat der Kanton das Wiler Revier nochmals öffentlich ausgeschrieben, weil «keine geeignete Bewerbung» eingegangen sei, wie es auf der Website des Kantons der Abteilung Jagd & Fischerei heisst.

«Wir können nicht alle 24 Stunden auf die Jagd gehen»

«Diese Entscheidung verstehe ich nicht. Wir haben in diesem Jahr bis dato so viele Wildschweine wie noch nie abgeschossen», sagt Ipser. 40 seien es bisher gewesen. Laut kantonaler Statistik hat die Jagdgesellschaft Stutz damit die Abschussquote im Vergleich mit 2017, dort waren es 19 Abschüsse, um mehr als das Doppelte gesteigert. Mit Blick auf 2016 mit elf Schwarzkittel-Abschüssen konnte sie sich gar heuer um den Faktor 4 steigern.

Man habe in den letzten Jahren immer versucht, das Möglichste zu tun. «Wir können halt nicht alle 24 Stunden auf die Jagd gehen. Viele der Jäger sind berufstätig», beschwert sich Ipser, der selbst zwei bis drei Mal die Woche für rund drei Stunden auf der Lauer liegt.

Alain Morier, Leiter der Abteilung Wald des Kantons, will sich zur Begründung der Neuaschreibung des Reviers nicht äussern. Er verweist jedoch darauf, dass die Wildschäden eines Revieres ausschlaggebend sind. «Diese sollten 250 Franken pro erlegtem Wildschwein nicht überschreiten.» Massgebend für eine Beurteilung des Erfolges einer Jagdgesellschaft sei «die gesamte Pachtperiode von acht Jahren».

Ein Blick in die kantonale Jagdstatistik der letzten zwei Jahre zeigt, dass die Vorgabe von 250 Franken pro erlegtem Wildschwein im Wiler Revier klar überschritten wurde: Im Jahr 2017 lag sie bei 430 Franken, im Jahr 2016 gar bei 629 Franken. «Die Schwarzkittel-Population hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Wir haben eine etwas andere Meinung hinsichtlich der Vorgaben», sagt Ipser.

Dass der Kanton einer Jagdgesellschaft das Revier wegnimmt, sei eher die Ausnahme, so Morier. «Das kam in der laufend Jagdpachtperiode 2011 bis 2018 nicht vor. Für die neue Jagdpachtperiode werden zwei von 179 Jagdrevieren nochmals ausgeschrieben.» Neben dem Jagdrevier Wil ist das Jagdrevier Murgenthal im Bezirk Zofingen betroffen.

Jäger analysieren die Situation

Die Jagdgesellschaft Stutz kann sich noch einmal für das Wiler Jagdrevier bewerben. Man lasse eine Türe offen, betont Alain Morier. «Die Jagdgesellschaften müssen belegen, was sie an ihrem Jagdkonzept ändern. Und man kann nicht einfach mit den gleichen Jägern wieder antreten.» Die Jagdgesellschaft muss also Leute auswechseln. Gefragt sind wohl – auch das ein Kriterium bei der Vergabe der Reviere – vor allem jüngere Jäger. Morier geht davon aus, dass in den nächste Wochen Bewerbungen eintreffen werden. «Notfalls kann der Kanton die Pacht freihändig vergeben, das heisst mit Jägern eine Leistungsvereinbarung abschliessen», sagt er.

Die Jagdgesellschaft Stutz lässt noch offen, ob sie sich bis zum 8. Dezember nochmals für das Wiler Jagdrevier bewerben wird. «Wir werden zusammensitzen und analysieren, ob etwas allenfalls falsch gelaufen ist. Des Weiteren werden wir schauen, ob eine Aufstockung des Jagdpersonals möglich ist. Erst dann werden wir entscheiden», sagt Ipser.