Gansingen
Zu jung, um noch älter zu sein

Gansingen feierte das 775-Jahr-Jubiläum mit dreitägigem Fest und einem humorvollen Abschluss

Dieter Deiss
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Die Gansheimer überreichten als Jubiläumsgeschenk eine Steintafel mit Inschrift und Wappen
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Im Ökumenischen Gottesdienst vom Sonntagmorgen sangen der Chor „StimmXvoll“ und die Alphorngruppe Kaisten spielte
Dorffest Gansingen
Musikalische Unterhaltung mit einem Gansheimer Duo
Die Märchentante Agnes erzählte in der Hasenhöhle Geschichten
Die KulturWerk-Stadt Sulz war mit einer echten Nagelschmiede vor Ort
Die Blaskapelle „Rhybuebe“ spielte am Sonntag zum Frühschoppen
Die Alphorngruppe Kaisten liess ihre Klänge über das Tal erschallen
Das Mülitheater spielte in den verschiedenen Beizen stets vor vollen Rängen
Der „Regierungsvertreter“ überreicht Landammann Urs Hofmann als Geschenk eine goldene Flüssigkeit, bei der man nach genügend Genuss den Louis d’Or doppelt sehe
Am Weinbrunnen fehlt es nie an Gesprächsstoff
Alex und Ursula Hürzeler in Gansinger Festlaune
„Freiherr Bruno von Bernau“ bittet den Gansheimer Bürgermeister Alois Schiegg zum Rednerpult

Die Gansheimer überreichten als Jubiläumsgeschenk eine Steintafel mit Inschrift und Wappen

Dieter Deiss

Es war noch einmal heiss im Festzelt in Gansingen, als die Musikgesellschaft den Auftakt zum feierlichen Festakt blies. Kaum war der letzte Ton des Eröffnungsstücks verklungen, erschien eine kriegerische Gestalt in Rüstung und mit einem grossen Schwert bewaffnet und beklagte sich über Ganso und seine Sippe. Der Krieger suchte in der Festgemeinde den Stammesältesten und entdeckte diesen dann in der Gestalt des Gansinger Gemeindeammanns Mario Hüsler. Der Krieger erwartete von Hüsler eine Antwort darauf, weshalb man heute erst 775 Jahre Gansingen feiere, dabei habe doch die erste Besiedelung vor mindestens 1200 Jahren stattgefunden.

Konstruktiv und kritisch

In seiner Jubiläumsansprache löste dann Gemeindeammann Hüsler das Rätsel: Gansingen sei tatsächlich bereits um das 5. Jahrhundert herum besiedelt gewesen und meinte: «Wie fühlen uns noch jung, und so feiern wir heute 775 Jahre Gansingen. Eine Episode von 1814, wo Gansingen für ein Heer Napoleons Rekruten zur Verfügung stellen sollte, sich jedoch trotz diverser Zwangsmassnahmen des aargauischen Regierungsrates diesem Ansinnen widersetzte, nahm Hüsler als Beispiel dafür, wie sich die Gansinger immer wieder erfolgreich obrigkeitlichen Anordnungen widersetzten. «Gansingen war immer wieder konstruktiv-kritisch», charakterisierte Hüsler sein Dorf. Dies sei vielleicht mit ein Grund dafür gewesen, dass man seinerzeit gegen die Gemeindefusion im Mettauertal gestimmt habe. «Wir müssen weiterhin kreativ bleiben und an einem Strick ziehen», schloss er seine Ausführungen.

Schulden von 1400 Louis d’Or

Dann erschallte es aber plötzlich ganz anders ins Rund. Ein «Vertreter der aargauischen Regierung» beklagte sich bitter über das Verhalten der Gansinger, die 1814 die so dringend benötigten Rekruten nicht zur Verfügung gestellt hatten. Zudem habe Gansingen beim Kanton aus dieser Zeit immer noch eine Schuld von 1400 Louis d’Or. Er ersuchte den anwesenden Landammann Urs Hofmann zu einer Stellungnahme.

Man habe unterdessen genau nachgerechnet, meinte Urs Hofmann in seiner Rede, und dabei festgestellt, dass Gansingen nichts mehr schulde. Gansingen habe stets ein starkes Eigenbewusstsein entwickelt, schwenkte dann Hofmann in die Neuzeit über, und habe es stets verstanden, eine besondere Stellung einzunehmen. «Ganso würde sich tierisch freuen, wenn er das heutige Gansingen sehen könnte», schloss der Landammann.

Den Schlussstrich unter den Festakt machte die Musikgesellschaft Gansingen mit einer Uraufführung: Der bekannte Gansinger Musiker Urs Erdin hatte extra für diesen Anlass eine recht eigenwillige, aber unterhaltsame Komposition geschrieben mit dem Titel «Gansungen».