Am Samstag wird Zoltan Cordas die Steinlihalle zum letzten Mal als Trainer des TV Möhlin betreten. Nach drei Jahren als Coach der NLB-Equipe ist Schluss. Der 55-jährige Österreicher kehrt auf eigenen Wunsch in seine Heimat zurück, wo er künftig den HC Linz trainieren wird. Sein Amt in Möhlin übernimmt der frühere Handballprofi Jürgen Brandstaeter. «Ich werde schon ein wenig sentimental, wenn ich an den Abschied denke. Die Jungs und der ganze Verein sind mir echt ans Herz gewachsen», sagt er.

Zoltan Cordas kann man getrost als Handball-Fanatiker bezeichnen. Er lebt für den Handball. Und das mit jeder Faser seines Körpers. TV Möhlins Präsident Simon Mahrer beschreibt es wie folgt: «Zoltan hat ein unglaubliches Handballwissen und kennt fast jeden Spieler in der Schweiz. Das ist Wahnsinn. Mit seiner Leidenschaft und Begeisterung für den Handballsport hat er es geschafft, die Euphorie fürs Handball nach Möhlin zurückzubringen.»

Abenteuerlicher Beginn

Bevor Zoltan Cordas den TV Möhlin übernommen hatte, zählten die Fricktaler in der NLB zu den Wackelkandidaten und konnten den Abstieg meist nur knapp verhindern. Mit Cordas machte die Mannschaft einen grossen Schritt nach vorne und wurde konstanter. Mit einem Sieg am Samstag können sie sich zum dritten Mal in Folge in den Top 4 der NLB klassieren. Hinter dieser erstaunlichen Entwicklung steckt jedoch viel harte Arbeit.

An seine ersten Trainings in Möhlin erinnert sich Zoltan Cordas noch immer bestens. «Als ich in Möhlin anfing, hatte ich eine Mannschaft, die aus sechs Torhütern und sechs Feldspielern bestand. Das war schon sehr abenteuerlich», blickt er lachend zurück. Seither ist viel passiert. Cordas verstand es, die Spieler und den Verein von seiner HandballPhilosophie zu überzeugen. «Das Kapital eines Vereins sind nicht die Legionäre, sondern die Spieler aus dem eigenen Dorf. Sie sind die Basis», weiss Cordas. Passend dazu antwortet er auf die Frage nach seinem grössten Erfolg in seiner Zeit als Trainer des TV Möhlin wie folgt: «Punkte und Tabellenränge hin oder her, mein grösster Erfolg ist, dass wir ein Fundament an eigenen Spielern aufbauen konnten. Wir haben viele Junge aus der Region in die erste Mannschaft integriert, die mittlerweile Führungsspieler geworden sind.»

Das Handball-Ehepaar

Zoltan Cordas ist ein charismatischer Trainer, der sehr direkt und konsequent ist. Auch in Interviews nimmt er kein Blatt vor den Mund und ist nie um einen Spruch verlegen. Dass er mit seiner Art zuweilen aneckt oder gar als arrogant abgestempelt wird, ist sich Cordas bewusst. «Ich weiss schon, dass sich manche Leute von mir oder meinen Aussagen beleidigt fühlen. Aber wenn du zwischen den Zeilen lesen kannst, erkennst du, dass ich die Leute damit zum Nachdenken bringen will. Selbst vor meinem Team habe ich jede Ansprache mit einem Witz oder einer sarkastischen Bemerkung begonnen. Warum? Weil das die Leute aufweckt und sie dir dann zuhören.»

Sein treuster Wegbegleiter war Torhütertrainer Martin Pauli. Mehr als elf Jahre arbeiteten die beiden zusammen – zuerst bei Endingen, dann bei Möhlin. Eine Zusammenarbeit, die stets geprägt war von gegenseitigem Respekt. «Wir haben uns blind verstanden. Jeder hat dem anderen in seinem Bereich freie Hand gelassen. Wir haben uns elf Jahre lang praktisch jeden Tag gesehen. Ich kann mir noch nicht richtig vorstellen, wie das ohne Zoltan sein wird», sagt Pauli. Cordas spricht gar davon, dass Pauli und er «ein altes Handball-Ehepaar» seien. «Und sogar eines, das das verflixte siebte Jahr überstanden hat.» Mit seinem Humor, seiner Handballkompetenz und seiner Persönlichkeit wird Zoltan Cordas beim TV Möhlin definitiv eine Lücke hinterlassen.