Sissle
Zu wenig Wasser im Fricktal: Schuld daran ist der Jurakalk

Die Sissle führt derzeit kaum Wasser – das Entnahmeverbot besteht weiterhin.

Marc Fischer
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Die Sissle, hier in Sisseln, führt derzeit nur wenig Wasser.

Die Sissle, hier in Sisseln, führt derzeit nur wenig Wasser.

Nadine Böni

Gerade einmal 70 Liter Wasser pro Sekunde (0,07 Kubikmeter) betrug der Abfluss der Sissle am Freitagmittag bei der Messstelle in Eiken. Der Bach gleicht damit einem Rinnsal – und das seit Wochen. Das Abfluss-Mittel der Sissle betrug im Juli nur gerade 0,117 Kubikmeter. Zwischen 1977 und 2016 lag das Monatsmittel für den Juli bei 0,949 Kubikmetern. Auch die bisherigen Augustwerte liegen deutlich unter dem langjährigen Mittel.

Bereits Ende Juni hat der Kanton deshalb reagiert und für die Sissle und ihre Seitengewässer – Effingerbach, Wölflinswilerbach, Staffeleggbach und eingedolter Seitenbach des Bruggbachs – ein Wasserentnahmeverbot verhängt. Während das gleichzeitig verhängte Entnahmeverbot für die Bünz im Freiamt längst wieder aufgehoben werden konnte, ist es bei der Sissle noch immer in Kraft. Das heisst, auch eigentlich bewilligte Wasserentnahmen, etwa durch Landwirte oder Gärtnereien, sind untersagt.

Durchlässiger Jurakalk

Trotz des lange anhaltenden Verbots sagt Sabin Nater, Projektleiterin bei der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer: «Die Trockenheit und die sehr tiefen Abflüsse im Einzugsgebiet der Sissle sind keine Ausnahmeerscheinung.» Der Grund dafür, dass die Sissle anfällig für tiefe Pegelstände und Abflussmengen ist, ist der Untergrund. «Die Sissle und ihre Seitengewässer liegen im kalkhaltigen Juraausläufergebiet, dieser Untergrund ist gut durchlässig», erklärt Nater. «Dies führt dazu, dass bei Trockenheit ein Grossteil des Bachwassers neben der Verdunstung auch versickert.»

Im Vergleich zu anderen Aargauer Bächen reagiere die Sissle deshalb auch bereits innert weniger Tage auf Trockenheit. Länger dauert es dagegen, bis sich die Sissle wieder erholt. «Es bräuchte wohl mehrere Tage pro Woche anhaltenderen Regen über mehrere Wochen, um die Situation längerfristig zu entspannen», so Nater. Tatsächlich zeigt ein Blick auf die Abflussmengen der Sissle dieser Woche, dass ein Gewitter wie in der Nacht zum Freitag die Wassermenge nur kurzfristig sprunghaft ansteigen lässt. Wenige Stunden später sind die Werte wieder so tief wie zuvor.

Die Sissle ist nicht der einzige Fricktaler Bach mit tiefen Abflusswerten. Auch der Möhlinbach in Zeiningen oder der Magdenerbach in Rheinfelden weisen ähnlich niedrige Werte auf. «Beim Möhlinbach haben wir aufgrund der aktuellen Abflussverhältnisse noch keinen Handlungsbedarf», so Sabin Nater. Und am Magdenerbach hat derzeit gar niemand eine Nutzungsbewilligung, die sistiert werden könnte.

Kein Fischsterben

Auch im Einzugsgebiet der Sissle sind gemäss Sabin Nater nur wenige Landwirte betroffen – und diese seien sich die temporären Verbote bereits gewohnt. «Im Frickal leben die Einwohner schon sehr lange mit der Sissle und ihren Seitenbächen zusammen und kennen deren Launen gut», so Nater. Folglich sei die Sistierung jeweils keine Überraschung und «wir erhalten dazu kaum Rückmeldungen der betroffenen Bewilligungsnehmer».

Für die Lebewesen in den Bächen sind die tiefen Abflussmengen, die oft mit hohen Wassertemperaturen einhergehen, «eine Stresssituation». Sichtbar sei dies jedoch «nur teilweise und in der Regel im Extremfall», so Nater, etwa dann, wenn Fische sterben. «Zu einem solchen Ereignis kam es in diesem Sommer nicht», so Nater. Wie sich die Stresssituation jedoch längerfristig auswirke, sei schwer abzuschätzen.