Nun ist es also zu haben, das ehemalige Polizeigebäude, das seit dem Umzug der beiden Polizeikorps ins renovierte alte Gemeindehaus Anfang Jahr leer steht. Die Gemeinde Frick hat Remax Oberes Fricktal mit dem Verkauf der Liegenschaft beauftragt.

Zugegeben: Man muss etwas Kleingeld haben, wenn man die Liegenschaft erwerben will, dieses Kleinod «inmitten des Dorfzentrums von Frick an allerbester Geschäftslage», wie die Verkaufsdokumentation um Kaufinteressenten wirbt. Genauer gesagt: 3,39 Millionen Franken Kleingeld sollten es sein. Wobei, das lässt Gemeindeschreiber Michael Widmer durchschimmern, das mit dem Preis ist nicht per se in Stein gemeisselt. Schliesslich ist noch die eine oder andere polizeispezifische Utensilie nicht zurückgebaut. Will heissen: Der Preis ist Verhandlungssache.

Für die 3,39 Millionen Franken bekommt man aber gehörig etwas geboten – ein Unikat, wenn man so will, das Männer- und Frauenherzen gleichermassen höherschlagen lässt.

Zuerst zum Männertraum. Das sind jene beiden Räume im Untergeschoss, die der Bank – vor der Polizei war das Gebäude, das 1953 erstellt wurde, Sitz der Allgemeinen Aargauischen Ersparniskasse – als Tresorräume dienten. Welch ein Gefühl muss es sein, inmitten von mehr als hundert Schliessfächern zu stehen und zu sagen: Drei, zwei eins – meins!

Der (Alb-)Traum

Zugegeben: Lustig ist es nur, wenn man neben den 3,39 Millionen Franken für den Kauf des Gebäudes noch über Bargeldreserven verfügt – sonst muss man in jedem Fach einen Fünfliber einlagern. Und das macht ja dann nicht wirklich Spass, zumal man ja neben dem Kundentresor-Raum mit seinen 16 Quadratmetern auch noch den Banktresor mit seinen zehn Quadratmetern mit Pekuniärem bestücken sollte.

Oder dann mit teuren Bildern, alten Schätzen oder archäologischen Sensationen, die allerdings nicht geklaut sein sollten. Denn Sie wissen ja: Das Gebäude war auch Polizeistation und verfügt deshalb über eine Arrestzelle.

Womit wir bei dem Frauentraum wären. Denn was gibt es Schöneres, als so eine Arrestzelle im eigenen Haus, wo man den Ollen, tut er mal wieder nicht gut oder hat einen (zu viel) über den Durst getrunken, versorgen kann? Wenig, höre ich es rufen – und rufe warnend zurück: Die Arrestzelle hat weder ein WC noch ein Brünneli. Nur so für den Fall allfälliger Nachwirkungen des Zu-tief-ins-Glas-Schauens.

Da wenden wir uns doch lieber den anderen inneren Werten zu. Und davon hat das Gebäude, das 1983 letztmals renoviert wurde, mit einer Kubatur von 4235 Kubikmetern doch einige zu bieten. Eine Schalteranlage mit Panzerglas beispielsweise, was nun wiederum der Traum aller Kinder sein dürfte. Denn damit kann man in der Schule bestens bluffen, wenn das Gspänli erzählt, dass es am Wochenende mit seinen Geschwistern Kinderpost am Kartonschalter gespielt habe. Dann hebt klein Pierin den Zeigefinger, schlägt sich vielsagend auf die Brust und sagt: «Und ich habe Bänkerlis gespielt und Millionen gemacht.» Oder so.

Schutz- und Teeraum

Aber auch sonst bietet das Gebäude alles, was man so brauchen kann, einen 27 Quadratmeter grossen Schutzraum mit Schleuse beispielsweise. Oder einen 24 Quadratmeter grossen Garderobenraum. Oder einen 21 Quadratmeter grossen «Aufenthalt mit Teeküche», wie es in der 44 Seiten starken, reichlich bebilderten Dokumentation heisst.

Insgesamt bietet das alte Polizeigebäude, das auf einem 2108 Quadratmeter grossen Grundstück steht und in dem neben der Polizei Oberes Fricktal auch die Kantonspolizei einquartiert war, im Unter- und Erdgeschoss 529 Quadratmeter Büroflächen.

529 Quadratmeter Büroflächen

Frei nach den Marktschreiern, die einem an den Märkten die Revolution des Raffelns verkaufen wollen und alles mögliche Zubehör «gratis» dazu tun, könnte man als Makler nun rufen: «Zu den 529 Quadratmetern gebe ich Ihnen zum gleichen Preis noch 391 Quadratmeter Nebenflächen hinzu. Aber das ist noch nicht genug, so wahr ich Gottfried Arrest heisse. Ich packe Ihnen noch eine 150 Quadratmeter grosse 61/2-Zimmer-Wohnung samt 120 Quadratmeter grosser Dachterrasse ein. Und weil der Markt in Frick der Beste ist, gebe ich noch 2 Garagen und 17 Parkplätze obendrauf. Und das zu einem Preis von 3,39 Millionen Franken – das ist halb geschenkt!»

Spätestens jetzt ist es Zeit, aus dem Traum zu erwachen und ernsthaften (und vor allem zahlungsfähigeren) Interessenten den Vortritt zu lassen. Für wen eignet sich das Bank-Arrest-Büro-Wohngebäude? «Die zentrale Lage bietet für ein Wohn- und Geschäftshaus ideale Voraussetzungen für die unterschiedlichsten Nutzungen», heisst es dazu in der Verkaufsausschreibung. Die Büroräume seien dank «zahlreichen Eingängen» unterteilbar. Allerdings, das verschweigt die Dokumentation auch nicht: «Für die Umnutzung der Gewerbeflächen muss mit zusätzlichen Kosten gerechnet werden.» Oder man belässt die Räume – aber selbstredend nur jene, wovon wir Männer träumen.