Die Gemeinde Oeschgen wächst. Im vergangenen Jahr nahm die Einwohnerzahl um rund fünf Prozent zu und knackte die 1000er-Marke: 1013 Einwohner zählte das Dorf Ende 2017. Wie der Blick in die Statistik weiter zeigt, sind gut 20 Prozent der Einwohner Kinder. Dies ist der zweithöchste Kinderanteil im Fricktal.

Das Wachstum sorgt nun dafür, dass die Gemeinde kurz- oder mittelfristig zu wenig Schulraum hat. Und dies, obwohl erst vor zwei Jahren ein neuer Kindergarten eröffnet wurde. Gemeindeammann Christoph Koch verhehlt denn auch nicht, dass man von der Zunahme der Kinderzahl etwas überrascht wurde. «In den vergangenen sechs Jahren lebten stets zwischen 43 und 51 Kinder im Alter von 0 bis 4 Jahren in Oeschgen», führt Koch aus. «2017 stieg diese Zahl jedoch von 49 Kindern auf 69 an», so Koch. Eine Zunahme um satte 40 Prozent. Für die kommenden Jahre geht die Gemeinde – auch weil weitere Überbauungen geplant oder im Bau sind – von einer weiteren Zunahme von schulpflichtigen Kindern aus.

Aufstockung oder Neubau

«Wir haben deshalb zusammen mit der Schulpflege beschlossen, die Schulraumplanung jetzt anzugehen», so Koch weiter. An einer Info-Veranstaltung am Montag wurden der Bevölkerung verschiedene Varianten vorgestellt. Eine Idee ist es, das bestehende Turnhallengebäude aufzustocken. Eine andere Alternative wäre ein Neubau an der Stelle, wo heute der Pavillon steht. Während die Gemeinde bei der Aufstockung ohne Ausstattung der Schulzimmer von Kosten von rund 1,9 Millionen Franken ausgeht, würde ein Neubau – ebenfalls ohne Ausstattung – rund 3,3 Millionen Franken kosten. Viel Geld für die Gemeinde. Wie Koch in seiner Präsentation zeigte, würde durch die Investitionen die Verschuldung pro Einwohner bis 2020 sogar mit einer Steuererhöhung um vier Prozent deutlich ansteigen.

Der Gemeinderat taxiert derzeit höchstens die Aufstockung als tragbar. Der Neubau sei ohne «massive Steuererhöhung» nicht finanzierbar, so Koch. Als weiterer Vorteil wären bei einer Aufstockung alle Schulräume im gleichen Gebäude, der Aufwand für den Hauswart wäre geringer und es gingen keine Parkplätze verloren. Dagegen wäre bei einem Neubau auch gleich der Platzbedarf für einen zusätzlichen Kindergarten abgedeckt und der Ersatz des Pavillons wäre vorweggenommen.

Neue Schulform einführen

Da sowohl eine Aufstockung als auch ein Neubau das Gemeindebudget arg belasten, hat der Gemeinderat noch weitere Schrauben gesucht, an denen er drehen könnte, um das Platzproblem zu lösen oder zu entschärfen. Eine Option ist dabei die Einführung einer neuen Schulform. Bislang bietet die Schule Oeschgen Mehrklassenunterricht an. Heisst, die Klassen sind zwar jahrgangsgemischt, die Schüler lernen jedoch hauptsächlich innerhalb ihres Jahrgangs.

Eine Alternative wäre das altersdurchmischte Lernen, wie es beispielsweise in Laufenburg oder in Wölflinswil/Wittnau durchgeführt wird. Hierbei sind die Klassen bewusst aus Kindern verschiedener Jahrgänge zusammengesetzt. Dabei wird dem unterschiedlichen Entwicklungsstand der Schüler Rechnung getragen. So könnten beispielsweise Zweitklässler sowohl mit Erst- als auch mit Drittklässlern zur Schule gehen. Laut Koch liessen sich mit dieser Schulform ab dem Schuljahr 2020/21 vier Klassen mit je 15 bis 20 Schülern bilden. Der zusätzliche Raumbedarf könnte mit einer (Teil-)Aufstockung abgedeckt werden.

Entschieden ist noch nichts. «Wir wollten die Bevölkerung frühzeitig informieren und werden nun die Feedbacks einfliessen lassen und mit der Schulpflege die nötigen Massnahmen absprechen», so Koch. Auch die Bevölkerung könne sich nun bereits Gedanken machen und im Wissen um die Kosten und eine allenfalls deutliche Steuererhöhung abwägen, welche Variante sie befürworte. Je nach Dringlichkeit werde man bereits an der kommenden Wintergemeindeversammlung einen Kreditantrag vorlegen. Für das Schuljahr 2019/20 sollte man, Stand jetzt, noch irgendwie mit den bestehenden Räumlichkeiten auskommen.