Badi-Saison

Zu kalt? Zu heiss? Zu nass? Zu trocken? – So war der Sommer in der Region wirklich

Am 26. August verzeichnete Helmut Kohler mit 36,6 Grad den heissesten Tag in diesem Jahr – im Fricker Freibad herrschte an diesem Tag Grossandrang.

Am 26. August verzeichnete Helmut Kohler mit 36,6 Grad den heissesten Tag in diesem Jahr – im Fricker Freibad herrschte an diesem Tag Grossandrang.

Der nasse Juni und der durchzogene Juli sind uns noch in bester Erinnerung. Doch wie war der Sommer 2016 im Durchschnitt?

Wetter, Wetter, Wetter. Es ist das Small-Talk-Not-Thema schlechthin. Wem echter Gesprächsstoff ausgeht, schwenkt behände auf das Wetter um. «Ja, dieses Wetter aber auch», leitet er oder sie dann flugs das Gespräch auf sichere Bahnen. Und siehe da: Das Gesicht des Gegenübers, dessen Antlitz eben noch von einer Was-sag-ich-bloss-was-sag-ich-denn-bloss!-Verzweiflung heimgesucht war, hellt sich schlagartig auf und die Konversation kann beginnen.

Das Gespräch, das stürmische, endet dann meist mit der bereits einleitend gemachten Feststellung: «Dieses Wetter aber auch.» Denn richtig ist das Wetter nie. Nie! Es ist zu heiss, zu kalt, zu nass, zu trocken, zu gewittrig, zu düster, zu hell, zum Vergessen, zum Abgewöhnen. «Der Juni war viel zu nass», meint Frau Meier und Herr Müller ergänzt kopfnickend: «Und der Juli deutlich zu kühl.»

Doch ist dem wirklich so? Stimmen die gefühlten Erinnerungen an den Sommer 2016? Helmut Kohler, Hobbymeteorologe aus Schwörstadt, zeichnet seit 1997 die Wetterdaten in der Region auf. Neben zwei eigenen Wetterstationen betreut er auch eine Station in Bad Säckingen. Anhand seiner umfangreichen Daten, die er unter wetter-schwoerstadt.de veröffentlicht, nimmt die «az» zehn (Vor-)Urteile zum Sommer 2016 unter die Lupe.

1. Der Juni war viel zu nass.

Das stimmt. In Schwörstadt fielen im Juni 213,2 Liter Regen pro Quadratmeter – 91,2 Liter mehr als im langjährigen Schnitt. An 24 Tagen regnete es, an elf in Folge. Der Juni, so konstatiert Kohler, war damit «der niederschlagsreichste Juni seit über 50 Jahren».

2. Auf die Siebenschläfer-Regel ist Verlass.

Zumindest in diesem Jahr. Die Regel besagt: «Ist Siebenschläfertag ein Regentag, regnets noch sieben Wochen danach.» Der Siebenschläfertag war der 27. Juni, ein Regentag – und es regnete in der Tat noch rund sieben Wochen danach.

3. So heiss wie in diesem August war es schon lange nicht mehr.

Den August beschreibt Kohler zwar als «zu warm, zu trocken und zu sonnig.» Aber einen Rekord in Sachen Temperaturen brachte er nicht. Der heisseste Tag war in Schwörstadt der 26. August mit 36,6 Grad – im letzten Jahr mass Kohler hier am 7. August gar 40 Grad. Der bedeutete fast Deutschland-Rekord. Diesen hält Kitzingen mit 40,3 Grad. Im Schnitt war es diesmal im August tagsüber 27,3 Grad warm; der Mittelwert von 1981 bis 2010 liegt bei 25,3 Grad.

4. Der August war ein Spätzünder.

Das Traum-Badewetter sparte er sich in der Tat bis zum Schluss auf – dann gab der Sommer dafür nochmals gehörig Gas. Die 36,6 Grad vom 26. August seien, so schreibt Kohler, «die höchste Temperatur in einer letzten Augustwoche seit Aufzeichnungsbeginn 1997».

5. So viele Hitzetage hatten wir schon lange nicht mehr.

Jein, kann man da sagen. An insgesamt 17 Tagen überstieg das Thermometer in Bad Säckingen im Juni, Juli und August die 30-Grad-Marke; davon fallen neun auf den August. Das ist im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 1981 bis 2010 zwar ordentlich. Im Vergleich zum letzten Jahr aber fällt die Hitzebilanz jedoch mager aus: 2015 überstieg das Thermometer an 34 Tagen die 30-Grad-Marke. Die meisten Hitzetage gab es, wenig verwunderlich, 2003 mit 73; am knausrigsten zeigte sich der Sommer 2008 mit 15 Hitzetagen. Einen Hitzetag-Rekord jedoch hält der Sommer 2016: Er verzeichnete den spätesten ersten Hitzetag des Jahres; erstmals über 30 Grad wurde es in Schwörstadt erst am 22. Juni.

6. Wenn es regnete, goss es wie aus Kübeln.

Unter einem Himmel voller Kübel wähnte man sich im Juni bisweilen in der Tat. Elf Tage lang regnete es in Folge, 24 Regentage registrierte Kohler in Schwörstadt insgesamt. Am meisten Niederschlag fiel am 25. Juni mit 54,8 Litern pro Quadratmeter. Nicht mehr wie aus Kübeln, sondern wie aus Badewannen goss es dabei zwischen 1:30 und 1:35 Uhr: 9,2 Litern pro Quadratmeter prasselten in nur fünf Minuten nieder; das entsprich einer Niederschlagsrate von 250,4 Litern in der Stunde. Die höchste Niederschlagsrate mass Kohler am 6. Juli 2012: Innert zehn Minuten fielen 32 Liter.

7. Der Sommer war insgesamt zu kalt und zu nass.

Der Schein trügt. Der Sommer in Bad Säckingen war, schreibt Kohler, trotz dem «herbstlichen, sonnenscheinarmen und sehr nassen» Juni mit 54 Liter pro Quadratmeter zu trocken und 1,4 Grad zu warm.

8. Die Sonne zeigte sich in diesem Sommer weniger als in anderen Jahren.

Das ist korrekt. Helmut Kohler hat für Bad Säckingen im langjährigen Vergleich ein «Sonnenscheindefizit» von 40:40 Stunden errechnet. Das Defizit fuhr der Sommer im Juni ein; im August lag die Sonnenscheindauer dafür klar im Plus.

9. Am längsten schien die Sonne im Juli.

Jein. 12:30 Stunden schien die Sonne in Bad Säckingen am 4. Juli – genau gleich lang aber auch schon am 23. Juni. Ein klassisches Patt also. Im August dagegen waren 10:40 Stunden das Maximum der Sonnengefühle.

10. Brrr – so gefroren wie 2016 habe ich an einem Augustmorgen noch nie.

Fast nie. Mit 7,1 Grad verzeichnete Kohler am 11. August die drittkälteste Augusttemperatur seit 1997. Die durchschnittliche Tiefsttemperatur lag im August bei 13,88 Grad.

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