Anders als beim Fall «Swissair» muss der Verwaltungsrat eines kleinen Fricktaler Unternehmens für die Fehler, die sein Geschäftsführer begangen hatte, geradestehen. Der ehemalig einzige Verwaltungsrat der Fricktaler Firma zog bis vor Bundesgericht, um den Betrag von 168'195 Franken nicht zahlen zu müssen. Diesen fordert die Ausgleichskasse des Kantons Aargau von ihm, da von der Firma über Jahre keine respektive zu wenig Arbeitgeberbeiträge einbezahlt wurden.

Was ist passiert? Die Firma wurde im Juni 2011 gegründet. Anfangs war Herr Keller (alle Namen geändert) alleiniger Verwaltungsrat. Als Geschäftsführer fungierte Herr Schneider. Letzterer versäumte es über Jahre, genügend Arbeitgeberbeiträge bei der Ausgleichskasse des Kantons Aargau einzuzahlen. Ab Mai 2012 begann die Ausgleichskasse damit, das KMU zu betreiben. Ende Oktober 2013 orientierte die Kasse den Verwaltungsrat, Herr Keller, über eine mögliche Schadensersatzpflicht. Dieser trat nur wenige Tage später aus dem Verwaltungsrat aus. Seinen Posten als alleinigen Verwaltungsrat übernahm ab Februar 2014 Herr Schneider, der Geschäftsführer blieb. Die Firma musste schliesslich im April 2015 Konkurs anmelden. Prompt machte die Ausgleichskasse ihre Ankündigung, beim ehemaligen Verwaltungsrat Schadenersatz zu fordern, wahr.

Beschwerde wird abgewiesen

Herr Keller stellte sich jedoch vor Gericht auf den Standpunkt, dass er die 168'195 Franken Schadenersatzforderung nicht zahlen müsse, da er von der Ausgleichskasse nicht rechtzeitig über die zahlreichen Ausstände in Kenntnis gesetzt worden sei. Das Bundesgericht vertrat jedoch die gleiche Haltung wie die Vorinstanzen. Schon das Verwaltungsgericht hielt fest: Der Beschwerdeführer und ehemalige Verwaltungsrat habe gewusst, dass der Geschäftsleiter im Zusammenhang mit dem Konkurs einer anderen Gesellschaft bereits schadenersatzpflichtig geworden sei. Er sei sich der «angespannten» Lage bezüglich der Beitragszahlungen bewusst gewesen. Dies hätte von ihm als Verwaltungsrat erhöhte Überprüfung der Beitragszahlungen erfordert.

Aus diesen Gründen wies das Bundesgericht die Beschwerde von Herrn Keller ab. Er ist schadenersatzpflichtig und muss zusätzlich zur Forderung der Ausgleichskasse die Gerichtskosten von 6000 Franken übernehmen.

Bundesgerichtsfall: 9C_599/2017